- Forschende der Universität Wien und von SBA Research haben in WhatsApps Mechanismus zur Kontaktsuche eine groß angelegte Datenschutzlücke entdeckt, über die sich 3,5 Milliarden Konten aufzählen lassen
- Das Forschungsteam zeigte, dass sich mehr als 100 Millionen Telefonnummern pro Stunde abfragen lassen, und Meta arbeitete mit den Forschenden zusammen, um das Problem zu beheben
- Zu den erfassbaren Daten gehören Telefonnummern, öffentliche Schlüssel, Zeitstempel und öffentlich sichtbare Profilinformationen; daraus lassen sich Betriebssystem, Kontenalter und die Zahl verbundener Geräte ableiten
- Die Analyse ergab, dass selbst in Ländern, in denen WhatsApp verboten ist (China, Iran, Myanmar usw.), Millionen aktive Konten existieren, und bestätigte eine globale Verteilung von 81 % Android und 19 % iOS
- Die Studie zeigt, dass bereits die Analyse von Metadaten ein Risiko für Datenschutzverletzungen darstellt, und betont die Bedeutung kontinuierlicher und unabhängiger Sicherheitsforschung
Schwachstelle in der WhatsApp-Kontaktsuche entdeckt
- Die Forschenden bestätigten, dass sich über WhatsApps Funktion zur Kontaktsuche (contact discovery), die andere Nutzer auf Basis des Adressbuchs findet, mehr als 100 Millionen Telefonnummern pro Stunde abfragen lassen
- Dadurch konnten mehr als 3,5 Milliarden aktive Konten in 245 Ländern identifiziert werden
- Dass eine einzelne Quelle so viele Anfragen verarbeiten konnte, gilt als Hinweis auf einen Konstruktionsfehler des Systems
- Zugängliche Daten umfassen Telefonnummern, öffentliche Schlüssel, Zeitstempel, öffentliche Profilbilder und Statusinformationen; daraus lassen sich Art des Betriebssystems, Zeitpunkt der Kontoerstellung und Zahl der verbundenen Geräte ableiten
Zentrale Forschungsergebnisse
- Selbst in Ländern, in denen WhatsApp offiziell verboten ist (China, Iran, Myanmar), existieren Millionen aktiver Konten
- Die globale Geräteverteilung lag bei 81 % Android und 19 % iOS; außerdem zeigten sich Unterschiede beim regionalen Umgang mit Datenschutzeinstellungen (z. B. öffentliche Profilbilder oder Nutzung von Statusinformationen)
- In einigen Fällen wurde Wiederverwendung kryptografischer Schlüssel festgestellt, was auf inoffizielle Clients oder betrügerische Nutzung hindeutet
- Von den 500 Millionen Telefonnummern aus dem Facebook-Datenleck von 2021 war etwa die Hälfte weiterhin auf WhatsApp aktiv
- Das bedeutet, dass geleakte Nummern weiterhin dem Risiko von Betrugsanrufen und anderen Folgeschäden ausgesetzt sind
Datenverarbeitung und Sicherheitsfolgen
- Im Verlauf der Untersuchung wurde nicht auf Nachrichteninhalte zugegriffen, und alle erhobenen Daten wurden vor der Veröffentlichung gelöscht
- WhatsApps Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (end-to-end encryption) schützt die Nachrichteninhalte, Metadaten gehören jedoch nicht zum geschützten Bereich
- Die Forschenden bestätigten, dass schon die großflächige Erhebung und Analyse von Metadaten zu Datenschutzverletzungen führen kann
Zusammenarbeit mit Meta und Gegenmaßnahmen
- Die Studie wurde nach dem Prinzip der Responsible Disclosure (responsible disclosure) durchgeführt, und die Ergebnisse wurden sofort an Meta gemeldet
- Meta führte anschließend Maßnahmen wie Request-Limiting (rate-limiting) und einen verstärkten Schutz beim Zugriff auf Profilinformationen ein
- Meta bedankte sich für die Zusammenarbeit mit den Forschenden und räumte ein, dass die neue Enumeration-Technik die Grenzen der bisherigen Abwehr überschritten habe
- Die Ergebnisse trugen auch zur Überprüfung der Wirksamkeit der eigenen Anti-Scraping-Systeme bei
- Fälle böswilligen Missbrauchs wurden nicht festgestellt, und Nutzernachrichten blieben sicher geschützt
Forschungskontext und fortlaufende Arbeiten
- Die vorliegende Arbeit ist die dritte Sicherheitsstudie zu Messengern der Universität Wien und von SBA Research und analysiert mögliche Datenschutzlecks in Design und Implementierung von WhatsApp und Signal
- Frühere Studien:
- “Careless Whisper” (RAID 2025): zeigte, dass sich über WhatsApps stille Zustellbestätigungen (silent delivery receipts) Nutzungs- und Aktivitätsmuster ableiten lassen
- “Prekey Pogo” (USENIX WOOT 2025): analysierte Implementierungsschwächen in WhatsApps Prekey-Verteilungsmechanismus
- Die aktuelle Studie “Hey there! You are using WhatsApp: Enumerating Three Billion Accounts for Security and Privacy” erweitert diese Forschungsreihe und belegt empirisch die Möglichkeit einer weltweiten Enumeration von Nutzern
- Die Ergebnisse sollen auf der NDSS 2026 vorgestellt werden
Bedeutung der Studie
- Die Forschenden weisen darauf hin, dass selbst ausgereifte Systeme Konstruktionsfehler aufweisen können, und betonen, dass Sicherheit und Privatsphäre fortlaufend neu bewertet werden müssen
- Sie heben hervor, dass transparente Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie entscheidend für den Schutz von Nutzern und die Verhinderung von Missbrauch ist
- Die Studie schafft eine Grundlage für das langfristige Verständnis der Weiterentwicklung von Messaging-Systemen und neuer Risikopunkte
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