Der Aufstieg agentischer KI, die den geschäftlichen Wert neu definiert
Die Geschäftswelt des Jahres 2026 wird grundlegend durch Agentic AI verändert werden, die über das bloße Beantworten von Fragen hinaus selbstständig plant und handelt.
Laut dem Bericht von Google Cloud etabliert sich agentische KI als Schlüsseltechnologie, die menschliche Fähigkeiten erweitert, indem sie Ziele versteht, Pläne erstellt und über verschiedene Anwendungen hinweg Maßnahmen ergreift. Dieser Wandel wird sich vom Backoffice über das Frontoffice bis in die Führungsebene auf alle Hierarchieebenen auswirken und dazu beitragen, das menschliche Leistungspotenzial auf eine neue Stufe zu heben. Insbesondere werden Agenten als Systeme definiert, die die Intelligenz fortschrittlicher KI-Modelle mit dem Zugriff auf Werkzeuge kombinieren und unter der Kontrolle des Nutzers stellvertretend Aufgaben ausführen. Für einen erfolgreichen Übergang reicht es nicht aus, nur neue Tools einzuführen; entscheidend sind vielmehr die Überprüfung bestehender Annahmen und eine Führung, die kulturellen Wandel aktiv vorantreibt.
Im Kern dieses Wandels steht nicht KI als Zusatzfunktion, sondern der grundlegende Übergang zu AI-first-Prozessen. Vizepräsident Oliver Parker betont, dass es sich dabei um eine grundlegende Veränderung von Workflows handelt, die tiefgreifende Veränderungen in Unternehmenskultur und Denkweise erfordert.
Während frühere Technologien einzelnen Fachleuten vorbehalten waren, werden KI-Agenten zu den ersten Technologien gehören, die für alle relevant sind, da sie das individuelle Erinnerungsvermögen, die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung und die erweiterten Schlussfolgerungsfähigkeiten verstärken. Der geschäftliche Wert im Jahr 2026 wird daher davon abhängen, wie breit diese technologischen Möglichkeiten verfügbar gemacht werden, wie die Kompetenzentwicklung der Mitarbeitenden sichergestellt wird und wie umfassende Beteiligung gefördert wird. Letztlich werden Unternehmen mit agentischer KI über bloße Effizienzsteigerungen hinaus einen neuen Motor für Innovation und Wachstum gewinnen.
- Agenten für alle Mitarbeitenden, maximale persönliche Produktivität
Die wichtigste geschäftliche Veränderung im Jahr 2026 ist eine menschenzentrierte Innovation, die über reine Effizienzsteigerung hinausgeht und alle Mitarbeitenden zu Aufsichtspersonen von Agenten macht. Wenn klassisches Computing bislang instruktionsbasiert war und konkrete Anweisungen eingegeben wurden, etwa für Spreadsheet-Analysen oder die Entwicklung von Code, dann wird sich 2026 der Übergang zu intentbasiertem Computing vollziehen, bei dem das gewünschte Ergebnis beschrieben wird und die KI selbst entscheidet, wie es erreicht wird.
Bereits heute setzen 52 % der Führungskräfte in Organisationen, die generative KI nutzen, KI-Agenten in der Praxis ein. Sie werden in breiten Bereichen wie Kundenservice (49 %), Marketing und Security Operations (46 %) sowie technischem Support (45 %) eingesetzt. Dieser Wandel bedeutet, dass alle Mitarbeitenden, von Berufseinsteigern bis zur Führungsebene, sich von der direkten Erledigung ihrer Aufgaben hin zu Orchestratoren entwickeln, die spezialisierte Teams von KI-Agenten steuern.
Die Kernfunktion der Mitarbeitenden entwickelt sich nun dahin, strategische Richtung vorzugeben. Dafür werden ihnen vier zentrale Verantwortlichkeiten zukommen.
- Delegation von Aufgaben, indem alltägliche und repetitive Tätigkeiten identifiziert und geeigneten Agenten zugewiesen werden
- Festlegung klarer Ziele, die die Agenten erreichen sollen
- Entwicklung von Strategien, bei denen menschliches Urteilsvermögen eingesetzt wird, um nuancierte Entscheidungen zu treffen, die KI nicht fällen kann, und Leitlinien vorzugeben
- Übernahme einer Checkpoint-Rolle zur Prüfung von Qualität, Genauigkeit und Tonalität der Endergebnisse
Bei TELUS beispielsweise nutzen mehr als 57.000 Mitarbeitende regelmäßig KI und sparen pro Interaktion rund 40 Minuten ein. Das zeigt deutlich den Wandel in der Wahrnehmung von KI als rund um die Uhr verfügbarem Produktivitätstool. Infolgedessen wird sich ein kollaboratives Modell etablieren, bei dem sich Mitarbeitende auf die Schaffung von hohem Mehrwert konzentrieren, während KI-Agenten komplexe mehrstufige Workflows verwalten.
- Agenten für jeden Workflow, Aufbau einer digitalen Montagelinie
Die Innovation von Geschäftsprozessen wird über den Einsatz einzelner Agenten hinausgehen und durch den Aufbau einer digitalen Montagelinie, in der mehrere Agenten zusammenarbeiten und den gesamten Prozess abschließen, zu einer Maximierung der betrieblichen Effizienz führen. Dabei handelt es sich um mehrstufige Workflows unter menschlicher Anleitung, die komplexe Prozesse wie Beschaffung, Security Operations und Kundensupport End-to-End ausführen, sodass Unternehmen in einen 24/7-Betrieb übergehen und eine kontinuierliche Betriebsfähigkeit erreichen können.
Dem Bericht zufolge erzielen 88 % der Unternehmen, die früh eingestiegen sind, bei mindestens einem generativen KI-Anwendungsfall einen positiven Return on Investment (ROI). Insbesondere in der Telekommunikationsbranche können bislang getrennte Funktionen wie Netzwerkbetrieb, Außendienst und Contact Center integriert werden, um zusammenhängende Sequenzen zu realisieren, die Netzwerkanomalien selbstständig beheben und automatisch Service-Tickets erstellen. Diese „generationelle Refaktorierung“ verändert die zentralen Workflows und den gesamten Tech-Stack von Unternehmen.
Die technologische Grundlage, die diese digitale Montagelinie ermöglicht, werden das Agent2Agent-(A2A)-Protokoll und MCP (Model Context Protocol) als Rückgrat des Systems bilden. Das A2A-Protokoll wird zu einem offenen Standard, der es Agenten unterschiedlicher Entwickler oder auf Basis verschiedener Frameworks ermöglicht, nahtlos zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten.
MCP wiederum wird standardisierte bidirektionale Verbindungen bereitstellen, die Datenquellen und Tools wie Cloud SQL, Spanner und BigQuery anbinden, um die Einschränkung zu überwinden, dass KI-Modelle nicht auf Echtzeitdaten zugreifen oder eigenständig Aktionen ausführen können. Ein praktisches Beispiel ist Elanco: Das Unternehmen hat mit Gemini-Modellen mehr als 2.500 unstrukturierte Dokumente automatisch klassifiziert und analysiert und dadurch das Risiko von Produktivitätsverlusten in Höhe von rund 1,3 Millionen US-Dollar an großen Standorten reduziert. Darüber hinaus entwickeln Salesforce und Google Cloud mithilfe des A2A-Protokolls gemeinsam plattformübergreifend funktionierende Agenten und schaffen so eine offene Grundlage für agentische Unternehmen.
- Innovation des Kundenerlebnisses, Verwirklichung von Concierge-Services
Wenn die Automatisierung des Kundenservice in den vergangenen zehn Jahren auf vorprogrammierte Chatbots angewiesen war, die einfache Fragen beantworteten und die Zahl der Tickets reduzierten, dann werden 2026 Concierge-Agenten als zentraler kundenorientierter Service stark aufsteigen. Diese Agenten der nächsten Generation merken sich die Präferenzen der Kunden und frühere Gespräche und bieten dadurch echte One-to-One-Erlebnisse. 49 % der Führungskräfte haben solche Agenten bereits im Bereich Kundenservice und Customer Experience eingeführt.
Während bestehende Systeme Kundinnen und Kunden dazu zwangen, wiederholt „Berater!“ zu sagen, um zu einem menschlichen Ansprechpartner verbunden zu werden, werden KI-Agenten natürliche Sprache und Kontext zulassen und damit wesentlich schnellere und menschlichere Interaktionen ermöglichen. Der Kern dieses Wandels ist nicht nur die KI-Technologie selbst, sondern Grounding-Technologie in Verbindung mit internen Unternehmensdaten wie Kaufhistorien und Logistikstatus.
Ein konkretes Beispiel ist der Agent „Magic Apron“ von Home Depot, der Kundinnen und Kunden rund um die Uhr fachkundige Anleitung, detaillierte Anwendungshinweise, Produktempfehlungen und Zusammenfassungen von Bewertungen bietet. Im Logistikbereich wiederum kann bei einem erkannten Zustellfehler ein Agent proaktiv feststellen, dass ein Lieferfahrzeug ausgefallen ist, den Termin automatisch auf den nächsten Morgen verschieben, als Entschuldigung einen Gutschein über 10 US-Dollar gewähren und den Kunden per Nachricht informieren. Dieser Wandel wird nicht nur die Kundenzufriedenheit erhöhen, sondern auch das Arbeitsumfeld verbessern, indem sich Service-Mitarbeitende auf emotional komplexe oder besonders urteilsintensive Fälle konzentrieren können.
Auch in der Fertigung weitet sich das Konzept der Personalisierung über das Konsumentenerlebnis hinaus auf industrielle Umgebungen aus, etwa wenn einem Manager Analysen zu Leistungsunterschieden zwischen Schichten bereitgestellt werden, verbunden mit Vorschlägen für maßgeschneiderte Schulungen oder die Optimierung von Maschinenparametern. Letztlich wird agentische KI voraussichtlich auch im Gesundheitswesen den Übergang von reaktiven Systemen zu prädiktiven lernenden Gesundheitssystemen vorantreiben und so die Demokratisierung hochwertiger medizinischer Versorgung ermöglichen.
- Sicherheitsagenten, von der Alarmreaktion zur proaktiven Verteidigung
Im Sicherheitsbereich werden sich KI-Agenten voraussichtlich von einer Stufe weiterentwickeln, in der sie lediglich Bedrohungsalarme weiterleiten, hin zu strategischen Verteidigern, die Bedrohungen analysieren und Gegenmaßnahmen direkt umsetzen. Gleichzeitig leiden Analysten in modernen Security Operations Centern (SOC) unter „Alert Fatigue“ inmitten einer Flut aus Daten und Warnmeldungen. 82 % der Analysten äußern die Sorge, aufgrund der großen Zahl an Alerts reale Bedrohungen zu übersehen.
Die KI-Agenten des Jahres 2026 werden diese Situation grundlegend verbessern und die Art und Weise revolutionieren, wie Security-Teams Bedrohungen identifizieren und darauf reagieren. Dem Bericht zufolge setzen 46 % der Führungskräfte KI-Agenten in Security- und Cybersecurity-Operations ein. Das zeigt, dass die Entwicklung über einfache Automatisierung hinausgeht und Agenten zunehmend selbstständig schlussfolgern, beobachten und ihr Verhalten auf Basis neuer Informationen anpassen. Besonders die CodeMender-Forschung von Google DeepMind hat belegt, dass KI-Agenten auch in gut getesteter Software neue Zero-Day-Schwachstellen finden können.
Ein agentisches SOC im Security-Bereich wird als kooperatives System aus Agenten mit jeweils spezialisierten Rollen betrieben. Tritt beispielsweise ein Sicherheitsalarm auf, bearbeiten Agenten für Datenmanagement, Triage und Untersuchung, Threat Research, Malware-Analyse und Detection Engineering den Prozess in Abfolge, während die Analysten die Handlungen der Agenten überwachen und als strategische Verteidiger die endgültigen Entscheidungen treffen.
Plattformen wie Specular helfen Unternehmen mit Gemini 2.5 Pro dabei, Attack Surface Management und Penetrationstests zu automatisieren, damit Bedrohungen schneller priorisiert und beantwortet werden können. Auch Torq hat mit dem KI-SOC-Analysten „Socrates“ 90 % der Aufgaben von Tier-1-Analysten automatisiert, manuelle Arbeit um 95 % reduziert und damit eine zehnmal schnellere Reaktionszeit erreicht.
Sicherheitsexpertinnen und -experten müssen nun über „bilinguale“ Fähigkeiten verfügen, also sowohl in KI als auch in Security versiert sein, um proaktive Verteidigungssysteme gegen immer ausgefeiltere KI-basierte Bedrohungen aufzubauen.
- Agenten für Wachstum, Upskilling von Talenten und die Zukunft der Organisation
Der mit Abstand wichtigste Faktor, um im Zeitalter der KI-Agenten führend zu sein, liegt nicht in der Technologie selbst, sondern im Upskilling der Menschen, die sie betreiben und steuern.
In einem Umfeld, in dem sich die Halbwertszeit von Fähigkeiten drastisch verkürzt, stimmen 82 % der Führungskräfte zu, dass Ressourcen zum Kompetenzaufbau entscheidend sind, um die Wettbewerbsfähigkeit der Organisation zu erhalten, und 71 % verzeichneten nach der Nutzung solcher Lernressourcen Umsatzsteigerungen. Der Bericht nennt für erfolgreiches KI-Lernen fünf zentrale Säulen (5 Pillars of AI Learning): Ziele setzen, Sponsorship sichern, Momentum aufrechterhalten, in tägliche Workflows integrieren und sich auf Risiken vorbereiten.
Vor allem für neue Rollen wie „Agent Orchestrator“ oder „Chief of Staff for AI“ existiert das notwendige Fachwissen derzeit noch nicht auf dem Markt. Deshalb ist es von größter Bedeutung, dass Unternehmen selbst interne Talente aufbauen. Bei TELUS gewannen durch ein Google-Skills-Trainingsprogramm 96 % der Teammitglieder Vertrauen in den Einsatz von KI-Tools, was letztlich den Weg zu einem schnelleren, intelligenteren und stärker menschenzentrierten Unternehmen ebnet.
Der mit Abstand wichtigste Faktor, um im Zeitalter der KI-Agenten führend zu sein, liegt nicht in der Technologie selbst, sondern im Upskilling der Menschen, die sie betreiben und steuern. Wichtiger als die Evolution der Technologie sind die Menschen, die sie nutzen, und 2026 wird Upskilling der Talente zur entscheidenden Triebkraft für die Schaffung geschäftlichen Mehrwerts werden.
In einer Situation, in der die „Halbwertszeit“ technischen Wissens auf vier Jahre bei allgemeinen Fachkompetenzen und auf nur zwei Jahre im Tech-Bereich geschrumpft ist, müssen Organisationen eine ganzheitliche Strategie zur Entwicklung einer einsatzbereiten KI-Belegschaft aufstellen. 82 % der Führungskräfte stimmen zu, dass Lernressourcen für Fähigkeiten helfen, die KI-Wettbewerbsfähigkeit ihrer Organisation zu erhalten, und tatsächlich verzeichneten 71 % der Organisationen, die solche Lernressourcen nutzten, Umsatzsteigerungen.
Der Bericht nennt die folgenden fünf Kriterien für erfolgreiches KI-Lernen.
- Messbare Ziele setzen, etwa eine Einführung von 100 % (Establish goals)
- Ein Unterstützungssystem aus Führungskräften, Managern und technischen Expertinnen und Experten aufbauen (Secure sponsorship)
- Momentum aufrechterhalten und Innovation belohnen, etwa durch gamifizierten Ideenaustausch oder vierteljährliche Preisverleihungen (Sustain momentum and reward innovation)
- KI durch interne Hackathons oder Field Days in tägliche Workflows integrieren und so praktische Übungsmöglichkeiten schaffen (Integrate AI into daily workflows)
- Die Vorbereitung auf Risiken stärken, mit Regeln zur Datennutzung und Trainings zum Erkennen von Social Engineering als Teil eines vertrauenswürdigen Frameworks (Prepare for increasing risks)
Bei TELUS gewannen durch das Google-Skills-Trainingsprogramm 96 % der Mitarbeitenden Vertrauen in die Nutzung von KI-Tools, und die Wirkung des Programms verdoppelte sich in kurzer Zeit. Letztlich müssen Führungskräfte vor allem kritisches Denken und ethisches Urteilsvermögen fördern, damit Mitarbeitende nicht nur Tools bedienen, sondern die Rolle eines „Chief of Staff for AI“ übernehmen können.
Zum Schluss
Die Geschäftswelt des Jahres 2026 wird sich durch Agentic AI, die selbstständig plant und handelt, grundlegend verändern. Weg von der bisherigen konkreten Anweisungslogik wird sich die Entwicklung hin zu intentbasiertem Computing bewegen, bei dem die Nutzer ein Ziel vorgeben und die KI den optimalen Weg zur Umsetzung bestimmt. Entsprechend werden sich die Rollen von Praktikern verändern: weg von der bloßen Aufgabenerledigung hin zu Orchestratoren, die Teams aus KI-Agenten steuern und strategische Entscheidungen treffen.
Darüber hinaus werden mit der Einführung digitaler Montagelinien, in denen mehrere Agenten zusammenarbeiten, und standardisierter Kommunikationsprotokolle (A2A, MCP) die Workflows von Unternehmen integriert und die Produktivitätseffizienz maximiert. Der Kundenservice wird sich mithilfe von Data Grounding zu einem hyperpersonalisierten Concierge-Niveau weiterentwickeln, und auch der Security-Bereich wird einen großen Wandel hin zu proaktiven Reaktionssystemen erleben. Die zentrale Triebkraft hinter dieser technologischen Innovation ist das Upskilling der Talente: Unternehmen werden ihre Kultur neu ausrichten und ihre Bildungssysteme stärken, damit Mitarbeitende KI strategisch einsetzen können.
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