- In mehreren Ländern wie Papua-Neuguinea und Nigeria weichen die Bevölkerungsstatistiken stark von der Realität ab, und selbst die Regierungen kennen die genauen Zahlen nicht.
- Im Fall von Papua-Neuguinea wurde die Bevölkerung für 2022 auf 9,4 Millionen beziffert, indem die Volkszählungsdaten von 2000 schlicht hochgerechnet wurden; ein UN-Bericht schätzt sie jedoch auf rund 17 Millionen.
- In Nigeria wurden Volkszählungen wegen politischer Interessen und der Verteilung von Öleinnahmen wiederholt manipuliert; eine offizielle Erhebung gibt es seit 2006 nicht mehr.
- Auch bevölkerungsbezogene Schätzungen auf Basis von Satellitenbildern sind mit Fehlern von teils über 80 % schwer verlässlich.
- Weltweit sind die Bevölkerungszahlen vieler Länder unsicher, was die Verlässlichkeit wirtschaftlicher und politischer Statistiken insgesamt beeinträchtigt.
Verwirrung um die Bevölkerungsstatistik von Papua-Neuguinea
- Die Regierung von Papua-Neuguinea gab die Bevölkerung für 2022 mit 9,4 Millionen an, doch dabei handelte es sich um eine einfache Schätzung auf Basis der Volkszählung von 2000 (5,5 Millionen).
- Die Volkszählung von 2011 galt als gescheitert, ihre Ergebnisse wurden verworfen.
- Ein im Auftrag der UN erstellter Bericht kommt zu dem Schluss, dass die tatsächliche Bevölkerung bei etwa 17 Millionen liegt, und weist auf eine massive Untererfassung in ländlichen Gebieten hin.
- Nach Veröffentlichung des Berichts verhängte die Regierung eine Nachrichtensperre, und die UN erkannte weiterhin die bisherigen Zahlen an.
- Auch bei der neuen Volkszählung 2024 wurden schwere Auslassungen vermutet, sodass die tatsächliche Bevölkerungszahl weiterhin unklar ist.
Behauptungen über eine „falsche Bevölkerung“ und ihre Widerlegung
- Der Twitter-Nutzer Bonesaw behauptete, die Bevölkerungen Chinas und Indiens seien übertrieben dargestellt und die tatsächliche Weltbevölkerung liege unter 1 Milliarde.
- Der Text bewertet diese Behauptung als „offensichtlich absurd“.
- Sie wird als unmögliche Verschwörungstheorie beschrieben, für die Hunderttausende Mitarbeiter von Regierungen und internationalen Organisationen gemeinsame Sache machen müssten.
- Zugleich gibt es einen Kern von Wahrheit, insofern manche Staaten ihre tatsächliche Bevölkerungszahl nicht genau kennen.
Die Geschichte der Bevölkerungsmanipulation in Nigeria
- Nigeria wird offiziell mit 240 Millionen Einwohnern als bevölkerungsreichstes Land Afrikas geführt, verfügt aber über keine verlässliche Volkszählung.
- Volkszählungen sind dort direkt mit der Verteilung von Parlamentssitzen und Öleinnahmen verknüpft, weshalb es wiederholt zu regionalen Übertreibungen und Manipulationen kam.
- Als die Erhebung von 1962 eine größere Bevölkerung im Süden ergab, stieg nach einer erneuten Zählung ein Jahr später die Bevölkerung des Nordens um 8 Millionen.
- Die Volkszählung von 1973 war so offensichtlich manipuliert, dass die Ergebnisse nicht veröffentlicht wurden; danach wurden Zählungen für 18 Jahre ausgesetzt.
- Nach der Volkszählung von 2006 führte der Bundesstaat Lagos eine eigene Erhebung durch und erklärte, er habe 8 Millionen mehr Einwohner als in den Regierungszahlen angegeben.
- Die heutige Bevölkerungszahl ist lediglich eine Fortschreibung des Ergebnisses von 2006, der selbst der Vorsitzende der staatlichen Statistikkommission nicht vertraut.
- Niedrige Wählerregistrierungsraten, SIM-Registrierungsraten und ein starker Rückgang der Geburtenrate deuten darauf hin, dass die Bevölkerung überschätzt sein könnte.
Unsichere Bevölkerungsstatistiken in anderen Ländern
- In der Demokratischen Republik Kongo gab es seit 1984 keine Volkszählung mehr; auch in Südsudan, Eritrea, Afghanistan, Tschad und Somalia wurde teils seit Jahrzehnten keine durchgeführt.
- CIA und Weltbank veröffentlichen zwar offizielle Zahlen, doch es fehlt an einer verlässlichen Grundlage.
- Beispiel: Für die DR Kongo lag die Bevölkerungsschätzung für 2020 je nach Quelle zwischen 73 Millionen und 104 Millionen.
- In einigen Ländern litten Erhebungen darunter, dass Zähler nicht bezahlt wurden, keine Daten einreichten oder falsche Angaben machten.
- Auch die Volkszählung 2022 in Südafrika wurde als um bis zu 31 % untererfasst bewertet.
Grenzen von Satellitendaten
- Satelliten lösen zwar das Problem der geografischen Erreichbarkeit, können aber nicht erfassen, wie viele Menschen in einem Haushalt leben.
- Die satellitenbasierten Schätzungen von Meta und WorldPop können selbst für dasselbe Gebiet um den Faktor zwei auseinanderliegen.
- Beispiel: Die Zahl der unter Fünfjährigen im nigerianischen Bauchi wird von Meta auf 127.000 und von WorldPop auf 254.000 geschätzt.
- Laut einer in Nature veröffentlichten Studie unterschätzen satellitengestützte Bevölkerungsschätzungen die tatsächliche Zahl um bis zu 84 %.
- Besonders große Abweichungen traten unter anderem in China, Brasilien, Australien, Polen und Kolumbien auf.
- Die Satellitentechnik könnte sich künftig verbessern, ist derzeit aber noch nicht verlässlich genug.
Fazit: Unsicherheit bei Bevölkerungsdaten und Grenzen unserer Wahrnehmung
- Die weltweite Gesamtbevölkerung dürfte im Großen und Ganzen stimmen, doch die Fehler auf Ebene einzelner Länder sind gravierend.
- Es könnte Ausgleichseffekte geben, etwa wenn Nigeria überschätzt und Sudan unterschätzt wird, doch ob ein systematischer Bias vorliegt, ist unklar.
- Bevölkerungsstatistiken sind Grundlagendaten für wirtschaftliche und politische Entscheidungen; wenn sie ungenau sind, wird die Bewertung von Staaten insgesamt verzerrt.
- Solche Fälle zeigen, dass wir über die Welt viel weniger wissen, als wir zu wissen glauben.
- Wichtig ist, den Entstehungsprozess statistischer Zahlen zu verstehen und epistemische Bescheidenheit im Umgang mit Daten zu bewahren.
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