- Es gibt weiterhin Versuche, Web Monetization, bei der im Browser automatisch Kleinstbeträge fließen, nicht als Erweiterung, sondern als Webstandard bzw. integrierte Browserfunktion zu etablieren, doch die Einstiegshürden bleiben hoch
- Früher setzte Coil diese Idee der Praxis recht nahe um, indem es eine Browser-Erweiterung mit einer Online-Wallet verband und an Websites mit dem Tag
<link rel="monetization"> automatisch Micropayments sendete
- Nach Coil wird ein ähnlicher Ansatz mit der Kombination aus Interledger-Erweiterung und GateHub- bzw. Chimoney-Wallets weiterverfolgt, und Experimente für native Web Monetization auf Chromium-Codeebene wirken wie ein technischer Fortschritt
- Allerdings zeigen sich im praktischen Einsatz gravierende UX- und Regionalbeschränkungen, etwa Verwirrung um das Wallet-Adressformat und keine USD-Einzahlung bei GateHub, keine Unterstützung für die USA und Großbritannien bei Interledger sowie keine Web-Unterstützung (nur native Apps) bei Chimoney
- Der Artikel argumentiert, dass zuerst zentrale Abläufe wie Wallet-Auswahl, Aufladen und Adresskonfiguration auf ein Niveau gebracht werden müssen, das so ultraeinfach und ultrastabil wie Apple Pay ist; erst darauf sollten Entwicklerexperimente, Standardisierung und Browser-Integration aufbauen. Derzeit sei dieses Ziel noch weit entfernt
Das Konzept von Web Monetization als Webstandard
- Web Monetization zielt auf ein Erlösmodell ab, bei dem ein im Browser installiertes Online-Wallet automatisch mit Websites verbunden wird und Micropayments streamt
- Websites legen per
<meta>- oder <link>-Tag ihren öffentlichen Schlüssel (Wallet-Identifikator) für das Online-Wallet offen
- Nutzer hinterlegen einen bestimmten Betrag in einer Browser-Erweiterung, die das Geld dann automatisch auf besuchte Seiten mit einem entsprechenden Tag verteilt
- Der Autor war früher von dieser Idee über Coil begeistert und bewertete die Erfahrung positiv, beim bloßen Besuch einer Seite das Gefühl zu haben, mit einem kleinen Trinkgeld zu sagen: „Danke, dass du diese Website erstellt hast“
- Es gab auch grundlegende Steuerungsfunktionen wie eine Blacklist; damit war es nicht völlig identisch mit Brave Rewards, funktionierte aber als ähnliches Belohnungssystem
- Am meisten gefiel dem Autor an Coil jedoch nicht das Geschäftsmodell selbst, sondern dass es konkrete Schritte gab, dies zu einem Webstandard und einer integrierten Browserfunktion zu machen
- Wenn es ohne Erweiterung als Grundfunktion in allen Browsern laufen würde, könnte sich das gesamte Zahlungserlebnis im Web verändern
Das Potenzial nativer Micropayments im Browser
- Vier Vorteile, die bei einer nativen Integration von Web Monetization in den Browser zu erwarten wären
- Die Nutzung könnte sehr viel einfacher werden
- Die Sicherheit könnte deutlich verbessert werden
- Abos und Premium-Modelle mit stärkerer Anonymität würden möglich
- Die Normalisierung von Zahlungen ohne Kreditkarte könnte gefördert werden
- In Sachen Bedienbarkeit könnte sich der Checkout-Prozess nach Ansicht des Autors ähnlich stark oder noch stärker verkürzen als bei Apple Pay
- So wie Apple Pay den Bezahlvorgang auf weniger als die Hälfte reduziert hat, könnte ein standardisiertes Browser-Wallet auf allen Plattformen ein ähnliches Erlebnis bieten
- Beim Thema Sicherheit geht es darum, das Muster abzuschaffen, Kreditkartennummern direkt auf Websites einzugeben
- Statt in der heutigen Struktur darauf angewiesen zu sein, dass eine Website die Nummer korrekt überträgt und speichert, bevorzugt der Autor ein Modell, in dem der Browser Zahlungsdaten stellvertretend verarbeitet
- Beim Thema Anonymität wäre eine Struktur möglich, in der Websites Abos oder Premium-Funktionen anbieten, ohne die E-Mail-Adresse des Nutzers überhaupt zu kennen
- Funktionen wie Werbefreiheit, Pro-Konten oder hochwertige Downloads ließen sich ohne E-Mail-Sammlung anbieten, was nach Ansicht des Autors ein bezahltes Erlebnis ohne Spam-Mails ermöglichen würde
- Bei den Zahlungsmitteln könnten Online-Wallets verschiedene Quellen wie Bankkonto, Kreditkarte oder Kryptowährungen anbinden und damit die Annahme aufbrechen, dass „standardmäßig mit Kreditkarte“ bezahlt wird
- Unabhängig davon, welche Währung oder welches Mittel genutzt wird, wäre aus Sicht des Webs eine Abstraktionsebene möglich, bei der nur zählt: „Im Wallet ist Geld vorhanden“
Nach Coil: Interledger-Erweiterung und nativer Chromium-Code
- Nach dem Ende von Coil wurde das Projekt gewissermaßen an Interledger weitergereicht, und die Bestrebungen, Web Monetization auf Interledger-Basis voranzutreiben, laufen weiter
- Statt der Coil-Erweiterung gibt es nun eine Interledger-Browser-Erweiterung, die erkennt, ob sich auf einer Seite ein Monetization-Wallet befindet, und Zahlungen automatisch verarbeitet
- Verwendet wird ein Format wie
<link rel="monetization" href="https://ilp.gatehub.net/150644339/usd" />, anhand dessen die Erweiterung das Website-Wallet erkennt
- Vom mit der Erweiterung verbundenen Nutzer-Wallet sollen dabei fortlaufend virtuelle Gelder an das durch diesen Link bezeichnete Web-Monetization-Wallet fließen
- Der ermutigendste Punkt in Thomas Steiners Ausführungen ist, dass in Chromium bereits Code für native Web Monetization existiert
- Dieser Code wurde von Igalia implementiert und von der Interledger Foundation finanziert; derzeit wartet man auf die Veröffentlichung der Experimentergebnisse
- Schon die Tatsache, dass es bis in den Browser-Engine-Code geschafft hat, deutet darauf hin, dass Web Monetization über ein bloßes Konzept hinaus gewisse Fortschritte als Standardkandidat gemacht hat
Wallet-UX und Regionalbeschränkungen: Erfahrungen mit GateHub, Interledger und Chimoney
- Der Autor probierte die drei von der Interledger-Erweiterung unterstützten Wallets (Interledger, GateHub, Chimoney) selbst aus, um die Probleme des aktuellen Stands aufzuzeigen
- Am Anfang entschied er sich mit Blick auf Thomas’ Beispiel für GateHub, da es USD unterstützt
- Der Verifizierungsprozess beim Konto hakte etwas und erforderte mehrere erneute Einreichungen, am Ende gelang die Kontoerstellung aber
- Problem 1 bei GateHub ist, dass das dort angezeigte Wallet-Adressformat nicht zur Browser-Erweiterung passt
- GateHub liefert eine einzelne Zahl als „Wallet Address“, doch die Browser-Erweiterung akzeptiert diese nicht als gültige Adresse
- Dadurch landet der Nutzer in einem Zustand, in dem er zwar ein Wallet hat, es aber nicht mit der Erweiterung verbinden kann; zudem fehlt eine klare Anleitung zum Adressformat
- Problem 2 ist, dass es innerhalb von GateHub keinen Weg gab, USD aufzuladen
- Egal welche der sichtbaren Einzahlungsoptionen ausprobiert wurden, überall erschien eine Meldung, dass dies nicht möglich sei, sodass sich faktisch keine Dollar einzahlen ließen
- Wer bereits anderswo Kryptowährungen besitzt, kann das möglicherweise lösen, für normale Nutzer wirkt das Wallet jedoch praktisch unbenutzbar
- Auch die anderen Wallets zeigen ähnliche Einschränkungen
- Das Interledger-Wallet meldete, dass die USA nicht unterstützt werden, wodurch eine praktische Nutzung unmöglich war
- Über einen separaten Link fand sich zudem der Hinweis, dass es auch in Großbritannien keinen wirklich passenden Wallet-Anbieter gibt, sodass auch britische Nutzer kaum Auswahl haben
- Chimoney ist nur für native Apps wie iOS gedacht; für den Autor, der webzentrierte Nutzbarkeit und Philosophie wichtig findet, war das daher unattraktiv
- Insgesamt kommt der Autor deshalb zu dem Schluss, dass die reale Nutzungserfahrung mit Web Monetization im aktuellen Zustand „derzeit fast einem kompletten Fehlschlag gleicht“
- Thomas habe es zwar tatsächlich zum Laufen gebracht, also sei es nicht absolut unmöglich, doch für normale Nutzer ist der Weg viel zu mühsam
Offene Aufgaben bis zu Standardisierung und Browser-Integration
- Damit sich Web Monetization wirklich durchsetzen kann, muss vor Entwicklern und Standardisierung zuerst die Nutzererfahrung extrem reibungslos werden
- Prozesse wie Wallet-Erstellung, Adresskonfiguration und Aufladen müssten auf Apple-Pay-Niveau sofort nach der Ersteinrichtung nutzbar sein
- Erst wenn dieser Punkt erreicht ist, wäre es natürlich, dass Entwickler darauf spannende Experimente und Dienste aufbauen und danach Standardisierung und Browser-Integration folgen
- Derzeit stimmt diese Reihenfolge noch nicht, sodass man schon an den Grundlagen scheitert: Wallet-Verfügbarkeit, regionale Regulierung, Adressformat, Web-Unterstützung
- Besonders die Tatsache, dass es in großen Märkten wie den USA und Großbritannien kaum oder nur eingeschränkt nutzbare Wallets gibt, wird als zentrales Hindernis genannt
- Deshalb wirkt es trotz des Fortschritts, dass nativer Code in Chromium gelandet ist, nicht so, als wäre Web Monetization als echte eingebaute Browserfunktion schon näher gerückt
- Der Autor betont erneut, dass vor Standarddokumenten und Browser-Flags zuerst ein ausgereifter Weg, den wirklich jeder leicht nutzen kann, bereitstehen muss
Ergänzende Erläuterungen und alternative Ansätze aus den Kommentaren
- In den Kommentaren lieferte Thomas Steiner zusätzliche Erklärungen zum Wallet-Adressformat und Einzahlungsweg bei GateHub
- Zum Einzahlungsproblem ergänzte er, dass je nach Region unterschiedliche Aufladeoptionen verfügbar sind
- Er selbst könne in Europa per Banküberweisung, Google Pay und anderen Wegen aufladen; bei EUR stünden etwa Karte, SEPA und weitere Optionen zur Verfügung
- In der EU sei GateHub auf Interledger-Wallet-Basis eine tatsächlich nutzbare Option, inklusive sogar der Ausstellung einer physischen MasterCard, auch wenn das US-Nutzern nicht direkt hilft
- Ein weiterer Kommentar kritisierte, dass aktuelle Web-Monetization-Implementierungen zentralisiert seien und dadurch durch KYC/AML-Regulierung Transaktionen eingeschränkt werden könnten
- Als Alternative wurde nicht die Krypto-Welt insgesamt, sondern die Kombination aus Bitcoin und Lightning Network genannt, mit dem Hinweis auf eine vollständig dezentrale, selbst gehostete Zahlungsinfrastruktur
- Vorgestellt wurden außerdem WebLN-Spezifikation und Bibliotheken für die Nutzung von Lightning im Web, mit Beispielen wie anonymem Login, Micropayments und Self-Hosting
- Insgesamt zeigen die Kommentare, dass Wallet-Verfügbarkeit sowie Regulierungs- und Zentralisierungsprobleme die schwierigsten Teile des Web-Monetization-Ökosystems sind und dass bereits über regionale und technische Alternativen zu deren Lösung diskutiert wird
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