1 Punkte von GN⁺ 2025-09-20 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Königinnen der Iberischen Ernteameise (Messor ibericus) zeigen eine einzigartige Fortpflanzungsweise, bei der sie nicht nur ihre eigene Art, sondern auch Männchen einer anderen Art, der Bau-Ernteameise (Messor structor), klonen
  • Es wird vermutet, dass die Königinnen Sperma von Männchen einer anderen Art speichern, damit Eier befruchten und anschließend ihr eigenes genetisches Material entfernen, sodass geklonte M. structor-Männchen entstehen
  • Dadurch produziert die Königin letztlich Männchen aus zwei Arten, während alle Arbeiterinnen aus hybriden Weibchen beider Arten bestehen und die Kolonie aufrechterhalten
  • Um dieses Phänomen zu erklären, schlug das Forschungsteam den neuen Begriff „Xenoparität (xenoparity)“ vor – eine so radikale Entdeckung, dass sie den Artbegriff selbst neu definieren könnte
  • Kurzfristig bringt diese Zusammenarbeit beiden Arten Vorteile, doch langfristig könnten die geklonten M. structor-Männchen anfällig werden, weil sich Mutationen ansammeln

Eine Entdeckung, die den Artbegriff erschüttert

  • Der klassische Artbegriff definiert Arten als Gruppen, die sich untereinander fortpflanzen und fruchtbare Nachkommen hervorbringen können
  • Im Fall von M. ibericus ist der Erhalt der Kolonie jedoch ohne Fortpflanzung mit einer anderen Art nicht möglich, was die bisherige Definition infrage stellt
  • Ökologen weisen darauf hin, dass „der Artbegriff neu überdacht werden muss, wenn zwei Arten gemeinsam notwendig sind“

Eine ungewöhnliche Fortpflanzungsweise

  • Königinnen von M. ibericus paaren sich mit Männchen von M. structor und speichern deren Sperma zur späteren Nutzung
  • Bei einem Teil der Eier wird offenbar das eigene Erbgut entfernt, sodass Klone von M. structor-Männchen entstehen
  • Die Königin produziert damit letztlich Männchen aus zwei Arten, und Arbeiterinnen werden stets als gemischte weibliche Hybride beider Arten geboren

Forschungsablauf und Belege

  • Auf einem Feldweg nahe Lyon in Frankreich wurden Kolonien von M. ibericus ausgegraben; dabei sicherte das Team aus 26 Kolonien 132 Männchen
  • Fast haarlose Männchen wurden als M. structor identifiziert, stark behaarte Männchen als M. ibericus
  • DNA-Analysen zeigten, dass die Männchen beider Arten die mitochondriale DNA von M. ibericus teilen – ein Beleg dafür, dass sie von dessen Königinnen geboren wurden
  • Das Forschungsteam bezeichnete dieses Phänomen als „xenoparity“ (Xenoparität)
  • Nach zweijähriger Beobachtung von mehr als 50 Ameisengruppen im Labor konnten die Forschenden die Entstehung von M. structor-Männchen direkt beobachten

Evolutionärer Hintergrund und offene Fragen

  • M. ibericus und M. structor trennten sich vor mehr als 5 Millionen Jahren und sind keine nahen Verwandten
  • Das entspricht einem ähnlich langen Zeitraum wie bei der Trennung von Mensch und Schimpanse (vor 6 bis 8 Millionen Jahren)
  • Die Wissenschaft weiß noch nicht genau, warum dieses System erhalten bleibt, vermutet aber, dass beide Seiten davon profitieren

Gegenseitiger Nutzen und Risiken

  • Wahrscheinlich handelt es sich um eine symbiotische Beziehung, die beiden Arten Vorteile bringt
  • Aus Sicht von M. ibericus:
    • ausreichend Arbeiterinnen für Nestbau, Nahrungssuche und Brutpflege
    • Zugang zu M. structor-Männchen für neue Königinnen
  • Aus Sicht von M. structor:
    • Die Art war ursprünglich auf begrenzte Gebirgsregionen beschränkt, könnte aber durch die Verbreitung geklonter Männchen ihr geografisches Verbreitungsgebiet ausdehnen
  • Da M. structor-Männchen jedoch nicht innerhalb ihrer eigenen Art paaren und nur als Klone existieren, besteht mit der Zeit das Risiko, dass sich schädliche genetische Mutationen ansammeln
  • Im Moment scheint es sich um eine erfolgreiche Fortpflanzungsstrategie im Rahmen der Koevolution zu handeln, ob sie langfristig stabil bleibt, ist jedoch ungewiss

Fazit

  • Die Entdeckung belegt die extreme Vielfalt der Fortpflanzungsstrategien, zu denen Ameisen fähig sind
  • Wie ein Forscher es formulierte, ist es, „als würde eine Art die andere in die Tasche stecken und mit ihr durch ganz Europa ziehen“ – ein seltsames, aber derzeit sehr erfolgreiches System
  • Die Arbeit gilt als bahnbrechende Entdeckung, die dazu zwingt, über Artbegriff und Evolutionstheorie neu nachzudenken

Noch keine Kommentare.

Noch keine Kommentare.