2 Punkte von GN⁺ 2025-12-08 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Die Landesregierung von Schleswig-Holstein hat den Einsatz von Microsoft-Produkten beendet und ihre IT-Strategie durch den Umstieg auf Open-Source-Software grundlegend neu ausgerichtet
  • Durch den Wechsel wurden Lizenzkosten für Windows, Office usw. von rund 15 Millionen Euro eingespart, und ähnliche Einsparungen werden für die kommenden Jahre erwartet
  • Für 2026 ist eine einmalige Investition von 9 Millionen Euro für Umstellung und Entwicklung vorgesehen, die aber durch die Einsparungen innerhalb eines Jahres ausgeglichen werden kann
  • Derzeit sind bereits rund 80 % der Behörden auf LibreOffice umgestellt, während die übrigen 20 % noch Microsoft nutzen, weil sie von bestimmten arbeitsplatzspezifischen Programmen abhängig sind
  • Dieser Schritt wird als Symbol für die Stärkung der digitalen Souveränität und den Ausstieg aus der Lieferantenabhängigkeit gewertet und als Beispiel für eine nachhaltigere und kosteneffizientere öffentliche IT angesehen

Die Open-Source-Umstellung in Schleswig-Holstein und die Kosteneinsparung

  • Die Landesregierung hat ihre IT-Strategie grundlegend geändert, indem sie von Microsoft-Software auf Freie Software umgestellt hat
    • Der Digitalisierungsminister Dirk Schrödter gibt an, dass durch den Wechsel 15 Millionen Euro an Lizenzkosten für Windows, Office usw. eingespart wurden
    • Auch in den kommenden Jahren werden ähnliche Einsparungen erwartet
  • Für 2026 ist eine einmalige Investition von 9 Millionen Euro geplant, die für die Umstellung der Arbeitsumgebung sowie die Entwicklung von Open-Source-Lösungen eingesetzt werden soll
    • Angesichts der Einsparungshöhe kann die Investition innerhalb eines Jahres amortisiert werden
  • Das Bundesland hatte früher jährlich Millionen Euro an die amerikanische Microsoft gezahlt, doch der Umstieg verbessert die Ausgabenstruktur erheblich

Ausstieg aus der Lieferantenabhängigkeit und Stärkung der digitalen Souveränität

  • Die Landesregierung bezeichnet die Umstellung als Befreiung von „Vendor Lock-in“
    • Sie verfolgt eine Politik zur Reduktion technischer und wirtschaftlicher Abhängigkeiten von einzelnen großen Anbietern
  • Das Digitalisierungsministerium bewertet dies als Signal für Unabhängigkeit und nachhaltige Digitalisierung
    • Dabei wird betont, dass die finanziellen Einsparungen über politische Schlagworte hinaus in greifbare wirtschaftliche Vorteile münden

Verwaltungsumstellung auf LibreOffice

  • Abgesehen von der Steuerverwaltung sind bereits rund 80 % der Behörden auf LibreOffice umgestellt
    • Schrödter sagte: „Für die Steuerverwaltung gibt es einen eigenen Migrationsfahrplan“
  • Die restlichen 20 % der Arbeitsumgebung sind weiterhin auf Microsoft-Programme wie Word und Excel angewiesen
    • Dies liegt an technischen Einschränkungen bestimmter Spezialanwendungen, und als Ziel ist eine schrittweise Umstellung gesetzt
  • Schrödter bezeichnet diesen Prozess als „Marathon statt Sprint“ und betont seinen langfristigen Umsetzungswillen

Kritik aus der Opposition und internen Kreisen

  • SPD-Abgeordneter Kianusch Stender kritisiert Qualitätsprobleme bei der Umstellung
    • Er sagt, dass trotz 80 % Umstellung nicht so viele Mitarbeitende tatsächlich reibungslos arbeiten können
    • In einigen Behörden bestehen weiterhin Fehler aus der Übergangsphase sowie Nutzerunzufriedenheit
  • Aufgrund von Kinderkrankheiten bei der Einführung wurden auch Beschwerden von Mitarbeitenden und Produktivitätsverluste gemeldet

Langfristige Perspektive und Chance auf Verwaltungstransformation

  • Jan Kürschner von der Grünen erkennt Reibungen in einem solchen Großprojekt an
    • Betrachtet diese jedoch als Chance für die Neugestaltung von Verwaltungsabläufen
    • Er betont, dass echter Mehrwert erst entsteht, „wenn nicht ein 1:1-Austausch, sondern die Optimierung der Verwaltungsprozesse** im Vordergrund steht**“
  • Er argumentiert, dass Open Source der bessere Weg ist und verweist auf die langfristige Möglichkeit einer Steigerung von Verwaltungs-Effizienz und Autonomie
  • Die Landesregierung setzt derzeit die Verbesserung der technischen Probleme des Migrationsprozesses und der Nutzerakzeptanz als zentrale Aufgabe ein
    • Geplant ist, mit den eingesparten Haushaltsmitteln die **Qualität und den Funktionsumfang von Open-Source-Lösungen kontinuierlich zu verbessern

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-12-08
Hacker-News-Kommentare
  • Ich fühle mich unwohl dabei, wenn solche Umstellungen vor allem als Kostensenkung vermarktet werden
    Dadurch wirkt das Open-Source-Ökosystem wie ein billiger Ersatz für kommerzielle Produkte, und das ist problematisch
    Lieber hätte ich, dass sie den Betrag, den sie an Microsoft gezahlt hätten, zumindest für etwa ein Jahr an die Open-Source-Projekte spenden, die sie nutzen. Danach könnte man den Anteil schrittweise senken. So ließe sich die Kostenersparnis weiterhin kommunizieren, und alle hätten etwas davon

    • Du liegst nicht falsch, aber in der Praxis geht es ihnen darum, digitale Souveränität zu gewinnen
      Open Source ist nicht zwangsläufig billiger, aber das Geld fließt in die interne Infrastruktur und in die Weiterentwicklung von Projekten wie Nextcloud und LibreOffice
      Schleswig-Holstein pflegt keinen eigenen Fork, sondern verfolgt eine Upstream-only-Strategie, bei der alle Verbesserungen in die Hauptprojekte zurückfließen
      Dass dieses Projekt erfolgreich sein konnte, liegt auch daran, dass die Koalition aus CDU und Grünen es unterstützt hat
      Ein dazugehöriges Interview gibt es in einem Heise-Artikel
    • Die deutsche Regierung hat in den letzten Jahren mehrere Projekte gestartet und finanziert, um die Entwicklung von FOSS zu unterstützen
      ZenDis, gegründet 2022, entwickelt zum Beispiel Open-Source-Software für die öffentliche Verwaltung und treibt das Kollaborationstool openDesk voran
      Ein weiteres Beispiel ist die Sovereign Tech Agency, bei der Open-Source-Projekte direkt Fördermittel beantragen können
      Das Budget ist nicht üppig, aber es stimmt nicht, dass es keinerlei staatliche Unterstützung gibt
    • Ein anderer Weg wäre die Anstellung von Entwicklern, die direkt mit Open-Source-Projekten verbunden sind
      Statt einfach nur Geld zu spenden, kann man auch internes Personal einsetzen, das zu den Projekten beiträgt
    • Ich denke genauso. Unzählige Organisationen geben Milliarden aus, und ich frage mich, warum sie nicht gemeinsam Geld gesammelt haben, um Open-Source-Alternativen zu verbessern und UX-Designer einzustellen
    • Die Idee ist gut, aber das Gefühl von „hate“ scheint mir übertrieben
      Es stimmt, dass der Anreiz fehlt, für Open Source zu bezahlen, und dass solche Ausgaben bei der Priorisierung von Ressourcen leicht nach hinten rutschen
      Letztlich braucht es kreative Ansätze, um die Anreizstruktur in Organisationen zu verändern
  • Ich bin Windows/macOS-Entwickler, aber ich finde, dass alle Regierungen auf Linux umsteigen sollten
    Mit nur einem Befehl der US-Regierung könnte Microsoft die Computer eines bestimmten Landes stilllegen
    Wenn mehrere Länder gemeinsam Geld bündeln würden, um Fehler in Open Source zu beheben und neue Funktionen entwickeln zu lassen, hätten alle etwas davon
    Die meisten Verwaltungsaufgaben lassen sich bereits mit den vorhandenen Open-Source-Office-Tools erledigen

    • Tatsächlich ist Sabotage wohl weniger wahrscheinlich als industrielle oder politische Spionage
      Außerdem ist es ein großer praktischer Vorteil, Bugs intern beheben zu können, statt auf einen externen Großkonzern warten zu müssen
    • Viele Regierungen legen jedoch mehr Wert auf Überwachungskooperation als auf Souveränität
      Der britische Online Safety Act oder EU-Regulierungen erhöhen teils sogar die Abhängigkeit von Big Tech
      Wie etwa der Artikel zum EU Sovereignty Framework zeigt, wirken Regulierungen oft zugunsten etablierter Großunternehmen
      Regierungen sind nicht dasselbe wie ihre Bürger, und eine erlernte Hilflosigkeit im Umgang mit Technik sitzt tief
    • Inzwischen kommt es auch vor, dass Unternehmen sich gegen staatlich geforderte Backdoors wehren
      Etwa wenn das FBI die iMessage-Verschlüsselung kritisiert oder Apple sich weigert, auf Anforderung der indischen Regierung „Sicherheits“-Software zu installieren
      Aber wenn wichtige OSS-Projekte unter staatliche Kontrolle geraten würden: Könnte dann David Goliath besiegen?
    • Auch bei Linux gibt es viele Beiträge aus den USA, aber wer echte digitale Souveränität will, müsste sogar Betriebssysteme und Sprachstandards regionalisieren
      Es braucht ein Multi-OS-Ökosystem auf Basis internationaler Standards, ähnlich wie im Kalten Krieg
    • Microsoft hat wahrscheinlich keinen „Kill Switch“, aber schon automatische Updates sind riskant genug
      Die eigentliche Macht liegt nicht beim OS, sondern bei Cloud-Diensten wie Exchange, SharePoint und Teams
  • Es heißt zwar „15 Millionen Euro an Lizenzkosten gespart“, aber wenn man Beratungskosten und Produktivitätsverluste einrechnet, ist die tatsächliche Ersparnis fraglich
    Der Umstieg auf Open Source sollte nicht einfach der Kosten wegen erfolgen, sondern wegen Souveränität
    Wenn es ernst gemeint ist, sollte die Regierung interne Entwicklungsteams direkt einstellen, um die Infrastruktur zu betreiben und LibreOffice oder Distributionen gezielt für staatliche Anforderungen weiterzuentwickeln
    Nur so entstehen echte öffentliche digitale Vermögenswerte

    • Laut Artikel liegen die Umstellungskosten bei etwa 9 Millionen Euro und sollen innerhalb eines Jahres ausgeglichen sein
    • Statt 15 Millionen Euro an ausländische Unternehmen zu zahlen, wäre es besser, 20 Millionen Euro für die Einstellung von Entwicklern in Deutschland auszugeben
    • Unabhängig von den Kosten ist es ethisch richtiger und ein besserer Einsatz von Steuergeld, für Open Source zu bezahlen
      Statt Microsoft-Aktionäre zu finanzieren, profitieren am Ende alle Bürger davon
    • Ein weiterer Aspekt, den man nicht ignorieren sollte, ist der Datenschutz
      Ein Unternehmen, dessen E-Mail-Client Daten an mehr als 700 Partner überträgt, ist schwer vertrauenswürdig
    • Angesichts der Ineffizienz der deutschen Verwaltung könnten aber auch Steuerbelastung und Bearbeitungsverzögerungen steigen
  • Dass deutsche Behörden Open Source nutzen, ist nichts Neues
    München spielte mit dem LiMux-Projekt von 2006 bis 2019 eine Vorreiterrolle, stellte es am Ende aber wegen Microsoft-Lobbyarbeit wieder ein
    Mehr dazu in Wikipedia und in dieser HN-Diskussion

    • Microsoft hat damals intensiv lobbyiert, weil es befürchtete, dass der Linux-Umstieg Schule machen könnte
    • Es gingen sogar Witze herum wie: „Sind Bestechungen möglich?“ „Aber natürlich“
  • Es gibt auch einen LWN-Artikel über Aufstieg und Fall von LiMux
    Anfangs war das Projekt erfolgreich, doch politischer Druck führte am Ende zur Rückkehr zu Windows
    Weitere Beispiele finden sich in den Sovereign-OS-Notizen

    • Inzwischen hat sich die politische Stimmung vollständig verändert
      Die USA gelten nicht mehr als verlässlicher Verbündeter, und es verbreitet sich die Wahrnehmung, dass sie rechtsextreme Kräfte unterstützen
  • Es ist irrational, dass Organisationen Millionen für Microsoft Office ausgeben, nur weil es vertraut ist
    Die meisten Funktionen gibt es längst in Open-Source-Alternativen
    Die Zeit, die man damit verbringt, einen Button zu suchen, kostet weit weniger als die Abogebühren

    • Aber O365 ist nicht nur Office, sondern eine integrierte Plattform für Verwaltung, Backups und Zusammenarbeit
      Das mit Open Source zu ersetzen, würde 3 bis 5 erfahrene Administratoren erfordern, und normale Nutzer würden die Umstellung als unbequem empfinden
    • Viele Nutzer glauben, sie „kennen“ Windows, aber in Wirklichkeit können sie nicht einmal einen Drucker einrichten
      Die meisten wissen nur, wie man auf ein Icon klickt
    • Die integrierten Kalender-, Kontakt- und Meeting-Funktionen von Outlook und Exchange sind bei FLOSS noch nicht auf demselben Niveau
      Es wäre schön gewesen, wenn Mozilla ein passendes Server-Gegenstück zu Thunderbird gebaut hätte
    • Der Client ist ersetzbar, aber auf Service-Ebene gibt es weiterhin eine deutliche Lücke
    • Benutzerkontenverwaltung, Compliance und Backups sind nach wie vor Stärken von Microsoft
  • Wenn in einem Unternehmen komplexe Excel-Formeln genutzt werden, wird so eine Umstellung unangenehm
    In so einer Lage wäre ich vermutlich auch dagegen

    • Aber deshalb kann man nicht für immer von Microsoft abhängig bleiben
      Man muss investieren, damit Open Source das Niveau von Excel erreicht
    • Sehe ich auch so. Das Problem sind weniger die Formeln als UI und Gewohnheit
      Wer jahrelang an die Windows-Umgebung gewöhnt ist, tut sich mit einem Umstieg auf Linux schwer
      Solche Veränderungen verlaufen kaum jemals reibungslos
    • Dann behält man eben nur für die Abteilungen mit schwierigem Umstieg MS-Lizenzen
      Es gibt keinen Grund, warum die gesamte Regierung diese Kosten tragen sollte
    • Andere Software unterstützt ebenfalls Formeln
      LibreOffice ist bei der Kompatibilität mit älteren Excel-Versionen sogar besser
      Falls nötig, kann man die Daten auch in eine Datenbank überführen
    • Noch ärgerlicher wäre es, wenn Microsoft wegen Copilot plötzlich 500 Millionen Dollar pro Jahr verlangen würde
      Andererseits gibt es ja immer noch SAP, also ist vielleicht doch alles in Ordnung? :)
  • Das war das aggressivste Cookie-Banner, das ich je gesehen habe
    Man musste Hunderte Male klicken, um abzulehnen, und am Ende habe ich aufgegeben

    • Ohne Abo war eine vollständige Ablehnung unmöglich
      Da stand sinngemäß: „Für die kostenlose Nutzung ist die Zustimmung zum Werbe-Profiling erforderlich“, und
      dass die Seite sich nach dem Ablehnen neu lädt, war wirklich extrem nervig
  • Ich frage mich, welcher politische Hintergrund diesen Ausstieg aus Microsoft in Deutschland möglich macht
    An den Orten, an denen ich gearbeitet habe, ließ sich das wirtschaftlich nur mit stark spezialisierter Personalaufteilung darstellen

    • Der Grund ist einfach: Die USA gelten nicht länger als verlässlicher Partner
      Wie in diesem BBC-Artikel beschrieben, gibt es die Wahrnehmung, dass die USA einen Kurs ähnlich wie Russland einschlagen
      Deshalb entstehen Bestrebungen, US-Produkte aus Infrastruktur und Lieferketten zu entfernen
    • Die Ansicht, dass die USA ihre Sicherheitsgarantien für Europa aufgegeben haben, ist weit verbreitet
    • Äußerungen der US-Regierung und von Personen wie Elon Musk verstärken das Misstrauen
      Es gibt die Sorge, dass die USA Technologiekonzerne als Angriffswaffen einsetzen könnten
    • Ein konkretes Beispiel ist, dass Microsoft das E-Mail-Konto des IStGH-Chefanklägers Karim Khan gesperrt hat
      Das geschah auf Grundlage der Executive Order 14203 der Trump-Regierung
    • Ein weiterer Grund ist Deutschlands lange Linux-Community-Tradition
      Seit den 2000er Jahren prüfen Kommunalverwaltungen FOSS, und die DACH-Region ist wegen begrenzter Budgets für US-Anbieter oft weniger attraktiv
      Für MSPs/MSSPs sind die Margen niedrig, weshalb die Einführung von FOSS wirtschaftlich sogar sinnvoll sein kann
      Der private Sektor setzt zwar weiterhin stark auf Anbieter aus den USA und Israel, aber mehr Wettbewerb ist etwas Gutes
      Ein Beispiel ist die Partnerschaft der Schwarz-Gruppe mit SentinelOne
  • Solche Artikel tauchen jede Woche wieder auf
    Ein guter Ansatz, aber wegen der Stärken von Office ist ein großflächiger Umstieg noch weit entfernt
    Vor allem Excel ist trotz Investitionen in Milliardenhöhe noch immer nicht ersetzt worden

    • Doch inzwischen wird Software-Souveränität immer mehr zur Notwendigkeit
      Auch Excel wird irgendwann von disruptiver Innovation erfasst werden
      Das Ziel sollte nicht Kostenersparnis, sondern Souveränität sein
      Man sagt zwar „Das dauert zehn Jahre“, aber die Herausforderung hat bereits begonnen
    • Excel war zuerst am Markt und konnte seine Position dank starker Lobbyarbeit behaupten