1 Punkte von GN⁺ 2025-09-01 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Erläuterung eines Versuchs, die Redestilistik des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump namens "the weave" als Git-Graph zu visualisieren
  • "the weave" zeichnet sich durch verschiedene Themenwechsel und wiederholte Verknüpfungen aus; die Erzählung verzweigt sich in mehrere Richtungen und kreuzt sich dabei immer wieder
  • Der Autor nutzt das GitGraph-Tool von Mermaid.js, um die Gesamtstruktur der Aussagen technisch zu dokumentieren und zu visualisieren
  • In zentralen Passagen wird die Struktur aus wiederholten Bezügen auf frühere Themen und parallel laufenden Narrativen mit Git-Begriffen wie "cherry-pick", "branch" und "merge" modelliert
  • Die Analyse zeigt, dass Trumps Reden weniger aus logischer Verknüpfung als aus einer fragmentierten Aneinanderreihung zahlreicher Themen bestehen

Überblick

Dieser Artikel analysiert die Redestilistik des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, bekannt als "the weave", und beschreibt den Prozess, sie mit einem Git-Diagramm zu visualisieren. "The weave" bezeichnet eine Methode, bei der während einer Rede schnell zwischen mehreren Themen gewechselt wird, während bereits erwähnte Formulierungen erneut aufgegriffen oder kombiniert werden, sodass scheinbar unzusammenhängende Gedankengänge dramatisch zu einem Ganzen verflochten wirken.

Was ist „the weave“?

  • Trump beschreibt sich selbst als besonders fähig darin, frei zwischen mehreren Themen zu wechseln und am Ende doch alles zu einer einzigen Erzählung zu verbinden
  • Manche nehmen diese Methode als zerstreuten oder improvisierten Gedankenstrom wahr
  • Tatsächlich wechseln seine Reden oft zu Themen, die mit dem eigentlichen Gegenstand nichts zu tun haben, oder greifen frühere Aussagen erneut auf, um die Erzählung fortzuführen
  • Dieses sprachliche „Weaving“, also eine Art Zusammenflechten, wirkt auf das Publikum komplex und oft schwer einzuordnen

Analyse- und Visualisierungstools

  • Um diese strukturellen Merkmale technisch zu analysieren, zerlegt und rekonstruiert der Autor das Transkript der Rede als Git-artiges Diagramm in Bestandteile wie Branches und Merges
  • Verwendet wurde das GitGraph-Diagrammtool von Mermaid.js; wegen dessen Einschränkungen wurde jedoch eigens eine <git-graph>-Web-Component erstellt
  • Einzelne Aussagen werden als Branches dargestellt, Themenwechsel und wiederholte Verweise zwischen Themen als Merges und Cherry-Picks

Beispielhafte Diagrammstruktur

  • Auf Basis eines tatsächlichen Codebeispiels wird ein Verlauf beschrieben, der sich in etwa zehn zentrale Themen/Branches einer Trump-Rede aufteilt
    • Zölle(tarrifs), radikale Linke(radical-left), Aktienmarkt(stock-market), weltweiter Respekt(world-respect), Bitte um Bestätigung(ask-jd), FIFA-Event(fifa-event), Umbau des Kennedy Centers(kennedy-center-remodel), Umbau des Oval Office(oval-office-remodel), Gemäldetresor(painting-vault), Eigenlob(self-congratulations) usw.
  • Im Verlauf der Rede tauchen häufig Rückkehr zu früheren Themen, doppelte Verweise und bestärkende Übergänge auf, die im Diagrammcode systematisch mit Branches, Merges und Cherry-Picks strukturiert werden

Fazit und Implikationen

  • Selbst in einer kurzen Rede von etwa vier Minuten laufen mehr als zehn unabhängige Themenstränge (Branches) gleichzeitig
  • Durch die Übertragung von Trumps Redestruktur in ein Git-Diagramm wird sichtbar, wie von einem Thema zum nächsten gesprungen und frühere Inhalte parallel verknüpft werden — also eine Wiederholung bloß erzwungener Verbindungen ohne substanziellen Gehalt
  • Die Analyse legt nahe, dass Zuhörer einer oberflächlich dramatisch wirkenden Redelogik nicht vorschnell vertrauen sollten, sondern einen technisch geschärften Blick darauf entwickeln sollten, wie Inhalte tatsächlich verzweigt, zusammengeführt und vermittelt werden

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-09-01
Hacker-News-Kommentare
  • Ich kenne jemanden, der wie ein „umgekehrter Baum“ spricht: Zuerst redet er über verschiedene themenbezogene Dinge, ohne das eigentliche Thema überhaupt zu nennen, und erst ganz am Ende verrät er endlich, worum es geht. Manchmal nennt er das Thema aber bis zum Schluss nicht, sodass man am Ende überhaupt nicht weiß, worüber eigentlich gesprochen wurde. Erst wenn alle Erzählzweige zusammenlaufen, wird der gesamte Kontext klar.

    • Wenn auf diese Weise alles an einem Punkt zusammenkommt und zu einer Schlussfolgerung führt, fühlt sich das wirklich elektrisierend an. Besonders in der Komödie ist so eine Struktur großartig. Wer das zugrunde liegende Konzept nachschlagen will, kann sich den Link zu Callback in der Komödie ansehen.
    • Ich hatte auch einmal einen Professor, der extrem viel Mathematik behandelte. Er leitete einfach seitenlang Formeln an der Tafel her und erklärte erst am Ende, warum diese Formel überhaupt hergeleitet wurde. Manchmal dauerte es 20 Minuten bis zur eigentlichen Pointe. Deshalb gewöhnte ich mir an, vor der Vorlesung die Abschnitte in seinem Buch rückwärts zu lesen. Dadurch wurde das Ziel der Formeln viel klarer und sie waren leichter zu verstehen. Der Professor war mathematisch brillant, hatte aber deutliche Probleme beim Unterrichten. Er war sogar stolz darauf, dass viele Studierende durchfielen, und erklärte das mit ihrer „Faulheit“. Als ich mit Freunden den Stoff zusammenfasste, einfacher formulierte und die Antworten knapp aufbereitete, verdächtigte er uns des Schummelns, weil unsere Noten nicht mehr in die Normalverteilung passten. Das hat mir sehr deutlich gezeigt, dass Intelligenz, Eloquenz und Vermittlungsfähigkeit völlig verschiedene Dinge sind.
    • Diese Geschichte erinnert mich an einen Beitrag, den ich früher auf HN gesehen habe. Manche Menschen wirken im Gespräch, als würden ihre Aussagen überhaupt nicht zusammenhängen, kommunizieren untereinander aber offenbar sehr konsistent. Das erinnert mich an ein YouTube-Video, in dem zwei Filmfiguren sprechen, als würden sie Federball mit Wörtern spielen. Siehe dieses YouTube-Video.
    • Meine Schwiegermutter ist eine Meisterin der „Weave“-Konversation. Wenn man sie besucht, schüttet sie alle Gerüchte und „wichtigen Ereignisse“ auf einmal auf unterhaltsame Weise aus. An jedem einzelnen Wort hängen dann wieder unzählige weitere Geschichten. Sie spricht dabei auch Dialekt und setzt voraus, dass man die Familienstruktur meines Schwiegervaters gut kennt, daher ist ihr nur schwer zu folgen. Später überlegte ich schon, ob ich die Verzweigungen einmal aufzeichnen sollte, aber wie sich herausstellte, konnte selbst meine Frau nicht vollständig folgen. Am Ende hören einfach alle nur zu, führen kaum ein tatsächliches Gespräch, und trotzdem scheinen alle zufrieden zu sein.
    • Ich spreche manchmal auch auf diese Art, ohne genau zu wissen warum. Um eine Geschichte anzufangen, brauche ich für mich selbst einen Grund, deshalb erkläre ich auch den Hintergrund mit. Bei Witzen oder unterhaltsamen Geschichten kommt das manchmal gut an, aber in einer Zeit, in der alle nur noch kurze Aufmerksamkeitsspannen haben, wirkt es wohl schnell zu anstrengend. Letztlich ist es für den Sprechenden mühsam, und für die Zuhörenden noch viel mehr.
  • Meiner Meinung nach wäre das Diagramm leichter verständlich, wenn neben dem Label „New Topic“ auch der Name des Zweigs bzw. Themas angezeigt würde. Ich musste es anfangs von unten nach oben lesen, um überhaupt zu begreifen, was dort passiert.

    • Einen beliebigen menschlichen Dialog als Graphen darzustellen, ist wirklich nicht einfach. Bei Gesprächen, die absichtlich Bedeutung verschleiern, ist es noch schwieriger. Natürlich konstruieren Menschen am Ende doch irgendeine Logik. In manchen Ländern gilt logische Kommunikation sogar als so wichtig, dass sie in der Schule unterrichtet wird. Aber für die Analyse von Bedeutung ist ein Versionsverwaltungssystem wie git ungeeignet, weil git ein chronologischer Graph ist und auf Codeänderungen spezialisiert ist. Für solche Analysen braucht man Werkzeuge wie Python NLP und spacy. Selbst die stoßen stark an Grenzen. Wäre es ein Compiler, würde unlogische Nichtlinearität oder fehlerhafte Grammatik sofort zum Abbruch führen. In Business-Präsentationen sind Struktur und Fakten unverzichtbar, aber Theorieunterricht, öffentliche Reden, Komödie, Theater oder propagandistische Aussagen funktionieren ganz anders. Die im Artikel zitierte Formulierung „repetitive Muster aus fragmentierten Sätzen wie in einer Lösegeldforderung, zusammengesetzt aus den besten Wörtern“ ist wirklich eindrucksvoll.
  • Das ist wirklich interessant. Ich würde das gern auf noch mehr Beispiele angewendet sehen, etwa auf die Einführung einer Kabinettssitzung oder auf Fragerunden mit Journalist:innen. Man könnte das auch mit Wahlkampfauftritten oder improvisierten Reden vergleichen.

    • Das Zitat „Vier Minuten lang so etwas anzuhören, könnte ich gerade noch ertragen“ fand ich lustig. Ich glaube, wenn der Autor noch mehr von Trumps Sprachmustern hören müsste, würde sich das wie Folter anfühlen. Ich halte schon eine Minute kaum aus.
  • Auf iOS mobil (iOS 26 Beta) wird das Diagramm nicht korrekt gerendert, siehe Screenshot.

    • Auch in Firefox wird es nicht korrekt gerendert, siehe Bild.
    • Das bringt mich auf die Idee, dass Bildfreigabe-URLs einen Schutz gegen Indexierung haben sollten. Interessant.
    • Mobile Bildschirme sind von Haus aus einfach zu schmal.
  • Im mermaid.js-Editor wird ein Top-to-Bottom-Modus unterstützt. Ich bin mir nicht sicher, ob das auch in der Bibliothek unterstützt wird. Siehe die zugehörige Dokumentation.

  • Wenn zahllose Geschäftsleute auf Fragen mit endlosem Word Salad antworten, könnte diese Methode sehr nützlich sein.

  • Das erinnert mich an ein Flash-Spiel oder Kunstwerk im Stil von Jared Tarbell. Dort wurde Text als Wirbel im 3D-Raum dargestellt, der Verzweigungen bildete und einen wieder nach oben zurückspringen ließ. Aber selbst das konnte diese Art von „Weave“-Struktur nicht vollständig abbilden. Vielleicht war das sogar ganz gut so.

  • Ich denke, man sollte Veränderungen über die Zeit hinweg beobachten. Wenn man improvisiertes, unbearbeitet aufgenommenes Material von mindestens vor 10 Jahren sammelt und auf dieselbe Weise analysiert und dann die Kennzahlen vergleicht, wäre das sehr interessant.

  • Ich wünschte, diese Analysemethode würde auch einmal auf Jordan Patterson angewendet. Die Verzweigungsstruktur seiner Gespräche ist wirklich so schwer zu erfassen, dass man sie fast in einer git-Baumansicht visualisieren müsste.

    • Ich frage mich, ob git auch rekursive Strukturen verarbeiten kann.
  • Ich würde mir wünschen, dass mehr auf Browser-Tests geachtet wird. Wenigstens eine kurze Hinweismeldung wäre gut. Von Dave hätte ich ein gewisses Maß an Sorgfalt erwartet, aber in Firefox funktioniert es nicht richtig und in Safari sieht es nur wie eine normale Liste aus. Wenn es nur für den Eigengebrauch wäre, könnte ich das verstehen, aber wenn es im Web veröffentlicht wird, wäre zumindest ein kurzer Hinweis angebracht.

    • Bei mir in Firefox funktioniert es perfekt.