- Google hat vor Kurzem das Net-Zero-Ziel (Klimaneutralität) für 2030 stillschweigend von seiner Nachhaltigkeits-Website entfernt.
- Wegen des massiv steigenden Strombedarfs von AI-Rechenzentren ist das Erreichen dieses Ziels deutlich schwieriger geworden.
- Google erklärt in Berichten und öffentlichen Stellungnahmen weiterhin, dass 2030 Net Zero erreicht werden soll.
- Andere Big-Tech-Unternehmen (Microsoft, Amazon) stellen Net Zero weiterhin als Kernstrategie heraus.
- Branchenexpert:innen betonen die Notwendigkeit realistischerer Emissionsziele und Anpassungen und beobachten genau, wie Unternehmen tatsächlich handeln.
Streit um die Streichung von Googles Net-Zero-Versprechen für 2030
2020: Googles ehrgeizige Erklärung zum Klimaschutz
- 2020 kündigte CEO Sundar Pichai an, Google beginne das „ehrgeizigste Jahrzehnt“ der IT-Branche mit dem Ziel eines „24/7 CO2-freien Betriebs“.
- Damals brachte Pichai einen zukunftsorientierten Anspruch zum Ausdruck: Man wolle beweisen, dass sich die gefährlichsten Folgen des Klimawandels schnell eindämmen lassen.
Das verschwundene Net-Zero-Ziel auf der Website
- Stand Juni 2024 war auf der Startseite von Googles Nachhaltigkeits-Website das Versprechen 'Net Zero bis 2030' prominent platziert.
- Im Juli wurde jedoch die Seitenstruktur geändert; der hervorgehobene Abschnitt zum Net-Zero-Ziel wurde entfernt und blieb nur noch im Anhang von Berichten erhalten.
- Nach Recherchen kanadischer Medien hat Google die entsprechenden Inhalte weitgehend gelöscht, während die bisherige Formulierung auf der speziellen Website für Rechenzentren beibehalten wurde.
- 'Operating Sustainably' wurde in 'Operations' umbenannt, und der Abschnitt zu 'Net Zero Carbon' wurde durch 'Energy' ersetzt.
- Der neue Bericht deutet an, dass der Betrieb der AI-Infrastruktur so viel Energie benötigt, dass das Erreichen des Net-Zero-Ziels „praktisch nahezu unmöglich“ sei.
Rasant steigender Strombedarf durch AI und Rechenzentren
- Big-Tech-Unternehmen liefern sich einen Wettlauf um den Bau der nächsten Generation leistungsstarker Rechenzentren, um auf den AI-Boom zu reagieren.
- Der jährliche Stromverbrauch von Googles Rechenzentren stieg 2024 gegenüber dem Vorjahr um 26 % auf 32,2 Terawattstunden – ein Niveau vergleichbar mit dem Gesamtverbrauch Irlands.
- Jede einzelne Nachricht an das AI-Modell Gemini verbraucht 0,24 Wattstunden Energie.
- Laut einem Bericht von McKinsey & Co soll die globale Nachfrage nach Rechenzentren bis 2030 um das 3,5-Fache wachsen; allein die damit verbundenen Investitionen könnten 5,2 Billionen US-Dollar erreichen.
- Auch der Anteil von Rechenzentren am gesamten Strombedarf der USA könnte von rund 5 % auf bis zu 12 % steigen.
Big Techs Rückzug bei Net Zero und externer Druck
- Google war unter den Big-Tech-Konzernen das erste Unternehmen mit einem Net-Zero-Ziel; mit der jetzigen Streichung wird es aber auch zum ersten Beispiel dafür, dieses Ziel in den Hintergrund zu rücken.
- Konkurrenten wie Microsoft und Amazon betonen Net Zero weiterhin als zentralen Strategiebereich.
- Sorgen über Stromknappheit, der Kurs einer neuen Regierung (Trumps Rückkehr ins Amt) mit Deregulierung bei Umweltpolitik sowie kritische öffentliche Stimmen gegen nachhaltigkeitsorientiertes Management verstärken den Druck zusätzlich.
Googles Kurs und die realistische Anpassung seiner Nachhaltigkeitspolitik
- Ein Google-Sprecher erklärte nach außen, die energiebedingten Emissionen der Rechenzentren seien 2024 um 12 % gesunken, was auf die Einführung sauberer Energie zurückzuführen sei.
- Im Umweltbericht 2025 wird eingeräumt, dass Net Zero weiterhin eine "komplexe und schwieriger gewordene Herausforderung" sei.
- Net Zero wurde inzwischen vom Haupttext in einen Anhang des Berichts zurückgestuft.
- Google baut seine Verträge zur Nutzung verschiedener erneuerbarer Energien wie Wasserkraft, Offshore-Wind und Geothermie weiter aus.
Branchenexpert:innen und Trends
- Einige Expert:innen weisen darauf hin, dass die steigende, AI-getriebene Stromnachfrage die bisherigen ehrgeizigen Ziele zur Emissionssenkung an ihre Grenzen bringt.
- Investitionsverantwortliche Ruth Porat erwähnte sogar die Einführung traditioneller Energiequellen, etwa „vollständig saubere Kohle“.
- Tatsächlich reagiert Google jedoch weiterhin mit dem Abschluss verschiedener PPA-Verträge (Power Purchase Agreements) für erneuerbare Energien.
- John Lang, Mitgründer von Net Zero Tracker, analysiert die aktuelle Lage als eine Art „Rückzugsphase bei Net Zero“, insgesamt würden Unternehmen ihre Ziele jedoch realistischer neu festlegen.
- Eine UN-Expertengruppe weist darauf hin, dass unrealistische Zusagen zur Reduktion von Treibhausgasen insgesamt zu einem Verlust an Glaubwürdigkeit führen.
Fazit
- Die Streichung von Googles Net-Zero-Ziel für 2030 ist ein wichtiger Wendepunkt in der Strom- und Klimastrategie von Big Tech.
- Konkrete Maßnahmen zur Emissionssenkung laufen weiterhin, etwa über höhere Investitionen und die Umsetzung von Projekten.
- Expert:innen betonen, dass die „wirksamste Antwort auf den Klimawandel eine schnelle, tatsächliche Reduktion“ sei.
- Die aktuelle Anpassung des Net-Zero-Ziels könnte sich als Signal für eine Neugewichtung von Prioritäten in der gesamten Branche erweisen.
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