3 Punkte von GN⁺ 2025-09-17 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Software-defined Radio (SDR) ist eine Form von Digitalradio, bei der der Computer den Großteil der Signalverarbeitung übernimmt
  • Mit SDR sind sehr vielfältige Experimente möglich, etwa FM-Radio hören, Flugzeug-/Schiffs- und Wetterinformationen empfangen oder IoT-(Sensor-)Signale decodieren
  • Schon mit einem günstigen USB-Dongle und einem Antennen-Kit lässt sich das Potenzial von SDR leicht selbst ausprobieren
  • Durch die Kombination verschiedener Frequenzen und Modulationsarten sowie Open-Source-Software können Nutzer die Welt analoger und digitaler Signale umfassend erkunden
  • Beim Beobachten alltagsnaher Kommunikationssignale kann man die Prinzipien des Funkverkehrs und den aktuellen Stand der Kommunikationstechnik direkt erleben

Einleitung und SDR-Grundlagen

  • Software-defined Radio (SDR) ist eine digitale Funktechnik, bei der die Signalverarbeitung per Computersoftware statt mit analoger Hardware erfolgt
  • Im Vergleich zu klassischem Analogradio kann SDR einen deutlich breiteren Frequenzbereich erfassen und bietet damit eine vielfältige Experimentierumgebung
  • Ein beliebtes Gerät ist der etwa 30 $ teure RTL-SDR Blog V4 USB-Dongle, der zusammen mit einem Antennen-Kit für viele verschiedene Experimente eingesetzt werden kann
  • Beim Einsatz von SDR kann man mit Software wie SDR++ das Frequenzspektrum erkunden und Signale decodieren
  • Es gibt auch öffentliche SDR-Karten mit Fernzugriff über das Internet, sodass Experimente sogar ohne eigene Hardware möglich sind

Aufbau einer SDR-Umgebung

Hardware vorbereiten

  • Häufig werden Dipol- und Teleskopantennen verwendet, um mit verschiedenen Frequenzeinstellungen zu experimentieren
  • Die zur jeweiligen Frequenz passende Antennenlänge kann grob mit der Formel „72 ÷ (MHz)“ bestimmt und angepasst werden
  • Für bestimmte Szenarien wie Satelliten- oder Flugzeugempfang ist eine separate Antennenkonfiguration nötig

Software nutzen

  • SDR++: ermöglicht eine flüssige Erkundung des Frequenzspektrums und bietet eine moderne Benutzeroberfläche
  • Mit Open-Source-Software wie SDRangel, rtl_433, WSJT-X, fldigi lassen sich verschiedene Funk- und Digitalsignale decodieren und analysieren

Verschiedene SDR-Experimente (wichtige Tagesbeispiele)

Montag

  • FM-Radio (87.5-108 MHz): Empfang verschiedener regionaler Radiosender mit starken Signalen
  • Freenet (149.01-149.11 MHz): Empfang von Nahbereichs-Kommunikationssignalen in Deutschlands frei nutzbarem Open Channel
  • Flughafen-ATIS (je nach Frequenz, AM): Empfang automatischer Wetterdurchsagen mit realen Wetterdaten
  • ADS-B (1090 MHz): Empfang und Analyse von Flugüberwachungssignalen mit einer selbstgebauten Antenne zur Anzeige von Flugzeugpositionen in Echtzeit
  • Analyse der FM-Stereostruktur: visuelle Untersuchung des Stereo-Signalaufbaus von FM-Radio (Piloton, L+R-/L−R-Informationen)
  • RDS & Verkehrsinformationen: Decodierung von Straßenverkehrsdaten über digitale Daten im Radio Data System auf der dreifachen Pilotonfrequenz
  • Amateurfunk (144-146 MHz, FM): Beobachtung von Fernkommunikation über Repeater und verschiedensten Gesprächen im Hobbyfunk
  • Digitalradio (DAB): Empfang rauschfreier digitaler Sendungen inklusive zusätzlicher Coverbilder
  • PMR446 (446.0-446.2 MHz): Mithören von Kurzstrecken-Funksignalen in der Stadt und Erkennen vorhandener Digitalsignale

Dienstag

  • Sensorerkennung im 433-MHz-Band: Empfang verschiedenster Signale im industriellen, wissenschaftlichen und medizinischen ISM-Band, darunter Temperatur-/Feuchtigkeitssensoren und Beacons des öffentlichen Verkehrs
  • AIS-Schiffspositionen: Erfassen von Kennung und Status vieler Schiffe im Hafen und Erstellen einer Schiffsübersicht in Echtzeit
  • GSM (876-959 MHz): Visualisierung von Signaländerungen bei Handygesprächen und abhängig von der Lautstärke

Mittwoch

  • Satellitensignale (137 MHz): Direkter Empfang von Signalen von Satelliten wie NOAA und Beobachtung von Frequenzverschiebungen durch den Doppler-Effekt
  • TETRA (digitales Funksystem): Beobachtung der Spektralstruktur verschlüsselter Kommunikationssignale von Polizei und öffentlichen Einrichtungen
  • Taxifunk und unbekannte Signale: Erkennen anonymer/nicht öffentlicher Kommunikationssignale und Spekulation über einige unbekannte Quellen
  • Tracking von Wetterballons: Empfang echter Radiosonden-Signale und Decodierung von Positions- und Temperaturdaten in Echtzeit
  • Erfahrung beim Ballon-Hunting: Austausch mit der SDR-Community und Wissenserwerb beim realen Verfolgen und Suchen
  • Amateur-Paketfunk (Automatic Packet Reporting System): Automatische Kartenerstellung aus Paketsignalen und Beobachtung eines Kommunikationsnetzes in Echtzeit

Donnerstag

  • Bau einer Longwire-Antenne und Experimente im Niederfrequenzbereich: Deutlich höhere Empfindlichkeit im unteren Frequenzbereich mit einer provisorischen 21,6-m-Antenne
  • Internationale CW-(Morsecode-)Kommunikation: Direktes Decodieren europäischer Rufzeichen im Bereich 10.1-10.13 MHz
  • Maritime Wetterübertragungen (RTTY): Erfolgreiche Decodierung von Kurzwellen-RTTY-Signalen und Empfang von Wettervorhersagen für wichtige Seegebiete
  • FT8 (digitale Funkverbindungen): Empfang kurzer Nachrichten in Echtzeit über das moderne digitale Amateurfunkprotokoll aus aller Welt
  • Elektromagnetische Störungen durch Laptop-Netzteile: Erkennen der Rauschursache im Niederfrequenzempfang und einer einfachen Lösung (Stecker ziehen)
  • Ionosonden- und CODAR-Radar: Einblicke in Signale wissenschaftlicher Systeme zur Ionosphärenforschung und Küstenradarerkennung
  • SSB-Sprachkommunikation: Direkter Empfang weitreichender Amateurfunkgespräche im Niederfrequenzbereich und praktisches Erleben der Modulationsart
  • Nächtlicher AM-Kurzwellenrundfunk: Empfang interkontinentaler Sendungen am Abend, darunter auch weit entfernte chinesische Sender

Freitag

  • CB-Funk (26.965-27.405 MHz): Einblick in den internationalen Bürgerbandfunk von Lkw-Fahrern und anderen trotz hoher Störkulisse
  • International Beacon Project: Diagnose aktueller Funkwellenausbreitungsbedingungen anhand von Kurzwellen-Beacon-Signalen
  • Zeitsignal (RWM, 9996 kHz): Empfang periodischer Signale aus Russland zur Erkundung einfacher Uhrkorrekturen
  • Wetterfax (WEFAX): Echtzeit-Decodierung ausgestrahlter Wetterkartenbilder mit fldigi und Erhalt tatsächlicher Wetterkarten
  • Satellitenbilder (137 MHz): Erfolgreiche Decodierung von in Echtzeit übertragenen Infrarot-Erdaufnahmen von NOAA-Satelliten
  • Beobachtung des Doppler-Effekts: Experiment zur Frequenzverschiebung von Satellitensignalen und Berechnung realer Relativgeschwindigkeiten
  • Nummernsender (5-30 MHz): Mithören verschlüsselter russischer Spionagesendungen und eines berühmten nicht öffentlichen Kommunikationskanals

Samstag

  • Amateur-SSTV (Slow-Scan TV): Echtzeit-Rekonstruktion drahtlos übertragener Bilder (Postkarten) und Einblick in Bildkommunikation zwischen Rundfunk und Amateurfunk
  • The Buzzer (4625 kHz): Empfang eines mysteriösen Signals und Beobachtung einer Frequenzbelegung durch Signale in Sekundenabständen
  • LoRaWAN (868 MHz): Visualisierung der Ausbreitungseigenschaften und Signalstruktur eines stromsparenden Weitbereichsprotokolls für das Internet der Dinge
  • Utility-Meter (Wireless M-Bus): Decodierung von Signalen drahtloser Zähler in der Stadt und Anzeige von Raum-/Heizkörpertemperaturen in Echtzeit
  • Beobachtung des Spektrums von DVB-T/T2-TV-Kanälen: Nur Untersuchung der Spektralstruktur klassischer TV-Signale (keine Bildwiederherstellung möglich)
  • IBIS-Beacons von Autos und Bussen: Echtzeiterkennung und Datenanzeige verschiedenster Signale aus öffentlichem Verkehr und Fahrzeugen, etwa zum Reifendruck
  • Signalverzerrungen durch Batteriestand/Temperaturänderungen: Vermutungen zu den Ursachen ungewöhnlicher Signalphänomene bei verschiedenen Geräten
  • Satelliten-Morse-Beacons (145.860/145.960 MHz): Empfang von Morsecode-Beacons kleiner Satelliten und direktes Decodieren von Satellitennamen und Rufzeichen
  • Pager (POCSAG-Format): Empfang in Deutschland nicht öffentlich zugänglicher verschlüsselter Signale mit sehr knappen Inhalten

Sonntag

  • NFC-Signalerkennung (13.56 MHz): Erkennen des Ein-/Aus-Zustands des NFC-Transceivers eines Smartphones und Beobachtung des charakteristisch starken Signals beim Entsperren
  • Funkkommunikation mit Smartphone und Buch: Mini-Morse-Experimente mit NFC und einem Buch sowie praktische Echtzeit-Visualisierung der Signale
  • Luftfahrt-Navigationsbaken (108.00-117.95 MHz): Decodierung von Winkelmesssignalen bodengestützter Flughafensysteme und Positionsschätzung durch reale Winkelberechnung
  • Versuch mit Signalverarbeitungstools wie GNU Radio: Praktische Anwendung eines Open-Source-Toolsets zur Signalzerlegung/-analyse (niedrige Einstiegshürde, hohe Anforderungen an die Fähigkeiten)

Fazit und Tipps

  • SDR-Experimente sind eine ideale Plattform, um zahllose Funksignale und Realdaten zu sammeln sowie Werkzeuge und Algorithmen zu lernen
  • Schon mit günstiger Hardware und frei verfügbarer Software lassen sich Funkumgebungen, Kommunikationstechniken und Datenflüsse weltweit direkt erkunden
  • Durch vielfältige Erfahrungen kann man ein praxisnahes Gespür für Funkkommunikation, Signalverarbeitung, digitale Modulation und verschiedenste Standards entwickeln
  • Es gibt zwar viele Versuche und Irrtümer, doch durch wiederholtes Experimentieren und den Austausch mit der Community erweitert sich das Wissen kontinuierlich
  • Mit eigener Neugier und Kreativität kann man neue Funksignale und mögliche Anwendungen selbst entdecken

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