- Internetabstimmung ist ein technisch nicht sicher umsetzbares System, für das auch nach jahrzehntelanger Forschung keine Lösung gefunden wurde
- Durch Malware auf Smartphones und Computern, Server-Hacks und Eindringen in Wahlverwaltungsserver ist eine Manipulation der Abstimmung möglich, und ein einzelner Angreifer kann in großem Maßstab manipulieren
- Auch E2E-VIV (End-to-End-verifizierbare Internetabstimmung) weist aufgrund der Vertrauenswürdigkeit der Verifizierungs-App, fehlender Receipt-Freeness und mangelnder Streitbeilegung grundlegende Schwachstellen auf
- VoteSecure der Mobile Voting Foundation trägt all diese Probleme in sich, und sogar die Entwickler räumen ein, dass es weder vollständige Sicherheit noch ein Protokoll zur Streitbeilegung gibt
- Wissenschaftler betonen, dass die Zuverlässigkeit von Internetabstimmung nicht anhand von Medienberichten oder Werbematerialien, sondern ausschließlich durch peer-reviewte Forschung geprüft werden darf
Grundlegende Unsicherheit der Internetabstimmung
- Internetabstimmung birgt ein deutlich höheres Manipulationsrisiko als herkömmliche Papierwahl
- Malware kann die vom Wähler ausgewählte Stimme auf dem Gerät verändern
- Auch Manipulationen durch Server oder Insider in Wahlverwaltungssystemen sind möglich
- Angriffe über das Internet können von überall auf der Welt aus in großem Maßstab durchgeführt werden
- Papierwahlen sind nicht perfekt, aber groß angelegter Betrug wird mit hoher Wahrscheinlichkeit entdeckt und geahndet
- Bei Internetabstimmung hingegen kann ein einzelner Angriff zahllose Stimmen verändern
Grenzen von E2E-VIV (End-to-End-verifizierbare Internetabstimmung)
- E2E-VIV wurde so konzipiert, dass Wähler überprüfen können, ob ihre Stimme korrekt gezählt wurde, weist jedoch die folgenden strukturellen Probleme auf
- Ist die Verifizierungs-App mit Malware infiziert, kann sie falsche Informationen anzeigen
- Fehlt die Receipt-Free-Funktion, wird groß angelegter Stimmenkauf möglich
- Eine App zu entwerfen, die zugleich Zuverlässigkeit und Receipt-Freeness gewährleistet, ist äußerst schwierig
- Die Verifizierungs-App muss separat ausgeführt werden, doch tatsächlich tun dies nur sehr wenige Wähler
- Selbst wenn einige Wähler Manipulationen entdecken, gibt es keine Möglichkeit, diese zu beweisen, sodass die Wahl nicht für ungültig erklärt werden kann
- Daher hat die „Verifizierungs“-Funktion von E2E-VIV keinen praktischen sicherheitssteigernden Effekt
- In der Wissenschaft gilt diese Grenze bereits seit Jahren als Konsens
Analyse des Falls VoteSecure
- Die Mobile Voting Foundation von Bradley Tusk kündigte an, gemeinsam mit Free and Fair ein Internetabstimmungs-SDK namens VoteSecure entwickelt zu haben
- In der Pressemitteilung wurde behauptet, „sichere und verifizierbare mobile Abstimmung“ sei nun möglich
- Mehrere Sicherheitsexperten wiesen jedoch auf schwerwiegende Schwachstellen von VoteSecure hin
- Auch Forscher des Entwicklers Free and Fair räumten ein: „Die angesprochenen Probleme sind real, und wir kennen keinen besseren Weg.“
- VoteSecure verfügt über keine Receipt-Freeness, über ein unzureichendes Protokoll zur Streitbeilegung, und bei Malware-Befall ist die Verifizierung bedeutungslos
- Zudem besteht die Möglichkeit groß angelegter automatisierter Stimmenkauf-Angriffe und von Wahlentführung (clash attack)
- Free and Fair erklärte, „VoteSecure sei kein vollständiges Wahlsystem, sondern ein kryptografischer Kern auf Core-Ebene“
Wissenschaftlicher Konsens und Empfehlungen
- Jahrzehntelange Forschung zeigt, dass keine Technologie existiert, mit der sich Internetabstimmung sicher machen lässt
- Auch die E2E-VIV-Forschung löst die grundlegenden Probleme nicht
- Wahlverantwortliche und Medien sollten sich vor ‚Pressemitteilungs-basierter Wissenschaft‘ hüten
- Die Prüfung der Zuverlässigkeit ist nur durch peer-reviewte wissenschaftliche Forschung möglich
- Pressemitteilungen oder Unternehmenswerbung können keine Grundlage für die Beurteilung der Zuverlässigkeit von Wahlsystemen sein
Gruppe der unterzeichnenden Experten
- Diese Erklärung wurde gemeinsam von 21 Informatikern aus dem Bereich Wahlsicherheit unterzeichnet
- Zu den Unterzeichnern gehören führende Forscher wie Andrew Appel (Princeton University), Ronald Rivest (MIT) und Bruce Schneier (Harvard University)
- Die Unterzeichnung erfolgte in persönlicher Eigenschaft und stellt nicht die offizielle Position ihrer Institutionen dar
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