- Die iranische Regierung baut ein „Zwei-Klassen-Internet“-System auf, in dem nur eine kleine Elite mit bestandener Sicherheitsprüfung Zugang zum globalen Web hat
- 90 Millionen normale Bürger würden im staatlichen Intranet eingeschlossen, während nur Regimevertreter mit einer „White-SIM-Karte“ unbegrenzten Zugang erhalten
- Dieses als Barracks Internet bezeichnete System ist nicht als vorübergehende Sperre, sondern als dauerhafte Kontrollstruktur konzipiert
- Es entstehen wirtschaftliche Verluste von bis zu 37 Millionen US-Dollar pro Tag, und mehr als 10 Millionen Menschen sind direkt in ihrem Lebensunterhalt betroffen
- Es wird auf den Abbruch internationaler Kooperation und technische Unhaltbarkeit hingewiesen, während Gruppen für digitale Rechte betonen: „Iranerinnen und Iranern muss eine unzerbrechliche Stimme garantiert werden“
Irans Experiment mit dem „Zwei-Klassen-Internet“
- Iran nutzt die seit 16 Tagen andauernde vollständige Kommunikationsabschaltung als „Live-Test“, um ein System aufzubauen, das nur Personen mit bestandener Sicherheitsprüfung den Webzugang erlaubt
- Regierungssprecherin Fatemeh Mohajerani bestätigte, dass der internationale Zugang frühestens Ende März wiederhergestellt werde
- Die Beobachtungsgruppe Filterwatch erklärte unter Berufung auf Regierungsquellen, „dass der Zugang nicht in seine frühere Form zurückkehren wird“
- Laut internen Dokumenten trägt dieses System den Namen „Barracks Internet“ und ist als zugriffskontrollierte Architektur auf Basis einer Sicherheits-Whitelist ausgelegt
- Regimevertreter behalten über „White-SIM-Karten“ unbegrenzten Zugang; rund 16.000 Personen genießen dieses Privileg
Unterschiede zu bisherigen Abschaltungen
- Früher handelte es sich um vorübergehende Sperren, diesmal sind jedoch Umfang und Dauerhaftigkeit anders
- Anders als das nordkoreanische Kwangmyong oder Chinas Great Firewall ist dies der Versuch, eine bereits vernetzte Wirtschaft in kurzer Zeit abzuschneiden
- Kennzeichnend ist der Versuch einer vollständigen Abschottung binnen kurzer Zeit ohne verfügbare inländische Ersatzdienste
Wirtschaftliche Schäden
- Der stellvertretende iranische Kommunikationsminister bezifferte den täglichen Schaden auf 4,3 Millionen US-Dollar, NetBlocks schätzt den tatsächlichen Verlust auf mehr als 37 Millionen US-Dollar
- Rund 10 Millionen Menschen sind für ihren Lebensunterhalt auf digitale Plattformen angewiesen, und das Logistikunternehmen Tipax fiel von 320.000 bearbeiteten Sendungen pro Tag auf nur noch einige Hundert zurück
- Irancell-CEO Alireza Rafiei wurde entlassen, weil er die Abschaltanordnung nicht umgesetzt hatte
- Irancell ist mit 66 Millionen Abonnenten der zweitgrößte Mobilfunkanbieter des Landes; die südafrikanische MTN Group hält einen Teil der Anteile
Zusammenbruch internationaler Kooperation und technische Grenzen
- Ausländische Telekommunikationspartner haben sich zurückgezogen, und künftiger Infrastrukturausbau könnte durch den Bausektor der Revolutionsgarden oder durch begrenzte Zusammenarbeit mit Huawei ersetzt werden
- Das Georgia Tech Internet Intelligence Lab bewertete die aktuelle Abschaltung als „das ausgefeilteste und schwerwiegendste Niveau in der Geschichte Irans“
- Derzeit bleiben nur etwa 3 % der Konnektivität erhalten, hauptsächlich für Regierungsstellen und öffentliche Dienste
- Kaveh Ranjbar, früherer CTO des RIPE NCC, bezeichnete dieses System als „digital airlock“ und wies darauf hin, dass sich eine moderne Wirtschaft nicht vollständig abriegeln lasse
Satellitennetze und ziviler Widerstand
- Seit 2022 wurden etwa 50.000 Starlink-Terminals ins Land geschmuggelt, und SpaceX stellt sie Nutzern im Iran kostenlos zur Verfügung
- Die Regierung behauptet, 40.000 Geräte blockiert und einige Terminals gestört zu haben, doch einige funktionieren über Firmware-Updates weiter an den Sperren vorbei
- Satellitenkommunikation bleibt jedoch weiterhin anfällig für Funkstörungen, sodass die Regierung die letztliche Kontrolle behält
- Die Forscherin für digitale Rechte Mahsa Alimardani betonte: „Iranerinnen und Iranern muss eine unzerbrechliche Stimme garantiert werden, und wir müssen die Grenzen der Internet-Souveränität überwinden“
Fazit
- Irans „Barracks Internet“ ist eine auf Regimeeliten zugeschnittene Struktur zur Monopolisierung von Informationen und hat schwerwiegende Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft
- Technikexpertinnen und -experten stellen die Nachhaltigkeit infrage, während die internationale Gemeinschaft eine langfristige digitale Isolation befürchtet
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