- Das 600-Dollar-MacBook Neo mit demselben A18 Pro Chip wie im iPhone 16 Pro spielt in einer Liga, in der x86-PC-Laptops derselben Preisklasse bei Leistung, Display und Verarbeitungsqualität nicht mithalten können
- Trotz 8 GB RAM läuft es bei typischen Produktivitätsaufgaben ohne spürbaren Leistungsabfall angenehm flüssig; Display mit 500 Nits, Lautsprecherqualität und Akkulaufzeit sind für den Preis allesamt hervorragend
- Zur Kostensenkung kommt ein mechanisches Trackpad zum Einsatz, das sich bei Multi-Finger-Gesten und Klickgefühl aber keineswegs billig anfühlt
- Nachteile sind das Fehlen eines Umgebungslichtsensors, ein USB-2.0-Zusatzport, ein 20-W-Ladegerät und keine Kamera-Kontrollleuchte; auf die allgemeine Nutzbarkeit wirkt sich das aber kaum aus und ist angesichts des Preises von 600 Dollar akzeptabel
- Als günstiges Mac-Notebook mit MacOS, das sogar günstiger ist als ein iPad Pro mit Magic Keyboard, ist es sowohl für neue Mac-Nutzer als auch für bestehende Nutzer eine starke Alternative
- Das MacBook Neo eignet sich auch als zusätzlicher Mac als iPad-Ersatz und steht sinnbildlich für ein Apple-Design der Post-Jony-Ive-Ära, das auf Praxistauglichkeit und Zugänglichkeit setzt
Hintergrund: Warum ein Mac mit A-Serie-Chip
- Spätestens 2015, als der A9-Chip im iPhone 6S die Single-Core-Leistung des damals neuen 12-Zoll-MacBook für 1.300 Dollar mit Intel Core M übertraf und im Multi-Core-Test bis auf 3 % herankam, war die Möglichkeit eines ARM-Wechsels beim Mac bereits klar erkennbar
- Apples M-Serie in Apple Silicon hat gegenüber x86 bei Leistung pro Watt, absoluter Leistung und Unified-Memory-Architektur einen überwältigenden Vorsprung gezeigt; das MacBook Neo belegt nun, dass auch ein Chip der A-Serie für einen Consumer-Mac mehr als genug Leistung bietet
- 2020 wurde das Apple-Silicon-Developer-Transition-Kit bereits mit einem A12Z-Chip in Form eines Mac mini ausgeliefert; die Fähigkeit der A-Serie, einen Mac zu betreiben, war also schon länger vorhanden, nur wurde die Markteinführung zugunsten kompromissloser Leistung hinausgezögert
- In 20 Jahren haben Apples „Phone-Chips“ Intel x86 bei Geschwindigkeit, Wärmeentwicklung, Größe und Kosten überholt
Praxistest und gefühlte Leistung
- Getestet wurde etwa sechs Tage lang vor allem mit dem 700-Dollar-Modell in Citrus (Touch ID, 512 GB Speicher); das Erlebnis übertraf die Erwartungen
- Mit 8 GB RAM bleibt das System auch dann flüssig, wenn 12 Apps gleichzeitig geöffnet sind
- Bei Hunderten von Safari-Tabs kann es Grenzen geben, aber für typische Produktivitätsaufgaben ist es nicht nur „fine“, sondern klar „good“
- Auch mit MacOS 26 Tahoe – dem für das Neo erforderlichen Betriebssystem – gibt es deutlich weniger Kritikpunkte als erwartet
- Das Display erreicht bis zu 500 Nits Helligkeit und liegt damit auf dem Niveau des MacBook Air, auch subjektiv
- Die nach außen abstrahlenden Lautsprecher klingen so klar und voll, dass man kaum glauben würde, dass es sich um ein 600-Dollar-Notebook handelt
- Die Akkulaufzeit ist lang; der Großteil des Tests erfolgte ohne Netzteil
- Das Tastaturgefühl entspricht dem aktueller MacBook-Pro-Modelle und wirkt mit den neuen Tastenkappen sogar eher noch besser
Trackpad
- Wie bei älteren MacBooks handelt es sich um einen mechanischen Klickmechanismus, der auch bei ausgeschaltetem Gerät klickbar ist – eine Sparmaßnahme, die sich aber überhaupt nicht billig anfühlt
- Oben, unten oder in den Ecken: Das Klickgefühl ist überall natürlich, und auch Multi-Finger-Gesten funktionieren normal
- Force Touch und haptisches Feedback wie beim Magic Trackpad werden nicht unterstützt – die entsprechenden Optionen fehlen in den Systemeinstellungen komplett
- Nutzer, die nicht an Force Touch gewöhnt sind – etwa Erstnutzer eines MacBook oder Gelegenheitsnutzer –, werden den Unterschied kaum bemerken
- Es ist etwas kleiner als beim MacBook Air, aber proportional zur kleineren Gehäusegröße des Neo
- Die Gesamtqualität ist so hoch, dass sich ein „günstiges Trackpad überhaupt nicht günstig anfühlt“
Schwächen und fehlende Funktionen
- Kein Umgebungslichtsensor: In den Systemeinstellungen gibt es zwar die Option für automatische Helligkeitsanpassung, sie funktioniert aber nicht richtig, sodass man die Helligkeit ein- bis zweimal täglich manuell anpassen muss
- Das war in sechs Tagen Nutzung der einzige Punkt, der im Alltag wirklich störte
- Keine Hardware-Kontrollleuchte für die Kamera: Die Kameranutzung wird nur über die Menüleiste angezeigt, was eine per Software umgehbare Sicherheits- und Datenschutzschwäche darstellt
- Kein Center Stage und kein Desk View: Wer diese Funktionen ohnehin nicht nutzt, wird davon kaum etwas merken; die Webcam selbst liefert mit 1080p eine gute Bildqualität
- Keine Notch: Stattdessen gibt es breitere schwarze Ränder um das Display – was eher ein Vorteil als ein Nachteil ist
- Der zweite USB-C-Port unterstützt nur USB-2.0-Geschwindigkeit – das dürfte in der nächsten Neo-Generation verbessert werden, ist aber auch jetzt kein Grund, vom Kauf abzuraten
- Wer Thunderbolt oder mehrere schnelle USB-Ports braucht, muss zu MacBook Air oder Pro greifen
- Das mitgelieferte Ladegerät hat nur 20 W und liegt damit auf iPad-Air-Niveau – 30 W wären wünschenswert gewesen, andererseits kann man schon froh sein, dass überhaupt ein Ladegerät beiliegt
- Mit einem stärkeren Netzteil ist schnelles Laden über beide USB-C-Ports möglich
- Das USB-C-Kabel ist weiß statt farblich auf das Gerät abgestimmt und mit 1,5 m kürzer als das 2-m-MagSafe-Kabel von MacBook Air und Pro
Gewicht und Formfaktor
- Mit 2,7 Pfund (1,23 kg) wiegt es genauso viel wie das 13-Zoll-MacBook Air mit M5; das Display ist 13,0 Zoll groß, der Footprint kleiner, dafür ist es dicker als das Air (Neo 1,27 cm vs. Air 1,13 cm)
- Das MacBook „One“ von vor zehn Jahren war mit 2 Pfund (0,92 kg) und einer Dünnheit bis zu 0,35 cm ein echtes Design-Statement, musste sich aber wegen der schwachen Leistung des damaligen Intel-Core-M-Chips große Kompromisse leisten
- Das Gewicht von 2,7 Pfund bringt beim Neo einen praktischen Vorteil: Man kann den Deckel mit einer Hand öffnen; beim alten MacBook One hob sich wegen des zu geringen Gewichts oft das ganze Gerät mit an
- Jetzt, da Apple Silicon die Probleme bei Leistung, Leistung pro Watt und Chipgröße gelöst hat, bleibt der Wunsch nach einem zusätzlichen ultraleichten MacBook mit weniger als 2 Pfund neben dem Neo bestehen
- In einem Line-up, in dem das Neo dem iPhone 17e, das Air dem iPhone 17 und das Pro der iPhone-17-Pro-Reihe entspricht, fehlt ein ultradünnes MacBook als Pendant zum iPhone Air
Das MacBook Neo als iPad-Ersatz
- Ein iPad Pro plus Magic Keyboard kostet 1.300 Dollar in 11 Zoll bzw. 1.650 Dollar in 13 Zoll; ein iPad Air plus Magic Keyboard 870 Dollar in 11 Zoll bzw. 1.120 Dollar in 13 Zoll
- Das 13-Zoll-iPad mit Magic Keyboard wiegt etwas mehr als die 2,7 Pfund des MacBook Neo
- Das 700-Dollar-MacBook Neo bietet eine Tastatur in voller Größe und MacOS und ist damit 170 Dollar günstiger als ein 11-Zoll-iPad Air mit Magic Keyboard
- Für Nutzer, die einen mobilen Computer mit Fokus auf Tastatureingabe statt Pencil-Zeichnen wollen, ist es eine hervorragende Alternative zum iPad
- Während des sechstägigen Tests wurde das iPad kein einziges Mal verwendet, und es gab keinen einzigen Moment, in dem ein iPad wünschenswerter gewesen wäre
- Es eignet sich sowohl als erster Mac für neue Nutzer, die von einem PC wechseln, als auch als zweiter Mac für bestehende Mac-Nutzer mit leistungsstarkem Desktop als Hauptgerät
Apples Designphilosophie nach Jony Ive
- Wenn das MacBook „One“ ein Design-Statement und semipremiummäßiges Produkt für eine kleine Zielgruppe war, dann ist das Neo ein Massenmarktprodukt, das geplant, gestaltet und entwickelt wurde, um die Mac-Nutzerbasis zu vergrößern
- Auch das Neo ist ein Design-Statement, aber mit anderem Charakter – vor allem steht Praxistauglichkeit an erster Stelle
- Das Urteil lautet: „einfach ein großartiges Werkzeug und ein unterhaltsames Produkt“
- Die Schlussfolgerung: Wenn Apple für 600 Dollar ein Mac-Notebook auf diesem Niveau bauen kann, gibt es kaum noch einen Grund, auf dem iPad zu beharren
Weitere Details
- Die Farbe Citrus ist tagsüber ein gelb mit grünem Einschlag, nachts eher ein Grün mit gelblichem Ton – ein ungewöhnlicher Farbton
- Die Akzentfarbe in den MacOS-Systemeinstellungen passt sich automatisch an die Hardware-Farbe des Neo an – eine Methode, die Apple seit Jahrzehnten verwendet
- Das Apple-Silicon-Developer-Transition-Kit bot zwar zwei USB-C-3.1-Ports, zwei USB-A-3.0-Ports und HDMI, war aber kein Verkaufsprodukt, sondern Leihhardware; in die zusätzlichen I/O-Ports floss erheblicher Engineering-Aufwand außerhalb des A12Z-SoC
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