2026: Nutzt einfach Postgres (It's 2026. Just Use Postgres)
(tigerdata.com)Kernaussage
- Der langjährige Rat, „das richtige Tool zu verwenden“, führt paradoxerweise zu einer ausufernden Datenbanklandschaft und schafft einen Verwaltungsalbtraum. Im Zeitalter der AI-Agenten im Jahr 2026 ist es überwältigend vorteilhaft, alles mit einer einzigen Datenbank abzudecken. Die Schlussfolgerung vorweg → Für die meisten (99 %) Unternehmen reicht Postgres allein aus.
Warum sollte man jetzt auf ein einziges Postgres setzen?
- AI-Agenten müssen Testdatenbanken schnell hochfahren, forken und debuggen können. Nutzt man mehrere Datenbanken (Pinecone + Elasticsearch + Redis + MongoDB usw.), ist das nahezu unmöglich.
- Mit nur einem Postgres lassen sich Backup-, Monitoring-, Sicherheits- und Disaster-Recovery-Strategien vereinheitlichen → kognitive Last und versteckte Kosten sinken drastisch.
- Wer mehrere Datenbanken verwendet, bekommt in der Praxis Probleme wie fehlgeschlagene Synchronisation, massiv erschwerte Wiederherstellung und eine siebenfach höhere betriebliche Komplexität.
Konkrete Gründe, warum Postgres spezialisierte Datenbanken ersetzen kann
Postgres-Erweiterungen haben Algorithmen spezialisierter Datenbanken bereits ebenso gut oder sogar besser umgesetzt:
- Suche → pg_textsearch (BM25) → ersetzt Elasticsearch
- Vektorsuche → pgvector + pgvectorscale (DiskANN) → 28-mal schneller und 75 % günstiger als Pinecone
- Zeitreihen → TimescaleDB → vergleichbar mit oder besser als InfluxDB + vollständige SQL-Unterstützung
- Dokumente → JSONB → Leistung auf MongoDB-Niveau + ACID-Garantien
- Geodaten → PostGIS (seit 2001 Standard)
- Queues → pgmq → kann Kafka ersetzen
- Außerdem decken pg_cron, pgai usw. den Großteil des Restes ab
Entgegnung auf Gegenargumente
- „Für bestimmte Aufgaben ist eine spezialisierte Datenbank besser“ → stimmt, aber für 99 % der Unternehmen ist das überdimensioniert und nur in extremen Fällen des obersten 1 % relevant.
- Das Marketing spezialisierter Datenbankanbieter hat nur den Mythos vom „right tool“ verbreitet, während die tatsächlichen versteckten Betriebskosten und gebrochene Datenkonsistenz deutlich schwerer wiegen.
Fazit
- Startet mit Postgres.
- Fügt Komplexität nur dann hinzu, wenn die Notwendigkeit nachgewiesen ist.
- 2026 gilt: Nutzt einfach Postgres.
(Da Tiger Data das Unternehmen hinter TimescaleDB/pgvector usw. ist, hat das Ganze einen leicht werblichen Charakter, aber die Logik der Argumentation und die Benchmark-Grundlage sind durchaus überzeugend.)
9 Kommentare
Mit „right tool for the job“ sind doch von vornherein Dinge wie Unternehmensgröße, Wartbarkeit und Kosten insgesamt mitgemeint. Ich verstehe nicht, seit wann dieser Satz so ausgelegt wird, dass man ein Tool verwenden soll, das nur auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiert ist.
Früher war das schon so, aber Dienste wie supabase und neon db scheinen inzwischen noch besser zu sein, weil sie auch für das Vibe-Coding von Nicht-Entwicklern gut geeignet sind.
Das lässt sich kaum bestreiten
Auch MySQL ist in den neuesten Versionen durch allerlei Verbesserungen beim Bedienkomfort durchaus gut geworden, aber die Nutzung von PostgreSQL ist schon etwas bequemer.
Wenn es ein Fall ist, in dem man die Performance mit einem Clustered Index maximieren möchte, könnte MySQL InnoDB etwas besser sein?
Ist MySQL nicht möglich??
Umgekehrt gibt es auch Stimmen, die sagen: "2026 solltet ihr aufhören, MySQL zu verwenden."
https://optimizedbyotto.com/post/reasons-to-stop-using-mysql/
Solche Artikel nach dem Motto „Mit Postgres kann man alles machen“ tauchen regelmäßig auf.
Wenn man darüber nachdenkt, was verletzlicher ist – Postgres oder unser Business …
Wenn man alles andere ausklammert und nur den reinen Wartungsaspekt betrachtet, könnte das tatsächlich von Vorteil sein.
Wenn man jedoch das eingestellte Personal, die zugehörigen Tools, künftig einzustellende Mitarbeitende und auch die durch diese Ansicht entstehenden Konflikte innerhalb der Organisation einbezieht, habe ich Zweifel, ob das wirklich eine gute Meinung bzw. Entscheidung ist.
Statt von einer absolut richtigen Antwort auszugehen, scheint es besser zu sein, eine Lösung zu wählen, die zur Situation der jeweiligen Organisation passt, haha
Liegt es daran, dass das Gehirn bereits die Kommentare zu ähnlich gelagerten Behauptungen gelernt hat, dass man schon sieht, welche Kommentare sich ansammeln werden? 😂