21 Punkte von GN⁺ 2025-09-04 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Jüngste Datenprüfungen zu Behauptungen über Produktivitätssteigerungen durch AI-Coding-Tools zeigen, dass weder Geschwindigkeit noch Output tatsächlich spürbar zunehmen
  • Laut einer METR-Studie glaubten Entwickler, dass AI-Coding-Tools ihre Produktivität um 20 % steigern würden, tatsächlich sank sie jedoch um 19 %
  • Zahlreiche Werbeaussagen sowie überzogene Behauptungen von Unternehmen und Entwicklern über eine 10-fache Produktivität spiegeln sich weder in der Marktrealität noch bei neuen Software-Releases wider
  • Phänomene wie ein starker Anstieg von Shovelware (in Massen produzierte Apps, minderwertige Software) sind nicht zu beobachten; sichtbare Veränderungen bleiben aus
  • Übertreibungen bei der Produktivität durch Unternehmen wie GitHub, Copilot, Cursor, Google und OpenAI sowie durch einige Entwickler werden für Investitionen, Umstrukturierungen und Gehaltsfestsetzungen missbraucht
  • Zentrales Fazit: „Solange nicht tatsächlich mehr Software entsteht, ist die Behauptung, AI Coding mache Entwickler 10-mal produktiver, eine Fiktion“. Entwickler sollten sich daher nicht unter Druck setzen lassen, sondern mit Daten argumentieren

Einleitung: Softwareentwickler sind wütend auf AI Coding

  • Als langjähriger Softwareentwickler verbindet der Autor mit dem Programmieren Stolz und Identität
  • Bei der frühen Einführung von AI-basierten Coding-Tools war die Erwartungshaltung hoch, doch neuere Forschungsergebnisse (METR) haben Skepsis geweckt
    • Der Autor selbst dachte, AI Coding mache ihn etwa 25 % schneller, doch die METR-Studie kam stattdessen auf 19 % Verlangsamung
  • Die Studie zeigt, dass die von Entwicklern subjektiv empfundene Effizienz von AI-Tools dem gemessenen Ergebnis genau entgegengesetzt ist
  • Auch eigene Experimente vermittelten den Eindruck, dass der Einsatz von AI keinen positiven Einfluss auf die tatsächliche Programmierzeit hat

Eigene Überprüfung: Zufallsvergleich mit und ohne AI

  • Es wurde eine Methode genutzt, bei der pro Arbeitseinheit die Zeitdifferenz (Delta) zwischen Aufgaben mit und ohne AI-Einsatz gemessen wurde
  • Die in einem sechswöchigen Experiment gewonnenen Daten zeigten keinen statistisch signifikanten Unterschied
  • Trotz kleiner Stichprobe zeigte sich sogar die Tendenz, dass der Einsatz von AI tatsächlich 21 % langsamer machte (derselbe Wert wie in der METR-Studie)
  • Gäbe es wirklich einen 2-fachen oder 10-fachen Effekt, hätte sich das in den Daten klar zeigen müssen
  • Der aktuelle Traum vom AI Coding erfüllt sich nicht; in der Praxis ist keine Veränderung zu sehen

Erwartung und Realität: Warum es keine Shovelware-Explosion gibt

  • Wenn die Produktivitätsrevolution durch AI Coding real wäre, müssten Apps, Services und Spiele aller Art explosionsartig zunehmen
  • Die Marketingbotschaften zahlreicher AI-Coding-Tools (etwa „Built to make you extraordinarily productive“) sind allgegenwärtig
  • Auch Google, OpenAI und GitHub Copilot behaupten 25 % mehr Geschwindigkeit oder eine 10-fache Produktivität für Entwickler
  • Doch in den realen Daten zu neuen Software-Releases (GH Archive, BigQuery usw.) gibt es weder steiles Wachstum noch explosionsartige Zunahmen
  • Trotz der breiten Verfügbarkeit von AI Coding seit 2022 zeigen die weltweiten Zahlen zu neuen Releases und Projekten keine großen Veränderungen

Marktauswirkungen und die Realität der Entwickler

  • Es zeigen sich bereits gesellschaftliche Folgen innerhalb der Branche, etwa AI-First-Strategien, FOMO, Massenentlassungen und sinkende Entwicklergehälter
  • In der realen Entwicklungsarbeit liefern AI-Tools keine Produktivitätsrevolution
  • Auch Lernkurven oder größere Tool-Erfahrung erklären keinen absoluten Produktivitätsunterschied

Fazit: Nüchterne, datenbasierte Urteile sind nötig

  • Entscheidend ist, dass sich bislang keine Veränderung bei der Menge neu ausgelieferter Software in den Daten erkennen lässt
  • Für die Behauptung, AI mache aus Entwicklern 10x-Coder, gibt es keine Belege
  • Entwickler sollten dem Druck nicht nachgeben und ihre Tool-Auswahl auf Basis selbst überprüfter Daten treffen

Erwiderungen auf häufige Gegenargumente

  1. „Wenn man Prompting richtig beherrscht, wird man zum 10x-Entwickler“

    • Wenn tatsächlich Menschen eine 10-fache Produktivität erreicht hätten, müsste sich die weltweite Produktion neuer Software mehr als verdoppelt haben
    • Wichtiger als Behauptungen sind objektive Ergebnisse (Apps, Projekte usw.) als Beleg
  2. „Es ist noch früh, das braucht Zeit“

    • Es wurden bereits Milliarden investiert, und die Tools sind in der Praxis längst im Einsatz
    • Die heutigen Entscheidungen beeinflussen das Leben realer Menschen direkt
  3. „Wer jetzt nicht einsteigt, fällt zurück“

    • Selbst in GitHub-Copilot-Daten ist der tatsächliche Produktivitätszuwachs durch steigende Routine äußerst gering (29 % → 34 % Akzeptanzrate)
  4. „Die Qualität ist besser geworden, nur die Menge bleibt gleich“

    • Die Gesamtqualität in der Branche ist eher zurückgegangen, und es wird auch weniger getestet
    • Wäre es wirklich ein Tool für 10x-Coder, müsste eine Flut von Shovelware längst Realität sein
  5. „Alles dreht sich um Websites, und Domainnamen interessieren heute kaum noch. Subdomains bei Anbietern wie Vercel sind alles“

    • Es gibt weiterhin viele Nutzer, die eigene Domains bevorzugen
  6. „Der Boom bei .ai-Domains (47 % in diesem Jahr) zeigt doch reales Wachstum“

    • Der Anstieg neuer Domains ist nur auf Pivots von AI-Startups zurückzuführen, nicht auf eine Explosion der Gesamtzahl neuer Domains
    • Die Gesamtzahl aller Domains zeigt das nicht
  7. „Die Essenz von Entwicklung liegt in Arbeit jenseits des Codes“

    • In Umgebungen von Einzelentwicklern oder kleinen Teams statt großer Konzerne steht Code tatsächlich im Mittelpunkt
    • Trotzdem gibt es weiterhin keinen auffälligen Anstieg neuer Projekte, die kleinere Coding-Bedürfnisse befriedigen

Schluss

  • Entwickler veröffentlichen in der Praxis nicht mehr als zuvor
  • Die Behauptung, AI Coding liefere eine 10-fache Produktivität, lässt sich mit Daten widerlegen
  • Statt sich von FOMO und Marketing-Narrativen der Branche treiben zu lassen, sollte man anhand realer Ergebnisse bewerten
  • Botschaft des Autors: „Wenn du Druck spürst, zeig Daten und Diagramme. Verlange Belege für Behauptungen über 10-fache Produktivität.

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