- Mathematiker haben erstmals eine dreidimensionale Form entdeckt, die nicht durch sich selbst hindurchpassen kann – eine Entdeckung, die die bisherige geometrische Intuition erschüttert.
- Die meisten Polyeder können durch eine bestimmte Kombination aus Drehung und Verschiebung, den sogenannten Rupert passage, eine Kopie ihrer selbst durch sich hindurch bewegen; bei dieser neuen Form wurde bestätigt, dass dies in keiner einzigen Orientierung möglich ist.
- Die Forschenden haben Hunderte Millionen von Polyedern algorithmisch erzeugt und überprüft; in fast allen Fällen fanden sie einen Durchgang, doch es gab eine winzige Zahl von Ausnahmen.
- Zwei Mathematiker entwickelten, inspiriert von einem YouTube-Video, einen eigenen Algorithmus und vermuteten bereits in einer Arbeit von 2021, dass ein bestimmtes Polyeder undurchdringbar sein könnte; die aktuelle Studie stärkt diese Möglichkeit.
- Die Entdeckung weist auf neue Richtungen in der Forschung zu geometrischer Symmetrie und Algorithmen zur Durchsuchung von Räumen hin und gilt als Beispiel dafür, dass grundlegende Grenzen mathematischer Formen sichtbar werden.
Seltenheit der Nopert-Form und der Suchprozess
- Die Forschenden bestätigten, dass Kandidaten für Nopert (Formen, die sich nicht selbst durchdringen können) extrem selten sind.
- Murphy erzeugte und testete seit 2023 Hunderte Millionen von Polyedern.
- Dazu gehörten zufällige Polyeder, Anordnungen von Ecken auf einer Kugel, Polyeder mit symmetrischen Strukturen sowie Formen, bei denen einige Ecken gezielt verändert wurden.
- Sein Algorithmus fand bei fast allen Formen leicht einen Rupert passage, bei einigen Formen konnte jedoch letztlich kein Durchgang gefunden werden.
- Ob diese Ausnahmeformen echte Noperts sind oder ob der Durchgang lediglich schwer zu finden ist, bleibt noch unklar.
- Diese Ergebnisse deuten unter Mathematikern stark auf die Möglichkeit real existierender Noperts hin.
- Vor August 2024 gab es dafür jedoch noch keinen gesicherten Beleg.
„No Passage“ — Entdeckung einer Form ohne Durchgang
- Steininger (30) und Yurkevich (29) sind befreundete Forschungspartner und ehemalige Teilnehmer derselben Mathematik-Olympiade, die auch nach dem Verlassen der akademischen Laufbahn gemeinsam an ungelösten Problemen arbeiten.
- Ihre Leidenschaft wurde in einem Interview mit der Bemerkung beschrieben: „Noch vor drei Stunden haben wir Pizza gegessen und fast nur über Mathematik gesprochen.“
- Vor fünf Jahren sahen die beiden ein YouTube-Video, in dem ein Würfel durch einen anderen Würfel hindurchgeht, und waren davon so fasziniert, dass sie sich mit dem Rupert-Problem beschäftigten.
- Danach entwickelten sie einen eigenen Algorithmus zur Suche nach Rupert passages und gewannen die Überzeugung, dass einige Formen nicht hindurchpassen können.
- In einer Arbeit von 2021 vermuteten sie, dass das rhombicosidodecahedron (Rhombenikosidodekaeder) keine Rupert-Form sei.
- Das gilt als die erste Hypothese eines „undurchdringbaren Körpers“ und entstand noch vor den jüngsten Studien von Murphy und Grimmer.
- Steininger sagte: „Unsere Arbeit war die erste, die vermutete, dass es Körper geben könnte, die diese Eigenschaft nicht haben.“
Mathematische Bedingungen für den Beweis eines Nopert
- Um zu beweisen, dass eine Form ein Nopert ist, muss gezeigt werden, dass für alle möglichen Richtungen und Rotationskombinationen kein Rupert passage existiert.
- Jede Richtung kann als Menge von Drehwinkeln dargestellt werden.
- Diese Winkelmenge lässt sich als Punkt in einem hochdimensionalen Parameterraum (parameter space) auffassen.
- Damit reduziert sich der Beweis auf das Problem, den gesamten Parameterraum zu durchsuchen und das Fehlen eines Durchgangs zu bestätigen.
- Das ist rechnerisch äußerst komplex, und für einen vollständigen Beweis müssten unendlich viele Richtungskombinationen berücksichtigt werden.
- Die bisherigen Ergebnisse beruhen auf der Überprüfung endlich vieler durch Computersuche zugänglicher Fälle; ein vollständiger mathematischer Beweis ist noch in Arbeit.
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Ich habe neulich ein tolles Video zum Thema Rupert/Nopert gesehen, und weil der Zeitpunkt mit dieser Forschung zusammenfällt, wirkte das wie ein lustiger Zufall.
Ich frage mich, ob man ein T-förmiges Tetromino durch sich selbst hindurchbekommen könnte.
Mehr dazu gibt es auf Wikipedia.
Im Artikel ist es auf geradliniges Hindurchgehen beschränkt, und der Großteil der Analyse verwendet auch Schattenprojektions-Techniken, also gilt das Geradlinigkeits-Kriterium. Aber die ursprüngliche Wette lautete einfach, eine Kopie hindurchzubekommen, daher könnte eine Rotation ebenfalls ein zulässiger Ansatz sein.
Außerdem ist Forschung aus reiner Neugier für sich genommen schon wertvoll genug.