- Die Behauptung „Man muss sich an nichts erinnern“ ist eine alte Illusion
- Digitale Werkzeuge wie Internet, Notiz-Apps und KI behaupten, die Notwendigkeit des Erinnerns überflüssig zu machen, verursachen aber versteckte Kosten für die Denkfähigkeit
- Ohne kritische und analytische Denkfähigkeiten lassen sich Internetsuchergebnisse nicht effektiv nutzen, und der Wissenserwerb bleibt oberflächlich
- Wenn Informationen nur oberflächlich konsumiert werden, ohne tiefes Wissen, schwächt das die kognitive Verarbeitungsfähigkeit des Gehirns
- Methoden wie die Zettelkasten Method und konsequentes Training sind für bedeutsame Wissensarbeit unverzichtbar
Die Illusion digitaler Werkzeuge und des Gedächtnisses
- Die Vorstellung „Man muss sich an nichts erinnern“ ist eine alte Einsicht, die bereits vor Jahrzehnten auftauchte
- Suchmaschinen, ältere Notiz-Apps und KI wiederholen die Behauptung, die Bedeutung des Erinnerns sei verschwunden
- Tatsächlich sind jedoch Grundbildung und Vorwissen über das jeweilige Gebiet unverzichtbar, um die gewünschten Informationen zu finden
Kritisches Denken und die Fähigkeit, das Internet zu nutzen
- In der modernen Gesellschaft gibt es eine starke Tendenz, die notwendigen Denkprozesse zu überspringen und im Internet direkt nur nach Schlussfolgerungen zu suchen
- Diese Tendenz führt zu einer Verringerung von selbstgesteuerten Lerngelegenheiten und Vorwissen und mindert die Fähigkeit, die Qualität von Informationen zu bewerten und sie in tatsächliches Wissen zu verwandeln
- Untersuchungen zufolge fehlt sogenannten Digital Natives die Fähigkeit, im Internet gefundene Informationen kritisch und analytisch zu bewerten
- Um den wahren Wert der Internetsuche zu erschließen, braucht es eine fachbezogene mentale Landkarte
Der Ansatz der Digital Natives und seine Probleme
- Digital Natives beurteilen Informationen oft nur nach oberflächlicher Übereinstimmung, wodurch die Motivation zur kritischen Bewertung nachlässt
- Dieser Ansatz führt zu den folgenden Ergebnissen
- Eine geschwächte emotionale Verbindung zum Material, wodurch Tiefe des Denkens und Vertiefung abnehmen
- Eine oberflächliche Beziehung zu Informationen, ohne dass sich die Gehirnstruktur verändert
- In der Folge wird mit der Zeit das Fundament des Wissens brüchig, je stärker sich Gewohnheiten des oberflächlichen Informationskonsums ansammeln
Die zentrale Voraussetzung von Wissen, Notizen und kritischem Denken
- Echte Wissensbildung muss nicht von KI oder PKM-Tools (Personal Knowledge Management), sondern von der betreffenden Person selbst direkt vollzogen werden
- So kann man etwa ChatGPT einen wöchentlichen Trainingsplan entwerfen lassen, doch ohne Hintergrundwissen lässt sich nicht beurteilen, ob das Ergebnis richtig oder falsch ist
- Ohne tiefes Verständnis wichtiger Konzepte und bei nur oberflächlicher Kenntnis von Begriffen ist es schwer, den tatsächlichen Wert von Informationen zu bewerten
Hintergrundwissen und die interne Verarbeitungsfähigkeit des Gehirns
- Es besteht ein großer Unterschied zwischen bloß oberflächlichen Assoziationen und dem Zustand, bei einem bestimmten Begriff tatsächlich grundlegendes, vielschichtiges Wissen umfassend abrufen zu können
- Der Flaschenhals der Wissensarbeit ist nicht die Menge externer Informationen, sondern die interne Verarbeitungskapazität und der Trainingszustand des individuellen Gehirns
Der Bedarf an den richtigen Werkzeugen und kontinuierlichem Training
- Entgegen der Vorstellung „Man muss sich an nichts erinnern“ ist in Wirklichkeit „Man muss sich an alles erinnern“ die wünschenswerte Richtung
- Nur so werden bedeutsame kognitive Arbeit und wissensbasiertes Denken möglich
- Einfache Werkzeuge (z. B. Spaced Repetition) helfen bei einfachen Aufgaben, fortgeschrittene Werkzeuge (z. B. Zettelkasten Method) bei komplexem Denken
- Tiefgehende Verarbeitung ist letztlich direkt mit dem Training des Gehirns verbunden
- Die Zukunft der Wissensarbeit hängt von einer Haltung ab, die das Training des Geistes nicht aufgibt
Live long and prosper
Sascha
Noch keine Kommentare.