1 Punkte von GN⁺ 2025-12-27 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Eine neue Pilzart namens Lanmaoa asiatica wurde entdeckt; Berichten zufolge löst ihr Verzehr „liliputanische Halluzinationen“ aus, bei denen Betroffene Hunderte kleiner Menschen sehen
  • Der Pilz gehört zu einer völlig anderen Pilzlinie als herkömmliche „Magic Mushrooms“ und wird in der chinesischen Provinz Yunnan weit verbreitet unter dem Namen „Jian shou qing“ verkauft
  • DNA-Analysen zeigen, dass der Pilz näher mit dem Speisepilz Steinpilz (Boletus edulis) verwandt ist; bekannte halluzinogene Wirkstoffe wurden nicht nachgewiesen
  • Dasselbe Halluzinationsphänomen wurde auch in voneinander weit entfernten Regionen wie Papua-Neuguinea und den Philippinen unabhängig voneinander berichtet, was auf eine gemeinsame chemische oder neurologische Ursache hindeutet
  • Das Forschungsteam führt Genomanalysen und biochemische Experimente durch, um die unbekannten bioaktiven Verbindungen dieses Pilzes aufzuklären; dies könnte neue Hinweise für die Erforschung menschlicher Wahrnehmung liefern

Entdeckung und Merkmale von Lanmaoa asiatica

  • Lanmaoa asiatica ist eine neu wissenschaftlich registrierte Art, die durch DNA-Analyse der auf Märkten in Yunnan verkauften Pilze namens „Jian shou qing“ identifiziert wurde
    • Der Name bedeutet „wird blau, wenn man ihn berührt“ und bezieht sich auf die Eigenschaft, dass sich der Pilz nach dem Anschneiden innerhalb weniger Sekunden verfärbt
    • Er ist wegen seines ausgezeichneten Geschmacks als Speisepilz beliebt, kann aber bei unzureichender Garung starke Halluzinationen auslösen
  • Die Halluzinationen werden als „liliputanische Halluzinationen (Lilliputian hallucinations)“ bezeichnet und gehen mit visuellen Erfahrungen einher, bei denen zahlreiche kleine Figuren sich im realen Raum zu bewegen scheinen
    • Laut Krankenhausunterlagen aus Yunnan berichteten 96 % der Patientinnen und Patienten mit Halluzinationen, „kleine Menschen“ oder „Feen“ gesehen zu haben
  • DNA-Analysen zeigen, dass dieser Pilz eng mit dem Steinpilz verwandt ist und zu einer völlig anderen taxonomischen Gruppe gehört als bisher bekannte halluzinogene Pilze

Historischer und kultureller Hintergrund

  • Aus dem Jahr 1934 gibt es Aufzeichnungen aus dem westlichen Hochland von Papua-Neuguinea, wonach Einheimische nach dem Verzehr eines als „nonda“ bezeichneten Pilzes vorübergehende psychische Auffälligkeiten und Halluzinationen zeigten
    • Auch in später gemeldeten Fällen wurde wiederholt dasselbe Phänomen beobachtet, bei dem Betroffene „kleine Menschen“ sehen
  • In der Region Yunnan in China ist dieser Pilz seit Jahrhunderten bekannt; bereits in daoistischen Schriften aus dem 3. Jahrhundert wird ein „Pilz, der einen kleine Menschen sehen lässt“ erwähnt
  • Auch in der nördlichen Cordillera-Region der Philippinen soll ein Pilz namens „Sedesdem“ dieselben Halluzinationen auslösen; DNA-Analysen bestätigten ebenfalls, dass es sich um Lanmaoa asiatica handelt

Wissenschaftliche Forschung und Experimente

  • Ein Forschungsteam des Naturkundemuseums von Utah analysierte die chemischen Bestandteile von Lanmaoa asiatica, konnte jedoch keine bekannten Halluzinogene wie Psilocybin (psilocybin) nachweisen
    • Das deutet auf die mögliche Existenz völlig neuer, unbekannter bioaktiver Verbindungen hin
  • Das Team verabreichte Extrakte des Pilzes an Labormäuse und beobachtete Verhaltensänderungen im Vergleich zur Kontrollgruppe
    • Derzeit werden die aktiven Substanzen durch Compound-Fraktionierung (fractionation) isoliert
  • Parallel dazu wird eine Genomdatenbank für die gesamte Gattung Lanmaoa aufgebaut; dabei wurden zusätzlich vier bislang nicht erfasste neue Arten entdeckt
    • Durch Genomvergleiche wird untersucht, wann und über welchen evolutionären Weg die halluzinogenen Eigenschaften entstanden sind

Markthandel und Sicherheitsprobleme

  • Der Pilzmarkt in Kunming in Yunnan gehört zu den größten der Welt; dort werden mehr als 200 Arten von Wildpilzen gehandelt
    • Da Jian shou qing nicht künstlich kultivierbar ist, wurde in kommerziell verpackten Produkten vielfach die Beimischung ähnlicher, aber anderer Arten festgestellt
    • DNA-Analysen von online verkauften Produkten bestätigten in einigen Fällen auch das Vorhandensein giftiger Pilze, was Sicherheitsbedenken aufwirft
  • Diese Vermischungsprobleme machen deutlich, dass in der chinesischen Exportindustrie für Wildpilze insgesamt ein stärkeres Qualitätsmanagement nötig ist

Bedeutung der Forschung und künftige Aufgaben

  • Lanmaoa asiatica ist ein seltener Fall, in dem in unterschiedlichen Kontinenten und Kulturkreisen dasselbe Halluzinationsphänomen ausgelöst wird, und liefert neue Hinweise für die Forschung zu menschlicher Wahrnehmung und Neurochemie
  • Die Forschenden bewerten die Aufklärung der chemischen und genetischen Geheimnisse dieses Pilzes als möglichen Schlüssel zum Verständnis der Rätsel des menschlichen Geistes
  • Vermutlich existieren weitere bislang unbekannte kulturelle Traditionen und historische Aufzeichnungen; künftig wird eine Ausweitung interdisziplinärer Forschung zwischen Volkskunde und Biologie erwartet
  • Zum Schluss des Artikels wird betont, dass selbst in einer gewöhnlichen Schüssel Pilzsuppe noch unergründete Geheimnisse der Welt verborgen liegen, und eine fortdauernde Reise der Forschung an der Grenze zwischen Wissenschaft und Tradition skizziert

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-12-27
Hacker-News-Kommentare
  • Interessant, dass nur etwa ein Fünftel der Pilzarten giftig ist
    Ich frage mich, warum dieser Anteil so niedrig ist und warum es so viele essbare Pilze gibt
    Da sie keine harten Samen haben, wirkt Gefressenwerden eher nachteilig, aber Giftpilze warnen weder durch Farbe noch riechen sie schlecht
    Manche Gifte sind zudem sehr schwach und verursachen nur Durchfall oder verschlimmern einen Kater
    Trotzdem haben einige tödliche Arten ihre Toxine durch horizontalen Gentransfer erworben
    Warum ausgerechnet sie so tödlich sein mussten und warum manche Pilze nur Halluzinationen auslösen, ist ebenfalls rätselhaft
    Evolutionär betrachtet wirkt die Strategie der Pilze wie eine schlampige Optimierung. Man fragt sich, was Pilze eigentlich „wollen“

    • Es wirkt verdächtig, dass Pilze einen Mechanismus zur Bildung von Serotonin entwickelt haben
      Verständlicher wird es aber, wenn man bedenkt, dass Pilze in Wirklichkeit nur die Fruchtkörper eines viel größeren Organismus sind
      Manche Pilze wollen gefressen werden, manche wollen Insekten fernhalten, und andere verteilen ihre Sporen einfach über den Wind
      In der Evolution gibt es keine große Logik, sondern nur den Versuch, kleine Probleme zu lösen, aus dem dann unerwartete Folgen entstehen
    • Dass Menschen Pilze essen, ist evolutionär betrachtet eine sehr neue Entwicklung
      Die meisten Gifte wirken nicht auf alle Lebewesen gleich, daher kann eine für Pferde giftige Pflanze für Menschen gut schmecken
      Evolution ist kein Wesen mit Absicht, sondern nur ein Prozess
      Deshalb beruht schon die Frage „Warum hat die Evolution dieses Ergebnis hervorgebracht?“ auf einem Missverständnis
    • Gift zu produzieren ist eine energetisch teure Strategie
      Der Grundzustand eines Ökosystems ist ein Kriegsschauplatz, auf dem man mit Kalorien sparsam umgehen muss
      Oft ist es vorteilhafter, die Energie für Wachstum oder Fortpflanzung zu nutzen statt für die Giftproduktion
      Deshalb geben viele Arten ihr Gift im Lauf der Zeit wieder auf und entwickeln sich in andere Richtungen weiter
    • Pilze wie der Fliegenpilz (fly agaric) sind stark giftig und zeigen mit ihrem roten Hut und den weißen Punkten Warnfarben
      Diese Farben sind aber so hübsch, dass Disney oder Nintendo sie als ikonische Farbgebung übernommen haben
      Wenn es genug Giftpilze gibt, meiden Tiere womöglich Pilze insgesamt, unabhängig von ihrer Farbe
      Dadurch entsteht ein Effekt, bei dem ungiftige Pilze Trittbrett fahren
      Im Amazonas gibt es außerdem halluzinogene Pilze, die Ameisen steuern, um ihre Sporen zu verbreiten
      Giftigkeit oder halluzinogene Wirkung könnten also auch nur ein Nebenprodukt sein
    • Das ähnelt evolutionären Mustern bei Pflanzen
      Die meisten Pilze können ihre Sporen verbreiten, selbst wenn sie durch das Verdauungssystem von Tieren gehen
      Einige haben dagegen neurotoxische Stoffe entwickelt, um ihre Fruchtkörper vor Insekten zu schützen
      Beim Menschen äußert sich das dann als Halluzinationen
      Tatsächlich gibt es unter Fruchtfliegen sogar Arten mit Amatoxin-Resistenz
  • Erstaunlich, dass es sich um einen blau anlaufenden Pilz handelt, der Halluzinationen auslöst, obwohl weder die üblichen Tryptamin-Verbindungen noch Muscimol enthalten sind
    Wenn er im ungekochten Zustand Halluzinationen hervorruft, könnte man hier womöglich eine völlig neue Klasse halluzinogener Stoffe entdeckt haben

    • Laut Wikipedia aß Janet Yellen 2023 bei einem China-Besuch ein Gericht mit diesem Pilz
      Da er gut durchgegart war, hatte sie offenbar keine Probleme
      In China, auf den Philippinen und in Papua-Neuguinea ist er unter dem Namen „xiao ren ren“ bekannt
      Wahrscheinlich handelt es sich eher um Tryptamin-artige Stoffe, und auch die blauen Druckstellen könnten damit zusammenhängen
    • Jemand machte den Witz: „Ein kleiner blau anlaufender Pilz, der märchenhafte Halluzinationen auslöst — vielleicht hat er einfach Schlumpfhausen gefunden?“
    • Da dieser Pilz seit Jahrtausenden gegessen wird, halte ich das weniger für eine neue Entdeckung als eher für ein Problem der chemischen Isolierung
    • „Vielleicht wurde ja eine neue Realität entdeckt …“, schrieb jemand als kurzen Scherz
  • Laut Wikipedia-Artikel können die Halluzinationen tagelang anhalten
    In einigen Berichten ist sogar von Monaten oder Jahren die Rede, was eher auf eine ausgelöste Psychose hindeutet
    Daher scheint dieser Pilz für einen „Freizeitgebrauch“ deutlich ungeeigneter zu sein, als man zunächst denken könnte

    • „Das sollte unbedingt weiter oben stehen — schon als Sicherheitshinweis“, betonte jemand
    • „Tagelang? Auf keinen Fall. Schon 8 bis 12 Stunden Halluzinationen im College waren mehr als genug“, schrieb ein anderer ablehnend
  • Da sich der Originallink nicht öffnen ließ, teilte jemand einen Archive.org-Schnappschuss

  • „Wenn man es wirklich experimentell untersuchen wollte, müsste man prüfen, ob mehrere Personen dieselben kleinen Wesen sehen“
    Dann würde es sich nicht mehr nur um eine subjektive Erfahrung, sondern um eine objektive Beobachtung handeln

    • „Das Tales From The Trip-Video zu diesem Thema ist wirklich faszinierend“
      Besonders eindrucksvoll sei, dass zwei Personen dieselbe blaue Frau gesehen hätten
      YouTube-Link
  • Sicher gibt es dafür eine neurochemische Erklärung, aber ein Pilz, der einen „kleine Leute“ sehen lässt, ist so seltsam, dass man fast lieber an eine bizarrere Erklärung glauben möchte
    Vielleicht ist der Pilz ja eine intelligente Lebensform, die uns Halluzinationen beschert, damit wir kleine Wesen sehen
    Faszinierend ist, dass die Evolution nicht einfach nur Lust oder Angst auslöst, sondern scheinbar sehr bestimmte Halluzinationsmuster hervorbringt

  • Weltweit berichten Menschen nach dem Verzehr dieses Pilzes, kleine feenartige Wesen zu sehen
    Interessant ist die Konsistenz dieser Halluzination über Kulturen und Regionen hinweg
    Man fragt sich, was das Gehirn dabei eigentlich macht

    • „Vielleicht blockiert der Pilz nur kurz die Drogen der Feen, die sie in unser Wasser gemischt haben?“, scherzte jemand
    • Das menschliche Gehirn ist auf Gesichtserkennung spezialisiert und neigt dazu, zufällige Reize als menschenähnliche Formen wahrzunehmen
      Deshalb ist es naheliegend, auch in Halluzinationen kleine humanoide Wesen zu sehen
      Da es in vielen Kulturen die Vorstellung von „kleinen magischen Wesen“ gibt, äußert sich das dann eben als Feen-Halluzination
    • Jemand teilte ein Video zur Nachstellung von Salvia-Halluzinationen und meinte, es sei der tatsächlichen Erfahrung sehr ähnlich
      Video1, Video2
    • Es wurde spekuliert, dass der chemische Mechanismus dem DMT-Phänomen der „machine elves“ ähneln könnte
    • Lilliput-Halluzinationen (Lilliputian hallucination) treten auch bei psychischen Erkrankungen häufig auf, weshalb es dafür wohl eine physische Grundlage im menschlichen Gehirn gibt
  • Ich habe diesen Pilz in Yunnan in China schon einmal gegessen (natürlich gut durchgegart!)
    Diese Eigenschaften sind in chinesischsprachigen Pilzführern und Fachartikeln bereits gut dokumentiert
    Auch in Japan gibt es ähnliche Pilze der Gattung Lanmaoa, aber auf Englisch ist dazu wenig Material verfügbar
    Das Nachschlagewerk, das ich gesehen habe, ist 『中国真菌志 牛肝菌科(III)』
    Relevanter Link

  • Erneut wurde die Archive.org-Version geteilt

  • Jemand scherzte, es sei schade, um die Welt gereist zu sein, um Pilze mit Super-Mario-artigem Realitätsgefühl zu finden, und dann nicht einmal einen Bissen probiert zu haben