2 Punkte von GN⁺ 2025-12-05 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • HBO Max hat die von ihm veröffentlichte 4K-Restaurierung von „Mad Men“ vorgestellt, wobei sich herausstellte, dass in manchen Versionen zahlreiche Visual Effects (VFX) fehlen.
  • In einzelnen Episoden waren Spezialeffekt-Equipment und Filmcrew-Mitglieder hinter den Darstellern zu sehen, was zeigt, dass vor der Postproduktion Originalaufnahmen verwendet wurden.
  • In Staffel 1 kam es auch zu Fehlern bei der Episodereihenfolge und den Titelbezeichnungen, die HBO Max derzeit in Echtzeit korrigiert.
  • Das Fehlen von VFX trat nur in einigen Szenen und Episoden unregelmäßig auf; gemeldet wurden außerdem verschwundene New-York-Hintergrundkompositionen sowie visuelle Elemente für die Zeitdarstellung.
  • Der Vorfall zeigt eine schwerwiegende Lücke im Prozess der Inhaltsrestauration und Qualitätskontrolle und unterstreicht die Bedeutung technischer Prüfverfahren im Streaming-Zeitalter.

Veröffentlichung der 4K-Version von „Mad Men“ auf HBO Max und der Auftreten von Problemen

  • HBO Max bewirbt die 4K-Restaurierung von „Mad Men“, hergestellt von Lionsgate TV, als sein Flaggschiff-Content.
    • Die ersten vier Staffeln wurden auf Film, die letzten drei mit einer Alexa-Digital-Kamera gedreht; die Serie wurde ursprünglich als 1080p-HD-Master produziert.
  • Kurz nach der Veröffentlichung entdeckte der Zuschauer Paul Haine in einer Szene der 1. Staffel einen Fake-Vomitusapparat und Bedienpersonal im Bild.
    • Damit wurde offenbar, dass ungebearbtes Rohmaterial vor der Postproduktion verwendet worden war.

Fehlende visuelle Effekte und nicht angewandte Nachbearbeitung

  • In mehreren Episoden wurde eine Version gestreamt, in der digitales Compositing, Grafiken und Text-Overlays fehlten.
    • Beispiel: Der „Mad Men“-Einführungsuntertitel, der nach dem Opening von Staffel 1 erscheinen sollte, war verschwunden.
    • In Staffel 2 blieb in der Szene der Hotel-Lobby in Los Angeles die moderne Beschilderung sichtbar, obwohl sie entfernt werden sollte.
  • In einigen Szenen blieb zudem die digital compositierte New-York-Skyline erhalten, wodurch klar wurde, dass die Ausfälle nicht konsistent sind.

Fehler bei Episodenreihenfolge und Metadaten

  • In Staffel 1 gab es einen Fehler, bei dem Episodentitel und Reihenfolge durcheinandergerieten.
    • Beispiel: Die Episode „Red in the Face“ wurde fälschlicherweise als „Babylon“ angezeigt.
    • HBO Max korrigiert laut Stand vom 2. Dezember Titel und Reihenfolge.
  • Im Vergleich zur Blu-ray-Version wird die HBO-Max-Fassung deutlich als unbearbeitete Originalaufnahme ohne VFX und Color Grading erkennbar.

Restaurierungsprozess und technischer Kontext

  • Das Problem hat nichts mit früheren Fehlern bei der Umformatierung alter 4:3-Inhalte auf 16:9 zu tun.
    • „Mad Men“ wurde von Beginn an in einem 16:9-Master erstellt.
  • Bei früheren HD-Restaurierungen von Serien wie „Friends“ und „Seinfeld“ traten Probleme mit Frame-Extension auf, die ungewollt Bereiche freilegten.
    • Bei „Mad Men“ handelt es sich jedoch um einen völlig anderen Fehler: eine nicht angewandte Postproduktion der visuellen Effekte.

Qualitätskontrolle und Schwächen im Streaming-Produktionssystem

  • Der Autor vermeidet es, Ursachen oder Verantwortlichkeiten zu benennen, und dokumentiert den Vorfall faktisch.
    • Er weist darauf hin, dass selbst bei einem einzelnen Fehler mehrere Ebenen der Qualitätsprüfung diesen Umstand übersehen haben könnten.
  • Der Fall gilt als Beispiel dafür, wie komplex und fragil das Inhaltsmanagement von Streaming-Plattformen ist.
  • HBO Max und Lionsgate haben bis heute keine offizielle Ursachenklärung oder einen Zeitpunkt für die vollständige Behebung mitgeteilt.

Die paradoxe Erkenntnis aus den fehlenden VFX

  • Durch den Fehler konnten Zuschauer erkennen, wie viele digitale visuelle Effekte tatsächlich in „Mad Men“ eingesetzt werden.
    • Dazu zählen etwa die digitale Verzerrungsbehandlung in der Erbrechenszene, die Compositing-Arbeiten für die Stadtansicht sowie das Hinzufügen von Mülltonnen und Beschilderungen zur historischen Rekonstruktion.
  • Der Vorfall gilt als anschauliches Beispiel für die Komplexität der Postproduktion einer Serie, die im Alltagsbild oft wie reine Live-Action wirkte.

Fazit

  • Die 4K-Version von „Mad Men“ auf HBO Max zeigt eine Reihe von Problemen: fehlende Postproduktionseffekte, Episodendatenfehler und eine unzureichende Qualitätskontrolle.
  • Zwar laufen bereits Korrekturen, doch der Fall schärft das branchenspezifische Bewusstsein für die Verlässlichkeit von Restaurierung und Streaming-Qualität.
  • Er bleibt ein Beispiel, das die Notwendigkeit von Verbesserungen in den Prozessen für digitale Restauration und Streaming-Distribution unterstreicht.

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-12-05
Hacker-News-Meinung
  • Das Produktionsteam von The X-Files hatte das 16:9-Zeitalter schon früh vorausgeahnt und sich in den späteren Staffeln darum bemüht, den 16:9-Bildausschnitt zu schützen.
    Dadurch wurde mir klar, warum das Blu-ray-Remaster ungewöhnlich gut gelungen ist.
    Eine passende Rezension gibt es im TweakTown-Artikel.

    • Die Widescreen-Version von The Wire habe ich noch nicht gesehen, aber diese Serie nutzte die 4:3-Komposition sehr bewusst.
      Diese Videoanalyse hat mich noch einmal spüren lassen, wie fein die Bildgestaltung dort war.
    • Wenn etwas für TV gedreht wurde, man aber eine spätere Kinoauswertung im Blick hatte, wurde oft der Widescreen-Bildausschnitt abgesichert.
      Umgekehrt platzierte man bei Kinofilmen wichtige Action manchmal innerhalb des 4:3-Bereichs, damit es auch im TV funktioniert.
    • Ich habe einmal im Kino einen Film in einem falschen Seitenverhältnis gesehen, weil der Vorführer weder Linse noch Maske gewechselt hatte.
      Teile des Sets waren dadurch offen sichtbar, und als ich später einmal Pan&Scan aus der Nähe sah, wurde mir klar, wie viel Sorgfalt dafür nötig ist.
    • Babylon 5 ist ein ähnlicher Fall, wobei man der CG-Qualität ihr Alter deutlich ansieht.
    • Stargate SG-1 wurde ab 1997 in 16:9 gedreht, die frühen Staffeln aber dennoch in 4:3 ausgestrahlt.
  • Solche Geschichten über Remastering tauchen immer wieder auf.
    Es gab zum Beispiel den Fall einer verzerrten Farbgebung bei frühen Pixar-Filmen.
    Im digitalen Original wurde Grün überbetont, um die Farbkorrektur bei der Übertragung auf Film auszugleichen, und Disney übernahm das später unverändert zurück ins Digitale, wodurch die Farben seltsam wirkten.
    Mehr dazu im Animation-Obsessive-Beitrag.

    • Ich habe einmal mit einem Ingenieur gesprochen, der ABBA-Aufnahmen auf 96kHz remastert hat.
      Frühere CD-Neuauflagen waren laut ihm von einem Kassetten-Master übertragen worden, wodurch die Höhen übermäßig betont waren.
    • Bei Pixar war es eigentlich kein Remaster, sondern schlicht ein Problem der Übertragung auf ein anderes Medium.
    • Eine entsprechende Diskussion gab es auch im früheren HN-Thread.
    • Ich frage mich, warum man keine Filmemulation angewendet hat.
      Selbst irgendeine Filmsimulation wäre viel natürlicher gewesen als ein 1:1-Digitalbild.
    • Disneys ältere Zeichentrickserien wurden beim Remastering oft von 4:3 auf 16:9 beschnitten, wodurch regelmäßig Teile des Bildes verschwanden.
  • Ich habe einmal ein Video über die Entstehung des Remasters von Ken Burns’ Dokumentation The Civil War gesehen.
    Besonders eindrucksvoll war, wie Restauratoren mit Werkzeugen wie Photoshop Bild für Bild Korrekturen vornahmen.
    Das Video dazu gibt es in dieser PBS-Dokumentation.

    • Es gab dort ein Tool, mit dem man einen Bereich auswählte und dann durch die benachbarten Frames vor- und zurückging, um eine fehlerfreie Stelle zu finden, die automatisch zur Restaurierung verwendet wurde.
      Das war viel schneller und effizienter als Rotoscoping.
    • Ich habe vor etwa zehn Jahren in einem Filmrestaurierungsstudio gearbeitet, und damals war PixelFarms PF Clean der Branchenstandard.
    • Die Doku ist inzwischen regional gesperrt, aber Dustbuster in DaVinci Resolve bietet eine ähnliche Funktion.
      Beim Digitalisieren von VHS war das nützlich, um Tape-Dropouts zu entfernen.
    • Vielleicht war das Tool auch Cinepaint.
  • House of Bamboo ist ein Beispiel für das gegenteilige Problem.
    Lange Zeit lief nur die TV-Pan&Scan-Version, weshalb ich dachte, DeForest Kelley tauche erst im letzten Teil des Films auf.
    Erst mit einem neuen CinemaScope-Print wurde klar, dass er eigentlich den ganzen Film über zu sehen ist.
    Mehr dazu im Wikipedia-Artikel.

  • Auch das HD-Upgrade von Buffy The Vampire Slayer gilt als Fehlschlag.
    Die Farbkorrektur ging verloren, und durch den 16:9-Beschnitt waren Boom-Mikrofone und Crewmitglieder im Bild zu sehen.
    Es gibt nicht einmal eine Blu-ray, daher bleibt für eine korrekte Sichtung weiterhin nur die DVD.

    • Der automatische Crop-Algorithmus verhielt sich oft seltsam, sodass in Dialogszenen Figuren abgeschnitten waren und im nächsten Schnitt plötzlich wieder auftauchten.
    • Die PAL-DVD-Fassung hat zwar auch keine perfekte Farbkorrektur, bewahrt aber wenigstens die ursprüngliche Wirkung.
  • Ehrlich gesagt hätte ich so etwas wie die „vomit hose“ im Bild wohl überhaupt nicht bemerkt.

    • Mir geht es genauso, und ich finde spannend, dass sich das menschliche Sehen auf die Fovea konzentriert und das Gehirn den Rest ergänzt.
      Ein passendes visuelles Experiment gibt es in dieser ShaderToy-Demo.
    • Jemand fragte, ob damit vielleicht das Moonwalking-Bären-Video gemeint sei, und verwies auf dieses bekannte Werbevideo.
  • Ich fand den Artikel interessant.
    Zuerst dachte ich, es sei wie bei Friends nur ein simples Re-Cropping, aber erstaunlich ist, dass man dabei CGI offenbar komplett vergessen hat.

    • Laut diesem Vulture-Artikel schieben HBO und Lionsgate sich gegenseitig die Verantwortung zu.
    • Noch schockierender als das fehlende CGI ist, dass die Veröffentlichung offenbar ohne jede Qualitätskontrolle erfolgte.
    • Dass HBO dabei so schlampig gearbeitet hat, überrascht mich wirklich.
    • Wenn man bedenkt, was beim Star Trek-Remaster schon einmal für ein großes Thema war, ist es seltsam, dass die Branche solche Fehler immer wiederholt.
  • Wegen genau solcher Fehler habe ich sogar wieder angefangen, Mad Men zu schauen.
    Ich mag Behind-the-Scenes-Material und unfertige Schnittfassungen, daher finde ich solche „rohen Fehler“ interessant.
    Es wäre schön, so etwas sehen zu können, bevor jemand entscheidet, dass es „nicht zur Veröffentlichung geeignet“ ist.

    • Wenn man so etwas mag, sollte man nach Workprints suchen.
      Das sind Testfassungen vor Sound-Mix oder VFX-Finalisierung, bei denen man einen rohen Blick auf den Produktionsprozess bekommt.
  • Die Ankündigung eines 4K-Remasters treibt den Aktienkurs hoch, aber ein tatsächlich hochwertiges Remaster zu produzieren erhöht nur die Kosten.

  • Jemand fragte, was an dem Friends-Screenshot eigentlich das Problem sei.

    • Eigentlich sollte die rechte Wand neben der Tür nicht im Bild sein, aber durch das Remaster sind das Loch im Set und Markierungen an der Wand klar sichtbar.
    • In diesem Tweet von Matt Baume sieht man, dass das Brett fehlt, das dieses Loch normalerweise verdeckte.
    • Anders gesagt wirkt es so, als gäbe es in der Außenwand zum Flur hin eine fensterartige Öffnung.
    • In einem New Yorker Apartment wäre ein Loch zum Flur natürlich unsinnig.
    • Der Gedanke an ein „riesiges unfertiges Fenster zum Flur“ ist schon ziemlich komisch.