11 Punkte von GN⁺ 2025-09-17 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Da sich das Android-Ökosystem zuletzt rasant abschottet, wächst der Bedarf an der Entwicklung Linux-basierter Smartphones als offene Alternative
  • Google hat die Entwicklung einiger AOSP-Komponenten nichtöffentlich gemacht, und große Hersteller entfernen die Bootloader-Unlock-Funktion, wodurch die Freiheit der Nutzer eingeschränkt wird
  • Durch die Play Integrity API wird die App-Installation ohne Anmeldung mit einem Google-Konto eingeschränkt, und selbst die EU-Identitäts-Wallet erzwingt diese Abhängigkeit
  • Die Pflicht zur Verifizierung der echten Identität von Entwicklern betrifft die meisten Geräte und beschleunigt bereits die Schrumpfung des Open-Source-App-Ökosystems, wie die Einstellung von Syncthing Android und die Zurückweisung von NextCloud-Updates zeigen
  • Android konvergiert de facto zu einer geschlossenen Plattform wie Apple, weshalb die Weiterentwicklung eines offenen Linux-Mobile-OS für Wettbewerb und Innovation dringend nötig ist

Einleitung

Die Android-Umgebung bewegt sich in letzter Zeit rapide weg von Offenheit und hin zu mehr Abschottung.

Die Abschottung des Android-Ökosystems

  • Google zeigt die Tendenz, in AOSP (Android Open Source Project) die Entwicklung von immer mehr Kernkomponenten auf nichtöffentliche Prozesse umzustellen
  • Große Hersteller wie Samsung, Xiaomi und OnePlus entfernen auf allen Geräten die Bootloader-Unlock-Funktion, was zu stärkeren Einschränkungen für Nutzer führt
  • Es wird erwartet, dass Google künftig ebenfalls nachzieht

Googles Politik verschärfter Kontrolle

  • Google führt die Play Integrity API zwangsweise ein und empfiehlt Entwicklern, die zugehörigen Funktionen zu implementieren
    • Dadurch wird für die Nutzung von Apps aus dem Google Play Store eine Anmeldung auf OS-Kontoebene für das gesamte System erforderlich
    • Selbst offizielle Apps zur Identitätsprüfung, wie sie von der Europäischen Union (EU) verlangt werden, folgen dieser Vorgabe, was Kontroversen auslöst
    • Auf Github und anderswo hält der Widerstand von Open-Source-Entwicklern an
  • Im Android-System soll zudem eine Pflicht zur Entwicklerverifizierung (verification) eingeführt werden
    • Drittanbieter-OS sind davon nicht direkt betroffen, die meisten Android-Geräte aber sehr wohl
    • Künftig ist es gut möglich, dass viele Open-Source-Entwickler aus Protest gegen Googles Richtlinien die Android-App-Entwicklung ganz aufgeben

Die Krise der Open-Source-Android-App-Entwicklung

  • Tatsächlich hat das Syncthing-Projekt die Entwicklung seiner Android-App wegen der Google-Play-Richtlinien eingestellt
  • Auch Updates der NextCloud-App wurden von Google mehrfach abgelehnt (ohne veröffentlichte Begründung) und erst nach großem Protest wieder zugelassen
  • Google verfolgt inzwischen sogar eine Politik, Software zur Stärkung der Nutzerhoheit, etwa Werbeblocker, als „riskant“ oder „nicht vertrauenswürdig“ einzustufen
  • Es ist zu erwarten, dass diese Reihe von Verifizierungs- und Kontrollmechanismen künftig noch breiter angewendet wird

Warum alternative Betriebssysteme nötig sind

  • Früher gab es einen Plattformwettbewerb zwischen Google und Apple, doch nach jüngsten großen Kartellverfahren, aus denen Google ohne besondere Sanktionen hervorging, ist realer Wettbewerb praktisch verschwunden
  • Google orientiert sich an Apples Methoden der Marktkontrolle und bewegt sich in Richtung Aufgabe der Offenheit von Android
  • Das heutige Android lässt sich kaum noch als „offene Plattform“ bezeichnen und läuft Gefahr, seine frühere Offenheit in absehbarer Zeit vollständig zu verlieren

Fazit: Die Entwicklung von Linux-Smartphones ist dringend

  • Wenn Android faktisch zu einer geschlossenen Plattform konvergiert,
    • wird eine freie Alternativplattform für Entwickler und Nutzer gleichermaßen gebraucht
  • Linux-basierte mobile Betriebssysteme sind noch nicht ausgereift,
    • aber gerade jetzt ist es wichtig, Investitionen und Entwicklungstempo zu erhöhen
  • Gemeint ist nicht einfach ein „sofortiger Umstieg auf Linux“, sondern die Vorbereitung auf die künftige Wettbewerbslage

Kommentar-Zusammenfassung: „Warum sind Linux-Smartphones wichtig?“

Erwartungen an Linux-Alternativen

  • Anekdoteles: Würde, um der Abhängigkeit von Big Tech zu entkommen, selbst Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen und nach dem EOL auf eine Linux-Alternative umsteigen
  • thastings: Stellt Droidian vor (basierend auf Debian + Phosh, mit Nutzung von Android-Treibern über Halium)
    • Die meisten Funktionen einschließlich Kamera funktionieren normal, Android-Apps lassen sich über Waydroid ausführen
    • Empfiehlt Geräte mit Unterstützung für aktuelle SoCs wie das Thinkphone (Motorola, SD8+ Gen1)
    • Auch das Furilabs FLX1 ist eine gute Alternative
  • freebee: Stellt sich als ideales Szenario ein Valve SteamPhone vor — leistungsstarke Hardware + Arch + Unterstützung für Android-Modus-Container

Praktische Grenzen und Frustration

  • Raptor: Das Problem seien nicht Apps oder OS, sondern die Hardwarequalität — selbst grundlegende Telefonfunktionen wie Lautsprecher seien unzureichend
  • hendrik: Erfahrungsbericht zum Pinephone: langsame Hardware und fehlende Kernfunktionen wie Connected Standby und Benachrichtigungen machen eine alltagstaugliche Nutzung fast unmöglich
    • Er hatte seit dem Nokia N900 von 2009 Hoffnung, aber die Fortschritte sind langsam, und vor der Verschärfung von Googles Richtlinien bis 2027 dürfte kaum eine Alternative auftauchen
  • glitching: Linux-Smartphones seien keine Android-Alternative, sondern eher einfach ein „PDA, auf dem Linux läuft“
    • Akku, Flexibilität, Telefonie und Kamera seien allesamt unzureichend
    • Apps seien überwiegend für Desktop-Systeme gedacht und nicht für mobile UX geeignet
    • Auch der Installationsprozess sei kompliziert und fehleranfällig
    • Realistisch gebe es derzeit nichts, was man „ersetzen“ könnte; allenfalls Experimente mit LineageOS/pmOS auf gebrauchten Flaggschiffgeräten seien möglich

Diskussion über Projekte und Ökosystem

  • Ulrich: Es gehe nicht um einen sofortigen Wechsel, sondern darum, dass gerade jetzt eine Beschleunigung der Entwicklung nötig sei
    • PostmarketOS wirke am reifsten, doch es brauche die Zusammenarbeit der gesamten Community
  • Vittelius: Ubuntu Touch und Sailfish seien die kommerziell am besten ausgearbeiteten Alternativen
    • PostmarketOS sei eher „Desktop-Linux auf ein Telefon gesetzt“ und habe Defizite bei der UX
    • UT und Sailfish hingegen seien von Anfang an als mobile Betriebssysteme konzipiert worden und entsprechend ausgereifter
  • eldavi: Es sei sinnlos, Community-Projekte mit dem Kapital großer Unternehmen zu vergleichen; ihre Grenzen müsse man anerkennen
  • hendrik (erneute Erwiderung): Linux habe auf Servern und PCs bereits enorme Erfolge erzielt, deshalb sollte man auch bei Smartphones hohe Erwartungen behalten
  • Zink: Smartphones seien inzwischen nur noch „Kommunikationsgeräte“, die meist lediglich als Ersatz für PC-Apps genutzt würden
    • Ein dockbares Linux-Smartphone könne ideal sein, Chancen lägen aber eher im Business-Markt als in der Massenverbreitung

Zusammenfassung

  • Nutzer teilen die Einschätzung, dass wegen der zunehmenden Abhängigkeit von Big Tech Alternativen nötig sind,
  • zugleich überwiegt ein realistischer Pessimismus, weil Hardwarequalität, essenzielle Apps, Benachrichtigungen/Standby/Akku als Grundfunktionen noch unzureichend sind
  • Genannt werden Droidian, PostmarketOS, Ubuntu Touch und Sailfish; außerdem wird erneut betont, dass Zusammenarbeit der Community und langfristige Investitionen unverzichtbar sind

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