1 Punkte von GN⁺ 2025-09-01 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Der Autor nutzt das E-Ink-Smartphone Minimal Phone testweise und vergleicht es mit dem bisherigen Kobo-Reader.
  • Das Gerät ist mit einem schwarz-weißen E-Ink-Display auf Android-Basis und einer physischen Tastatur ausgestattet, auf das Leseerlebnis optimiert und punktet bei Lesbarkeit und Batterieeffizienz.
  • Lesen sowie Blog-/RSS-Lektüre sind hervorragend, zugleich gibt es aber verschiedene unfertige Elemente und Unannehmlichkeiten wie Kamerabildqualität, Benachrichtigungsverhalten und Hardware-Bugs.
  • Da es von einem kleinen Team entwickelt wurde, erfolgen Software-Updates und Bugfixes nur langsam, sodass Nutzer Geduld und Anpassungsfähigkeit brauchen.
  • Trotzdem ist der Autor als Zweit-Smartphone sehr zufrieden und erlebt, dass ein Handy nicht zwingend alles können muss.

Hintergrund und Motivation

  • Der Autor nutzt seit Langem einen Kobo-E-Book-Reader, der ihm sehr dabei geholfen hat, wieder mehr zu lesen und dabei mobil zu bleiben.
  • Es gab jedoch Einschränkungen, etwa bei der Unterstützung von Bibliotheksbüchern, unbequemer Pocket-Integration und der Einstellung des Pocket-Dienstes durch Mozilla.
  • Das Minimal Phone ist ein E-Ink-Display-Smartphone, das mit SIM-Karte genutzt werden kann, und weckte Interesse nicht nur als Reader, sondern als Alltagsgerät zum Lesen.
  • Weil es gut zu einem Lebensstil passt, in dem selten Videos geschaut oder Fotos gemacht werden, kaufte der Autor es und begann einen experimentellen Einsatz.

So funktioniert das Minimal Phone

  • Es ist ungefähr so groß wie ein Pixel 8, wobei die physische Tastatur das untere Drittel einnimmt und die oberen zwei Drittel aus dem E-Ink-Bildschirm bestehen.
  • Es basiert auf Android, bietet eine schwarz-weiße Benutzeroberfläche und verfügt über eigene Tasten für Bildschirmaktualisierung sowie Licht- und Farbtemperatureinstellung.
  • Es gibt Modi zur Anpassung der Refresh-Geschwindigkeit.
    • Langsamer Modus: hochwertiges Graustufenbild, häufiges Bildschirmflackern
    • Schneller Modus: einfaches Schwarz-Weiß, weniger Flackern, aber Ghosting-Effekte
    • Hybridmodus: im Bewegen schneller Modus, im Stillstand Rendering in hoher Qualität
  • Die physische Tastatur erhöht die Eingabegenauigkeit und ist vorteilhaft, wenn man die Autokorrektur deaktivieren möchte.

Vorteile

  • Optimiertes Leseerlebnis: weniger Augenbelastung und auch bei Sonnenlicht gut lesbar
  • Über Bibliotheks-Apps und RSS-Reader lassen sich Inhalte bequem konsumieren
  • Batterieeffizienz: im Schnitt mehr als zwei Tage nutzbar
  • Dank physischer Tastatur weniger Tippfehler und gut für die Eingabe entwicklungsbezogener Texte
  • Die Kamerqualität ist durchschnittlich, aber für das Teilen von Alltagsmomenten ausreichend
  • Die Fingerabdruckerkennung ist recht schnell

Probleme und Unannehmlichkeiten

  • Da es von einem kleinen Team gebaut wird, gibt es Bugs und eine raue Ausarbeitung
  • Double-Tap-to-Wake lässt sich nicht deaktivieren; um Fehlbedienungen in der Tasche zu vermeiden, muss das Gerät verkehrt herum eingesteckt werden
  • Die Standardkamera verschlechtert die Bildqualität durch übermäßige Rauschunterdrückung → mit der Open Camera App lässt sich das verbessern
  • Die Duraspeed-Funktion beschränkt Hintergrund-Apps zu stark → wirkt sich auf Benachrichtigungen und Audiowiedergabe aus
  • Im Hybridmodus gibt es Probleme mit animierter Werbung und der Lesbarkeit von Karten-Apps

Wichtige Bugs

  • Gelegentlich geht die Fingerabdruckerkennung verloren, sodass die PIN erneut eingegeben werden muss
  • Im langsamen Refresh-Modus kommt es bei schnellem Tippen zu verschluckten Tastenanschlägen
  • Wegen eines Google-Maps-Kontrastproblems sind in bestimmten Modi Straßen nicht sichtbar
  • Ein Software-Update ist geplant, verzögert sich aber vor der Veröffentlichung

Gewünschte Verbesserungen

  • Benötigt werden Anpassung der Vibrationsstärke, Emoji-Suche und eine Optimierung des Hybridmodus in der Kamera-App
  • Für künftige Updates sind app-spezifische Refresh-Einstellungen, stabilere Fingerabdruckerkennung und eine höhere Refresh-Geschwindigkeit angekündigt

Fazit

  • Nicht perfekt, aber ein geeignetes Gerät für Menschen, die Lesen und eine reizärmere Nutzung möchten
  • Der Autor nutzt das Pixel 8 in bestimmten Situationen (Laufen, Fotografieren, große Events) ergänzend, verwendet im Alltag aber hauptsächlich das Minimal Phone
  • Er erlebt den Wert eines Geräts, das nicht alle Funktionen eines Smartphones perfekt beherrscht, sondern bestimmte Aufgaben besonders gut erfüllt

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-09-01
Hacker-News-Kommentare
  • Jemand spekuliert über die Ursache dafür, dass auf dem iPhone in Ausdrücken wie "city Hall" plötzlich nur ein einzelner Buchstabe großgeschrieben wird. Vermutet wird, dass ein ähnlicher Name im Adressbuch gespeichert ist, etwa Something Hall, und die Autovervollständigung/-korrektur das deshalb als Namen missversteht und das H großschreibt. Da sich diese Funktion offenbar nicht deaktivieren lässt, wurden in solchen Fällen sogar schon Kontaktnamen angepasst, wenn häufig verwendete Wörter mit ihnen kollidierten. Natürlich könnte diese Vermutung auch falsch sein und die Ursache woanders liegen.
  • Der Name meines koreanischen Freundes klingt ähnlich wie die Ebenennummer eines Parkhauses. Wenn ich meinen Parkplatz per Siri oder Spracheingabe speichere, wird er deshalb oft als sein Name erkannt.
  • Ich hatte mit diesem Gerät zwar viele Probleme, habe es aber weiter benutzt, und dadurch hat sich mein Leben deutlich verbessert. Die Nutzung ist viel bewusster geworden. Ich scrolle zwar nachts immer noch kurz, aber viel weniger als früher. Das Telefon ist im Grunde vollwertiges Android, also theoretisch ist alles möglich, aber durch den langsam aktualisierenden Schwarzweißbildschirm und die physische Tastatur ist ehrlich gesagt jede Tätigkeit unangenehm. Wenn eine Push-Benachrichtigung kommt, denke ich nicht mehr sofort ans Nachschauen, sondern eher daran, dass mir das Antworten zu lästig ist. Das Unternehmen kommuniziert extrem schlecht und verpasst ständig Termine. Die Software hat Bugs, aber wie bei den im Artikel erwähnten Problemen mit Autovervollständigung, Bildschirmaktualisierung, Fingerabdruckerkennung usw. ist das Gerät nicht unbenutzbar. Die Hardware ist nicht besonders robust, und Displayschutzfolie und Hülle sind noch immer nicht angekommen. Ich habe es einmal in die Gesäßtasche gesteckt, woraufhin es einen Riss bekam und sich verbog, funktioniert aber trotzdem noch einwandfrei. Seitdem trage ich es in der Vordertasche. Android Auto funktioniert im Auto problemlos, und die meisten Apps, die ich brauche, laufen ebenfalls, etwa Bitwarden, Duo-Authentifizierung, Banking-Apps, Roon und Podcasts. Das ist etwas, was mit anderen "dummen Handys" nicht möglich wäre. Am Ende ist das Telefon selbst so unbequem, dass ich es automatisch immer weniger benutze. Dadurch habe ich mir wirklich einen großen Teil meines Lebens zurückgeholt und würde dafür sogar den zehnfachen Preis zahlen. Abends gab es zeitweise eine kleine Krise, weil ich plötzlich nicht mehr wusste, womit ich meine Zeit sinnvoll füllen sollte, aber inzwischen gelingt der Wechsel zu produktiven Hobbys gut. Wenn man die unverzichtbaren Smartphone-Funktionen wirklich braucht, aber die Bildschirmzeit reduzieren möchte, kann ich es ehrlich und nachdrücklich empfehlen.
    • Es ist erstaunlich, dass wir in einer Zeit leben, in der Menschen ihre Geräte absichtlich unbequemer machen, um ihre Nutzung einzuschränken.
    • Zu dieser Art von absichtlicher Selbstbehinderung wäre ich niemals in der Lage. Mein Gehirn findet immer einen Weg, den Lustgewinn des Scrollens nicht aufzugeben.
    • Man sollte im Kopf behalten, dass das Unternehmen wirklich schlecht kommuniziert und noch nie einen versprochenen Zeitplan eingehalten hat. Ich war einer der ersten tausend Käufer auf Indiegogo und habe das Gerät bis heute nicht erhalten.
    • Ich frage mich, ob man mit diesem Telefon HN im Browser oder per Client nutzen kann und, falls ja, was man in der Praxis eher verwendet.
  • Ich lese sehr gern Erfahrungsberichte darüber, wie Leute neue oder ungewöhnliche Geräte tatsächlich im Alltag nutzen. Allerdings fehlt im Text eine zentrale Information: der Preis des Minimal Phone. 128GB/6GB kosten 399 Dollar, 256GB/8GB 499 Dollar.
    • Ich glaube nicht, dass der Markt für so ein Produkt groß ist, wenn man in einer Welt lebt, in der man ein Telefon und einen E-Reader mit besserer Ausstattung jeweils günstiger kaufen kann. Unter HN-Nutzern gibt es aber vermutlich eine Schnittmenge von Menschen, die solche Geräte spannend finden und es verkraften können, wenn es dann ungenutzt herumliegt.
  • Auf mich wirkte das nicht besonders überzeugend. Insgesamt sah es eher nach einer YouTube-artigen Challenge aus als nach einem lebensverändernden Gerät, und der Autor nimmt bei der Nutzung viele Opfer in Kauf.
    • Es muss in einer bestimmten Orientierung in die Tasche gesteckt werden, damit es nicht fehlbedient wird.
    • Bei schnellem Tippen werden Eingaben verschluckt.
    • Google Maps ist nur bei der niedrigsten Geschwindigkeitsstufe wirklich brauchbar.
    • Die Fingerabdruckerkennung wird oft vergessen, sodass man die PIN eingeben muss, und selbst dabei gehen Eingaben verloren.
      Zwar wird erwähnt, dass es nur zwei Entwickler gibt, aber Sicherheitslücken werden überhaupt nicht angesprochen. Gegenüber einem echten Flaggschiff-Smartphone dürfte es sicherheitstechnisch deutlich schwächer sein, und das sollte man wissen. Insgesamt hätte ich so ein Telefon zwar gern, aber die Nachteile sind so groß, dass sie schwer hinzunehmen sind.
  • Ich habe kürzlich nach einem einfachen Handy gesucht, um mein Telefon weniger zu nutzen. Das Problem war aber, dass meine Bank ein Smartphone verlangt und auch WhatsApp Desktop ein Smartphone braucht. Dieses Smartphone kann keine Videos abspielen, unterstützt aber Drittanbieter-Apps, daher wirkt es für mich als Lesegerät perfekt. Danke fürs Teilen.
    • Stimmt, ich brauche auch 1Password und auf Reisen unbedingt vollständigen Zugriff auf Dokumente und Notizen. Der Kauf eines experimentellen Geräts mit begrenzter Lebensdauer ist nur bedingt geeignet, das Grundproblem zu lösen. Eigentlich wünsche ich mir, dass Mainstream-Geräte weniger reizüberflutend werden.
    • Ich würde vorschlagen, auf dem vorhandenen Telefon einfach alle Benachrichtigungen zu deaktivieren. Im Artikel heißt es ja, "die Vibration ist zu stark". Es wirkt, als wäre der Fehler gewesen, das Gerät zu wechseln, ohne die Benachrichtigungseinstellungen entsprechend anzupassen.
    • Telegram Desktop kann man im Gegensatz zu WhatsApp auch ohne Smartphone verwenden, und heutzutage nutzen die meisten Leute Telegram ohnehin schon, daher ist ein Wechsel in der Praxis sehr leicht.
    • Auch WhatsApp lässt sich inzwischen nach einmaliger Verifizierung auf mehreren Geräten nutzen. Ich habe zu Hause ein eigenes Gerät nur für WhatsApp stehen.
    • Auch WhatsApp Web unterstützt inzwischen die Anmeldung per Telefonnummer und zweitem Bestätigungscode, man braucht also keine Kamera mehr.
  • Mich erinnert das an ein früheres Telefon, das auf der einen Seite einen normalen Bildschirm und auf der anderen E-Ink hatte. Vielleicht sollte jemand einmal versuchen, bei einem Foldable außen E-Ink und innen OLED zu verbauen.
    • Meinst du das YotaPhone? Das ist leider 2019 insolvent gegangen. Ich fand die Marke immer interessant.
  • Für mich ist die Tastatur ein großer Nachteil. Bei einem Gerät, das in erster Linie zum Lesen gedacht ist, nimmt die Tastatur einfach zu viel Bildschirmfläche ein.
    • Ich frage mich, ob es technisch schwierig ist, eine On-Screen-Tastatur zu bauen. Zum Vergleich: Auf dem Kindle ist Tippen sehr langsam und ungenau, auf einem Telefon praktisch unbrauchbar. Es gibt aber auch E-Ink-Reader im Smartphone-Format, daher würde ich Boox Palma als Referenz empfehlen.
    • Ich vermute, das Produkt richtet sich an Leute, die das Blackberry Passport mochten. Davon gibt es erstaunlich viele, die ihm nachtrauern.
    • Für mich ist die physische Tastatur im Gegenteil ein riesiger Vorteil. Ich bevorzuge haptische Tastaturen.
    • Ich nutze einen Kindle Keyboard. Damit kann ich ziemlich schnell tippen, und weil ich den Bildschirm nicht berühren muss, gibt es auch keine Fingerabdrücke. Auf älteren Kindles mit 5-Wege-Taste war Texteingabe wirklich mühsam, aber die Blättertasten waren hervorragend.
  • Je nach Situation wechsle ich zwischen mehreren Geräten: im Bett den Kindle, auf dem MacBook Pro den Calibre-E-Reader oder die PDF-Vorschau, und auf dem Android-Handy meist Moonreader+. Die Anteile sind ungefähr Kindle 10–15 %, MBP 25–35 % und der Rest überwiegend Moonreader. Ich wünsche mir schon lange, dass sich Lesepositionen und Markierungen zwischen diesen drei Plattformen synchronisieren lassen.
    • Ich empfehle Koreader.
  • Beim Lesen dieses Textes ist mir klar geworden, dass ich die Frage, "wie viel ich lese", als Maßstab für meinen Burnout benutzt habe. Das Telefon spricht mich ein wenig an, aber im Allgemeinen lese ich eher auf Papier.
  • Ich bin überrascht, dass dieses Gerät tatsächlich ausgeliefert wurde. Die Werbung wirkte auf mich so überzogen, dass ich es für reine Vaporware gehalten hatte. Falls es das Gerät wirklich gibt, ist das ziemlich cool. Wenn da nicht Zinwa wäre, hätte ich es wahrscheinlich sofort gekauft.