2 Punkte von GN⁺ 2025-11-07 | 2 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • OpenAI hat klargestellt, dass es bei der kürzlich als „Mit ChatGPT kann man jetzt keine Rechts-/Medizinberatung mehr erhalten“ interpretierten Änderung der Nutzungsbedingungen keine Änderungen an den Bedingungen für Rechts- und Medizinberatung gegeben hat
  • Das Update der Nutzungsrichtlinien vom 29. Oktober stellt klar, dass Beratung, die eine berufliche Zulassung erfordert (z. B. Recht oder Medizin), nicht ohne angemessene Mitwirkung einer entsprechend lizenzierten Fachkraft bereitgestellt werden darf
  • Bereits in den Richtlinien vor dem 29. Januar 2025 waren Aktivitäten eingeschränkt, die erhebliche Auswirkungen auf die Sicherheit, das Wohlergehen oder die Rechte anderer haben können, einschließlich der Bereitstellung personalisierter Rechts-, Medizin- und Finanzberatung

Klarstellung von OpenAIs Richtlinien

  • OpenAI betonte, dass ChatGPT keine professionelle Rechts- oder Medizinberatung ersetzt, und stellte klar, dass die entsprechenden Änderungen der Nutzungsbedingungen keine neue inhaltliche Regelung darstellen
    • In einer Stellungnahme an CTVNews hieß es: „Dies ist keine neue Änderung, und ChatGPT bleibt weiterhin eine nützliche Ressource, um rechtliche und gesundheitliche Informationen zu verstehen.“
  • Im Update der Nutzungsrichtlinien vom 29. Oktober wurde ausdrücklich festgehalten, dass personalisierte Beratung, die eine Zulassung erfordert (z. B. Recht oder Medizin), nicht ohne angemessene Mitwirkung einer lizenzierten Fachkraft bereitgestellt werden darf
  • Damit ist die Regelung klarer formuliert als in der Fassung der Richtlinie vom 29. Januar 2025
    • Die damalige Richtlinie verlangte, keine Aktivitäten auszuführen oder zu fördern, die erhebliche Auswirkungen auf die Sicherheit, das Wohlergehen oder die Rechte anderer haben könnten; dazu gehörte auch das Verbot personalisierter Rechts-, Medizin- und Finanzberatung
  • OpenAI erklärte außerdem: „Auch das Verhalten des Modells wurde nicht geändert“, und unterstrich damit die Kontinuität der bestehenden Richtlinien

Nutzung und Grenzen von ChatGPT bei Gesundheitsinformationen

  • ChatGPT hat sich als weit verbreitetes Werkzeug für Kanadier etabliert, die Antworten auf Gesundheitsfragen suchen
  • Ein Forschungsteam der University of Waterloo bewertete die Leistung von ChatGPT-4 anhand von Fragen, die aus Szenarien medizinischer Qualifikationsprüfungen abgeleitet wurden
    • Das Ergebnis: 31 % korrekte Antworten und 34 % eindeutige Antworten
  • Eine weitere Studie der University of British Columbia ergab, dass die empathische Ausdrucksweise von ChatGPT als überzeugender wahrgenommen wird als die echter Menschen
    • Selbst ungenaue Informationen werden in einem selbstbewussten und vertrauenerweckenden Ton präsentiert, sodass es Nutzern schwerfällt, Fehler zu erkennen
    • Ärzte erleben bereits Situationen, in denen Patienten, die dem Rat von AI-Tools vertraut haben, mit bereits gefassten Schlussfolgerungen in die Behandlung kommen

Korrekturhinweis zum Artikel

  • In einer früheren Version des Artikels hieß es, OpenAI habe die Funktionen für medizinische und rechtliche Beratung eingestellt;
    • OpenAI stellte jedoch klar: „Das Verhalten des Modells wurde nicht geändert“, woraufhin der Artikel korrigiert wurde

2 Kommentare

 
shakespeares 2025-11-10

In Ländern mit einem schlecht ausgebauten Gesundheitssystem wäre die Nutzung wohl sehr hilfreich.

 
GN⁺ 2025-11-07
Hacker-News-Kommentare
  • Ich habe das nicht so gelesen, dass man ChatGPT nicht direkt medizinische oder juristische Fragen stellen darf, sondern dass man keinen Dienst bauen darf, der auf Basis von ChatGPT anderen medizinische oder juristische Beratung anbietet
    Zum Beispiel kann Epic ChatGPT nicht einfach in seine App einbauen, damit es Patientenunterlagen stellvertretend liest. Privatpersonen können ChatGPT aber weiterhin direkt fragen
    Die im Artikel zitierte Klausel in den Nutzungsbedingungen habe ich allerdings selbst noch nicht gefunden

    • Mit Epic ist hier übrigens nicht die Spielefirma gemeint, sondern der in US-Krankenhäusern weit verbreitete Anbieter von elektronischen Gesundheitsakten (EHR)
    • Die Formulierung „etwas auf ChatGPT bauen“ ist irreführend. ChatGPT selbst hat keine API, man nutzt die GPT-5-API von OpenAI
      Der Journalist scheint ChatGPT und die GPT-API verwechselt zu haben. Die tatsächlichen Regeln stehen gesammelt in den OpenAI-Nutzungsbedingungen
      Die relevante Passage besagt, dass Ausgaben nicht für Anwendungsfälle verwendet werden dürfen, die erhebliche Auswirkungen haben können, etwa rechtliche, medizinische oder finanzielle Entscheidungen über Personen
    • Am Ende wirkt das einfach wie eine Maßnahme zur Haftungsbegrenzung
      Es wurde schließlich oft damit geworben, dass GPT juristische oder medizinische Prüfungen bestanden habe. Diese Klausel kann man daher als Absicherung gegen Probleme durch echte Beratung verstehen
      Wenn Firmen wie Epic so eine Funktion einbauen wollten, müssten sie vermutlich Haftungsausschlüsse wie „AI-generiertes Ergebnis, keine Rechtsberatung“ anbringen
    • OpenAI versucht offenbar, die Haftung zu minimieren, ohne den praktischen Nutzen des Tools vollständig zu beschneiden
    • Ich halte so eine Regel sogar für vernünftig. ChatGPT-Ausgaben unverändert als medizinische oder juristische Beratung zu verpacken und dafür Geld zu verlangen, kommt Betrug ziemlich nahe
      Wenn man wie ich einfach die Meinung von ChatGPT hören will, kann man direkt selbst fragen. Es neu zu verpacken und zu verkaufen, täuscht nur die Nutzer
  • Das eigentliche Problem ist nicht die Richtlinienänderung, sondern dass sich die Fähigkeit von AI, vertrauenerweckend zu klingen, schneller entwickelt hat als ihre tatsächliche Genauigkeit
    Deshalb hören sich falsche Antworten oft an, als kämen sie von Fachleuten, und Menschen vertrauen diesem selbstsicheren Tonfall
    Gerade in Bereichen wie Medizin und Recht, in denen die Folgen wichtig sind, ist diese Lücke zwischen Sicherheit und Genauigkeit das größte Risiko

  • Ich habe mehrfach erlebt, dass Menschen ChatGPT wie einen psychologischen Berater benutzen. Manche betreiben damit sogar Selbstdiagnosen
    Das klingt lustig, ist in Wirklichkeit aber sehr gefährlich. Das Modell stimmt fast immer bestätigend zu, wodurch Nutzer leicht in eine falsche Richtung abrutschen
    Solche Fälle werden am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Klagen führen

    • Ich arbeite bei einem Unternehmen, das AI-Tools für Fachkräfte im Bereich psychische Gesundheit entwickelt. Die Modellausgaben werden niemals direkt an Patienten weitergegeben
      Ich habe tatsächlich von Fällen gehört, in denen Ratschläge eines LLMs zu Suizidversuchen oder schweren Schäden geführt haben
      Wenn ihr jemanden kennt, der LLMs auf diese Weise nutzt, ermutigt die Person bitte unbedingt dazu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen
    • Ganz neu ist dieses Phänomen allerdings nicht. Menschen haben schon früher per Google-Suche Selbstdiagnosen gestellt
      ChatGPT hat diesen Prozess nur einfacher gemacht. Die eigentliche Ursache ist das Problem der medizinischen Versorgungslage
    • Ich stimme zu, dass man Fachleuten vertrauen sollte. So wie bei dem Witz, dass WebMD bei Symptomen immer Krebs diagnostiziert, sind die Grenzen von Selbstdiagnosen offensichtlich
    • Die Grundtendenz von LLMs, hilfsbereit zu sein und Zustimmung zu signalisieren, kann sich bei psychischen Problemen sogar kontraproduktiv auswirken
    • Schon dieses Verhalten selbst könnte ein Anzeichen psychischer Probleme sein
  • Es wirkt ironisch, dass OpenAI sich um die Urheberrechte oder das geistige Eigentum anderer wenig schert, aber die eigenen Nutzungsbedingungen stark betont

    • Jemand teilt scherzhaft mit „Willkommen im Internet“ Links zu Songs von Bo Burnham
      (Welcome to the Internet, Jeff Bezos Song)
    • Es gibt auch die zynische Reaktion, das Wesen eines Diebs bestehe eben darin, die Dinge anderer zu kontrollieren und daraus Profit zu schlagen
    • Andere können diese Empörung wiederum nicht nachvollziehen. Ihrer Ansicht nach ist das Trainieren auf öffentlich im Internet verfügbaren Informationen lediglich Lesen und Lernen
      Die Nutzungsbedingungen seien am Ende nur Haftungsabwehr, damit OpenAI nicht verklagt werden kann, wenn Nutzer das System falsch einsetzen
  • Ich hatte erwartet, dass solche Regeln irgendwann kommen würden
    Künftig wird man wohl so etwas wie eine „HippocraticGPT-Zertifizierung“ schaffen und dann Versionen verkaufen, die sicher für medizinische oder juristische Nutzung sind
    So ließe sich das über Enterprise-Lizenzen monetarisieren

    • So sollte es tatsächlich auch sein. Wie bei einer ärztlichen Zulassung braucht es eine Zertifizierung für die Nutzung von AI
      Auch mein Arbeitgeber stellt Werkzeuge nur für Fachleute bereit. Patienten sehen die Modellausgaben nie direkt
      Es geht dabei nicht um bessere Behandlung, sondern um effizientere Behandlung
    • Scherzhaft sagt jemand, man brauche für Gesundheitsfragen vielleicht bald ein Rezept
    • Manche meinen, solche Regeln sollten nicht nur für OpenAI gelten, sondern für alle AI-Unternehmen
  • Der Artikel wurde inzwischen korrigiert: OpenAI habe medizinische oder juristische Beratung nicht verboten, sondern das Verhalten des Modells habe sich nicht geändert
    Der Originaltext steht im CTV-News-Artikel

    • Das wird als „Meisterwerk des Marketings“ bezeichnet
  • Jemand sagt, ChatGPT habe im letzten Jahr geholfen, einen Schlaganfall zu vermeiden. Das LLM sei bei medizinischen Informationen sehr hilfreich gewesen

    • Dagegen kommt der Einwand, es sei nicht „immer hilfreich“, sondern manchmal nützlich und manchmal schädlich
      Als nichtdeterministisches System liefere es je nach Moment unterschiedliche Ergebnisse
    • Ein Nutzer merkt an, dass es ein Fehler sei, von einer einzelnen persönlichen Erfahrung zu verallgemeinern, und dass ChatGPT nicht genau genug sei, um Ärzte oder den Notruf zu ersetzen
      Er fügt aber hinzu, dass es gut sei, dass alles glimpflich ausgegangen ist
    • Jemand anderes fragt, ob man in so einer Situation nicht einfach 911 oder den Hausarzt hätte anrufen sollen
  • Auf dem jüngsten OpenAI Dev Day wurde auf der Bühne noch ein Beispiel für medizinische Diagnoseunterstützung gezeigt. Diese neue Regel dürfte deshalb vor allem aus dem hohen rechtlichen Risiko entstanden sein

    • Vermutlich will man eine validierte Version an eine klar definierte Kundengruppe wie Ärzte, Krankenhäuser oder Versicherer verkaufen
  • Ich halte es für wahrscheinlich, dass OpenAI künftig Produkte speziell für Ärzte oder Anwälte anbieten wird
    Wenn allgemeines ChatGPT juristische oder medizinische Beratung nicht geben darf, ermöglicht das Preis-Differenzierung

    • Am Ende werden solche Berufsgruppen wohl kaum darum herumkommen, strukturell von AI abhängig zu werden
    • In Kapitel 3 des GDPval-Papers wird die Marketingstrategie, „mit Fachleuten zusammenzuarbeiten und sie zu verstärken“, ausdrücklich genannt
      Langfristig könnte das bei gelockerten Regeln aber auch in einen Ersatz von Fachkräften übergehen
    • Auch in meinem Krankenhaus wird AI bereits für Behandlungszusammenfassungen und Dokumentation eingesetzt
    • Dienste wie OpenEvidence sind für NPI-Inhaber kostenlos nutzbar
  • Ich habe die neue Klausel so verstanden, dass sie Klagen wegen falscher medizinischer oder juristischer Beratung ausschließen soll

    • Wenn jemand juristische Beratung verkauft, tatsächlich aber nur ChatGPT-Ausgaben weiterreicht, ist das nicht die Verantwortung von OpenAI
      Die Klausel stellt im Grunde nur klar, dass man das nicht als „AI-Anwaltsdienst auf Basis von ChatGPT“ vermarkten soll