- Moderne Fahrzeuge sammeln Standort, Fahrverhalten, Gesichtsbewegungen und eine große Menge personenbezogener Daten und bergen neben Komfortfunktionen erhebliche Datenschutzrisiken.
- Die Hauptquellen für diese Datenerfassung sind Telematiksysteme, Sensoren, Kameras und vernetzte Dienste; einige Hersteller geben diese Daten an Versicherer oder Datenbroker weiter.
- Fahrer können ihre Zustimmung zur Datenerfassung über das Fahrzeug-Einstellungsmenü oder die Hersteller-App widerrufen oder mit Diensten wie Privacy4Cars prüfen, wie weit sie nachverfolgt werden.
- Nach den Datenschutzgesetzen einzelner US-Bundesstaaten bieten manche Hersteller die Einschränkung der Datennutzung, die Verweigerung der Weitergabe und Löschanträge an; diese können über ein Online-Formular oder eine App gestellt werden.
- Wird die Datenerfassung blockiert, kann es zu Einschränkungen bei Funktionen wie Navigation oder Fernsperrung kommen, sodass die Balance zwischen Komfort und Datenschutz wichtig bleibt.
Wie Autos Daten sammeln
- Die Mozilla Foundation bewertete 2023 die Datenschutzpraktiken von 25 Automarken und ordnete Autos als die schlechteste Produktkategorie in Bezug auf Datenschutz ein.
- Fahrzeuge erfassen Daten nicht nur durch Basisinteraktionen wie Lenkradsteuerung oder Türverriegelung, sondern auch über GPS, Satellitenradio, verbundene Geräte, Sensoren und Kameras.
- Telematiksysteme sind seit etwa 10 Jahren weit verbreitet, die Datenerfassung hat sich jedoch in den letzten 5 Jahren deutlich ausgeweitet.
- Das Problem ist, dass gesammelte Daten an Dritte wie Versicherungen, Marketingunternehmen und Datenbroker weitergereicht werden.
- General Motors wurde für die Weitergabe von Geschwindigkeits- und Nachtfahrdaten an Versicherer ohne Zustimmung der Fahrer mit einem 5-jährigen Verbot der Datenweitergabe sanktioniert.
- Die FTC stellte fest, dass GM Daten ohne Fahrerzustimmung geteilt hat.
Was Fahrer wissen sollten
- Andrea Amico von Privacy4Cars betont, dass der erste Schritt für Fahrer ist, zu verstehen, welche Daten ihr Fahrzeug sammelt.
- Idealerweise sollte man das Fahrzeughandbuch und die Unterlagen prüfen und beim Autohaus nachfragen; in der Praxis ist das jedoch schwierig und der Informationszugang oft begrenzt.
- Privacy4Cars bietet den kostenlosen Vehicle Privacy Labeling Service (vehicleprivacyreport.com) an.
- Durch Eingabe der Vehicle Identification Number (VIN) können die Daten- und Weitergabe-Policies des Herstellers eingesehen werden.
- Es lassen sich etwa die Sammlung von Standortdaten oder die Weitergabe an Versicherungen, Datenbroker und Strafverfolgungsbehörden prüfen.
Datenaufnahme per Einstellungen minimieren
- Autos starten die Datensammlung bereits unmittelbar nach dem Kauf über eine implizite Zustimmung im Warnhinweis-Menü des Armaturenbretts.
- Einige Datenerhebungen sind systemfest integriert, dennoch kann die Zustimmung über das Einstellungsmenü zurückgenommen werden.
- Lauren Hendry Parsons von Mozilla rät: „Überprüfe die Detailberechtigungen direkt in den Einstellungen.“
- Bei Toyota kann in der App die Option „Master Data Consent“ abgelehnt werden, bei Ford kann die Datenteilung über das Armaturenbrett oder die FordPass-App gestoppt werden.
- Bei BMW kann der zulässige Dienstumfang im Infotainment-System angepasst werden.
Datenweitergabe ablehnen und Löschanfragen stellen
- In den USA können Fahrer bei Herstellern eine Einschränkung der Datennutzung oder eine Löschung beantragen.
- Einige Hersteller akzeptieren landesweite Anträge, andere nur in Regionen, für die bundesstaatliche Datenschutzgesetze gelten.
- Die Anfrage ist über ein Online-Formular oder eine mobile App möglich.
- Privacy4Cars bietet in den USA, Kanada, der EU, Großbritannien und Australien einen kostenlosen Service zur Antragseinreichung an.
- Dabei werden Nutzer entweder zum Antragsportal des Herstellers weitergeleitet oder die Einreichung wird stattdessen im Namen der Fahrer vorgenommen.
Unannehmlichkeiten bei blockierten Daten
- Das Blockieren der Datensammlung kann zu Verlust von Komfortfunktionen führen.
- Bei deaktivierter Standortverfolgung funktionieren möglicherweise Straßendienstleistungen oder Smartphone-App-Funktionen wie die Fernsperre nicht mehr.
- BMW weist darauf hin, dass das Fahrzeug bei vollständigem Stopp der Datenweitergabe wie ein „Smartphone im Flugmodus“ funktioniert und der Datenfluss zum Backend blockiert wird.
- Hendry Parsons sagt, dass viele Fahrer die Datenweitergabe für den Komfort bewusst in Kauf nehmen.
Beim Fahrzeugverkauf vorsichtig sein
- Bei Verkauf oder Austausch eines Fahrzeugs reicht es nicht aus, einfach die Schlüssel zu übergeben.
- Über einen Factory Reset sollten alle Daten sowie Smartphone-Verbindungen gelöscht werden.
- Eine Meldung an den Hersteller über den Eigentümerwechsel ist ebenfalls erforderlich.
- Amico warnt, dass bei Rückgabe eines Fahrzeugs an ein Autohaus die Gefahr besteht, dass während einer Probefahrt Fahrdaten anderer Personen mit dem eigenen Profil verknüpft werden.
- Das kann sich auf die Versicherungsakte auswirken.
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Mein Mazda Miata Modelljahr 2025 hat eine Telematics Control Unit (TCU), die nach dem Ausschalten Daten an Mazda-Server sendet
Diese Daten umfassen Beschleunigung, Geschwindigkeit, Standortinformationen und mehr, und über die Mazda-App gibt es auch Funktionen wie Fernstart oder das Prüfen des Reifendrucks
Man kann sich wohl abmelden, wenn man bei Mazda anruft und hartnäckig bleibt, aber ich habe stattdessen selbst einen Filter gebaut, der die CAN-Kommunikation abfängt, um die Datenübertragung zu blockieren
Mit einem günstigen ARM-Linux-Board und einem CAN-Transceiver ließ sich das leicht umsetzen, und es traten auch keine Fehlercodes (DTC) auf
Ich mache mir Sorgen, dass die nächste Miata-Generation auf verschlüsseltes CAN umstellt. Dann dürfte es schwieriger werden, die Privatsphäre zu schützen
Beim dritten Versuch hieß es dann zwar, es sei erledigt, aber um zu prüfen, ob es wirklich aus ist, müsste ich wohl deine Methode ausprobieren
Die zugehörigen Richtlinien stehen auf der Mazda Connected Services Privacy-Seite
Ich denke selbst über den Kauf eines Mazda nach, und diese Telemetrie-Erfassung scheint der einzige Nachteil zu sein
Ich würde gern mehr über die Umsetzung lernen
Bei meinem Auto geht dabei keine Warnleuchte an, aber wenn man das Modem entfernt, fallen Lautsprecher und Mikrofon mit aus
Um das zu beheben, braucht man einen Bypass-Kabelbaum
Man sollte die Antenne entfernen und sich nicht von der Illusion von Bequemlichkeit täuschen lassen
Besser ein eigenständiges GPS benutzen und Musik von SD-Karte oder USB hören
Das Smartphone ausgeschaltet zu lassen ist am besten. Bluetooth- und Wi-Fi-Beacons sind ständig aktiv, und die Signalüberschneidungen mit anderen Menschen werden als neue Tracking-Daten protokolliert
Auch Kameras für autonomes Fahren sollte man durch Abziehen der Kabel deaktivieren
Ich denke, orangefarbene Warnleuchten sind meistens nicht kritisch und können ignoriert werden
Außerdem gibt es mit dem Kennzeichen einen gesetzlichen Identifikator, daher ist vollständige Anonymität ohnehin unmöglich
Wenn zum Beispiel die Motorkontrollleuchte orange blinkt, kann der Katalysator beschädigt werden
Ignoriert man Warnleuchten, können die Reparaturkosten am Ende höher ausfallen
Und wenn man das TPMS (Reifendruckkontrollsystem) deaktiviert, kann das Fahrzeug rechtlich sogar nicht mehr straßenzugelassen sein
Am Ende bekommt man damit wohl nur weniger zielgerichtete Werbung
Ich halte diese Datenerfassung für kriminell
Ohne meine Zustimmung Informationen zu sammeln und zu verkaufen, kommt digitaler Gewalt nahe, und die Führungskräfte, die das zugelassen haben, sollten bestraft werden
Mein Toyota Sienna Modelljahr 2025 ist permanent verbunden, daher ist es sehr schwer, die Hardware abzuschalten
Um das DCM (Data Communication Module) auszubauen, muss man das Armaturenbrett zerlegen
Beim Toyota Tacoma ist es etwas einfacher; Fotos des Vorgangs gibt es in diesem Forenbeitrag
Ich habe es noch nicht ausprobiert, will es aber bald tun
Allerdings wird dabei auch ein Lautsprecher abgeschaltet. Das lässt sich mit einer Umgehungsverkabelung lösen, aber letztlich muss man das Infotainment trennen
Sirius/XM sendet übrigens wie GPS nur in eine Richtung und überträgt keine Daten zurück
Ich arbeite im Mittleren Westen als Diesel-Mechaniker, und auch Lkw und Traktoren haben solche Telematikfunktionen
John Deere nutzt sie sogar, um Marketing-Mails zu verschicken
Das Deaktivieren ist nicht schwer
Dann werden zwar weiterhin Daten gesammelt, aber sie können nicht übertragen werden
Bei manchen Fahrzeugen ist es zuverlässiger, die Stromversorgung des gesamten Moduls abzuschalten
Im Handbuch eines Ford von 2019 gibt es zum Beispiel eine eigene Sicherung „Telematics Control Unit - Modem“
Es gibt Berichte, dass selbst mit einem 50Ω-Abschlusswiderstand weiterhin Daten übertragen werden
(zugehöriger Forenbeitrag)
Wenn man die Stromversorgung komplett kappt, fällt auch das Freisprechmikrofon aus, daher muss man die Audiosignale mit einem Bypass-Kabelbaum umgehen
Fahrzeuge in der EU betreiben offenbar ein ähnliches Maß an Nutzer-Tracking, aber die EU-Behörden schweigen dazu
Es wirkt, als hätten die Autohersteller die EU praktisch im Griff
Bei meinem Elektroauto muss ich für die Funktion Ladevorgang aus der Ferne starten die vollständige Datenfreigabe erlauben
Das heißt, auch Fahrdaten müssen übertragen werden
Im Auto selbst kann man das Laden mit einem einzigen Knopf starten, aber in der App muss ich dafür jedes Mal die Einwilligung zur Datenerfassung an- und wieder ausschalten
Ironisch
Dieser Wunsch nach „Bequemlichkeit“ ist letztlich der Grund, warum sich Datenerfassungsfunktionen ausbreiten
Unternehmen können dann kaum anders, als diese Daten für Marketing zu nutzen
Die Website vehicleprivacyreport.com ist potenziell irreführend
Sie zeigt nur die aktuellen Richtlinien des Herstellers, nicht das, was tatsächlich auf mein Fahrzeug angewendet wird (zum Beispiel einen Prius von 2007)
Mein Auto hat keine Internetverbindung, daher ist eine Fern-Erfassung unmöglich, aber nach der Beschreibung auf der Website wirkt es fast so, als sei sie möglich
Es wäre gut, wenn es eine Website gäbe, die Datenschutzbewertungen nach Hersteller und Modell zeigt
Wenn Verbraucher das sehen und ihre Kaufentscheidung danach ändern, würden die Hersteller ihre Politik wohl ebenfalls ändern
Im Moment scheint Slate Auto das einzige Unternehmen zu sein, das dieses Problem anders angeht
Kennt jemand weitere Beispiele?