- Software-defined Radio (SDR) ist eine Form von Digitalradio, bei der der Computer den Großteil der Signalverarbeitung übernimmt
- Mit SDR sind sehr vielfältige Experimente möglich, etwa FM-Radio hören, Flugzeug-/Schiffs- und Wetterinformationen empfangen oder IoT-(Sensor-)Signale decodieren
- Schon mit einem günstigen USB-Dongle und einem Antennen-Kit lässt sich das Potenzial von SDR leicht selbst ausprobieren
- Durch die Kombination verschiedener Frequenzen und Modulationsarten sowie Open-Source-Software können Nutzer die Welt analoger und digitaler Signale umfassend erkunden
- Beim Beobachten alltagsnaher Kommunikationssignale kann man die Prinzipien des Funkverkehrs und den aktuellen Stand der Kommunikationstechnik direkt erleben
Einleitung und SDR-Grundlagen
- Software-defined Radio (SDR) ist eine digitale Funktechnik, bei der die Signalverarbeitung per Computersoftware statt mit analoger Hardware erfolgt
- Im Vergleich zu klassischem Analogradio kann SDR einen deutlich breiteren Frequenzbereich erfassen und bietet damit eine vielfältige Experimentierumgebung
- Ein beliebtes Gerät ist der etwa 30 $ teure RTL-SDR Blog V4 USB-Dongle, der zusammen mit einem Antennen-Kit für viele verschiedene Experimente eingesetzt werden kann
- Beim Einsatz von SDR kann man mit Software wie SDR++ das Frequenzspektrum erkunden und Signale decodieren
- Es gibt auch öffentliche SDR-Karten mit Fernzugriff über das Internet, sodass Experimente sogar ohne eigene Hardware möglich sind
Aufbau einer SDR-Umgebung
Hardware vorbereiten
- Häufig werden Dipol- und Teleskopantennen verwendet, um mit verschiedenen Frequenzeinstellungen zu experimentieren
- Die zur jeweiligen Frequenz passende Antennenlänge kann grob mit der Formel „72 ÷ (MHz)“ bestimmt und angepasst werden
- Für bestimmte Szenarien wie Satelliten- oder Flugzeugempfang ist eine separate Antennenkonfiguration nötig
Software nutzen
- SDR++: ermöglicht eine flüssige Erkundung des Frequenzspektrums und bietet eine moderne Benutzeroberfläche
- Mit Open-Source-Software wie SDRangel, rtl_433, WSJT-X, fldigi lassen sich verschiedene Funk- und Digitalsignale decodieren und analysieren
Verschiedene SDR-Experimente (wichtige Tagesbeispiele)
Montag
- FM-Radio (87.5-108 MHz): Empfang verschiedener regionaler Radiosender mit starken Signalen
- Freenet (149.01-149.11 MHz): Empfang von Nahbereichs-Kommunikationssignalen in Deutschlands frei nutzbarem Open Channel
- Flughafen-ATIS (je nach Frequenz, AM): Empfang automatischer Wetterdurchsagen mit realen Wetterdaten
- ADS-B (1090 MHz): Empfang und Analyse von Flugüberwachungssignalen mit einer selbstgebauten Antenne zur Anzeige von Flugzeugpositionen in Echtzeit
- Analyse der FM-Stereostruktur: visuelle Untersuchung des Stereo-Signalaufbaus von FM-Radio (Piloton, L+R-/L−R-Informationen)
- RDS & Verkehrsinformationen: Decodierung von Straßenverkehrsdaten über digitale Daten im Radio Data System auf der dreifachen Pilotonfrequenz
- Amateurfunk (144-146 MHz, FM): Beobachtung von Fernkommunikation über Repeater und verschiedensten Gesprächen im Hobbyfunk
- Digitalradio (DAB): Empfang rauschfreier digitaler Sendungen inklusive zusätzlicher Coverbilder
- PMR446 (446.0-446.2 MHz): Mithören von Kurzstrecken-Funksignalen in der Stadt und Erkennen vorhandener Digitalsignale
Dienstag
- Sensorerkennung im 433-MHz-Band: Empfang verschiedenster Signale im industriellen, wissenschaftlichen und medizinischen ISM-Band, darunter Temperatur-/Feuchtigkeitssensoren und Beacons des öffentlichen Verkehrs
- AIS-Schiffspositionen: Erfassen von Kennung und Status vieler Schiffe im Hafen und Erstellen einer Schiffsübersicht in Echtzeit
- GSM (876-959 MHz): Visualisierung von Signaländerungen bei Handygesprächen und abhängig von der Lautstärke
Mittwoch
- Satellitensignale (137 MHz): Direkter Empfang von Signalen von Satelliten wie NOAA und Beobachtung von Frequenzverschiebungen durch den Doppler-Effekt
- TETRA (digitales Funksystem): Beobachtung der Spektralstruktur verschlüsselter Kommunikationssignale von Polizei und öffentlichen Einrichtungen
- Taxifunk und unbekannte Signale: Erkennen anonymer/nicht öffentlicher Kommunikationssignale und Spekulation über einige unbekannte Quellen
- Tracking von Wetterballons: Empfang echter Radiosonden-Signale und Decodierung von Positions- und Temperaturdaten in Echtzeit
- Erfahrung beim Ballon-Hunting: Austausch mit der SDR-Community und Wissenserwerb beim realen Verfolgen und Suchen
- Amateur-Paketfunk (Automatic Packet Reporting System): Automatische Kartenerstellung aus Paketsignalen und Beobachtung eines Kommunikationsnetzes in Echtzeit
Donnerstag
- Bau einer Longwire-Antenne und Experimente im Niederfrequenzbereich: Deutlich höhere Empfindlichkeit im unteren Frequenzbereich mit einer provisorischen 21,6-m-Antenne
- Internationale CW-(Morsecode-)Kommunikation: Direktes Decodieren europäischer Rufzeichen im Bereich 10.1-10.13 MHz
- Maritime Wetterübertragungen (RTTY): Erfolgreiche Decodierung von Kurzwellen-RTTY-Signalen und Empfang von Wettervorhersagen für wichtige Seegebiete
- FT8 (digitale Funkverbindungen): Empfang kurzer Nachrichten in Echtzeit über das moderne digitale Amateurfunkprotokoll aus aller Welt
- Elektromagnetische Störungen durch Laptop-Netzteile: Erkennen der Rauschursache im Niederfrequenzempfang und einer einfachen Lösung (Stecker ziehen)
- Ionosonden- und CODAR-Radar: Einblicke in Signale wissenschaftlicher Systeme zur Ionosphärenforschung und Küstenradarerkennung
- SSB-Sprachkommunikation: Direkter Empfang weitreichender Amateurfunkgespräche im Niederfrequenzbereich und praktisches Erleben der Modulationsart
- Nächtlicher AM-Kurzwellenrundfunk: Empfang interkontinentaler Sendungen am Abend, darunter auch weit entfernte chinesische Sender
Freitag
- CB-Funk (26.965-27.405 MHz): Einblick in den internationalen Bürgerbandfunk von Lkw-Fahrern und anderen trotz hoher Störkulisse
- International Beacon Project: Diagnose aktueller Funkwellenausbreitungsbedingungen anhand von Kurzwellen-Beacon-Signalen
- Zeitsignal (RWM, 9996 kHz): Empfang periodischer Signale aus Russland zur Erkundung einfacher Uhrkorrekturen
- Wetterfax (WEFAX): Echtzeit-Decodierung ausgestrahlter Wetterkartenbilder mit fldigi und Erhalt tatsächlicher Wetterkarten
- Satellitenbilder (137 MHz): Erfolgreiche Decodierung von in Echtzeit übertragenen Infrarot-Erdaufnahmen von NOAA-Satelliten
- Beobachtung des Doppler-Effekts: Experiment zur Frequenzverschiebung von Satellitensignalen und Berechnung realer Relativgeschwindigkeiten
- Nummernsender (5-30 MHz): Mithören verschlüsselter russischer Spionagesendungen und eines berühmten nicht öffentlichen Kommunikationskanals
Samstag
- Amateur-SSTV (Slow-Scan TV): Echtzeit-Rekonstruktion drahtlos übertragener Bilder (Postkarten) und Einblick in Bildkommunikation zwischen Rundfunk und Amateurfunk
- The Buzzer (4625 kHz): Empfang eines mysteriösen Signals und Beobachtung einer Frequenzbelegung durch Signale in Sekundenabständen
- LoRaWAN (868 MHz): Visualisierung der Ausbreitungseigenschaften und Signalstruktur eines stromsparenden Weitbereichsprotokolls für das Internet der Dinge
- Utility-Meter (Wireless M-Bus): Decodierung von Signalen drahtloser Zähler in der Stadt und Anzeige von Raum-/Heizkörpertemperaturen in Echtzeit
- Beobachtung des Spektrums von DVB-T/T2-TV-Kanälen: Nur Untersuchung der Spektralstruktur klassischer TV-Signale (keine Bildwiederherstellung möglich)
- IBIS-Beacons von Autos und Bussen: Echtzeiterkennung und Datenanzeige verschiedenster Signale aus öffentlichem Verkehr und Fahrzeugen, etwa zum Reifendruck
- Signalverzerrungen durch Batteriestand/Temperaturänderungen: Vermutungen zu den Ursachen ungewöhnlicher Signalphänomene bei verschiedenen Geräten
- Satelliten-Morse-Beacons (145.860/145.960 MHz): Empfang von Morsecode-Beacons kleiner Satelliten und direktes Decodieren von Satellitennamen und Rufzeichen
- Pager (POCSAG-Format): Empfang in Deutschland nicht öffentlich zugänglicher verschlüsselter Signale mit sehr knappen Inhalten
Sonntag
- NFC-Signalerkennung (13.56 MHz): Erkennen des Ein-/Aus-Zustands des NFC-Transceivers eines Smartphones und Beobachtung des charakteristisch starken Signals beim Entsperren
- Funkkommunikation mit Smartphone und Buch: Mini-Morse-Experimente mit NFC und einem Buch sowie praktische Echtzeit-Visualisierung der Signale
- Luftfahrt-Navigationsbaken (108.00-117.95 MHz): Decodierung von Winkelmesssignalen bodengestützter Flughafensysteme und Positionsschätzung durch reale Winkelberechnung
- Versuch mit Signalverarbeitungstools wie GNU Radio: Praktische Anwendung eines Open-Source-Toolsets zur Signalzerlegung/-analyse (niedrige Einstiegshürde, hohe Anforderungen an die Fähigkeiten)
Fazit und Tipps
- SDR-Experimente sind eine ideale Plattform, um zahllose Funksignale und Realdaten zu sammeln sowie Werkzeuge und Algorithmen zu lernen
- Schon mit günstiger Hardware und frei verfügbarer Software lassen sich Funkumgebungen, Kommunikationstechniken und Datenflüsse weltweit direkt erkunden
- Durch vielfältige Erfahrungen kann man ein praxisnahes Gespür für Funkkommunikation, Signalverarbeitung, digitale Modulation und verschiedenste Standards entwickeln
- Es gibt zwar viele Versuche und Irrtümer, doch durch wiederholtes Experimentieren und den Austausch mit der Community erweitert sich das Wissen kontinuierlich
- Mit eigener Neugier und Kreativität kann man neue Funksignale und mögliche Anwendungen selbst entdecken
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
rtl_433und RTL-SDR 433-MHz-Sensordaten zu empfangen. Man kann sie etwa per MQTT an Home Assistant senden oder einfach als Text ausgeben. Ich konnte Signale von Sensoren aus der Nachbarschaft und von Reifendrucksensoren vorbeifahrender Fahrzeuge sehen, und es gibt wirklich sehr viele Geräte, die 433 MHz nutzen.rtl_433lässt sich leicht erweitern. GitHub-Linkrtl_433hinzuzufügen, ist auch nicht besonders schwer. Mein Favorit ist der Decoder für Wasserzähler; damit habe ich ein Leck in der Bewässerungsleitung früh erkannt und viel Geld gespart.