- Ein Jahr Arbeit in einem Großunternehmen machte die deutlichen Unterschiede zu bisherigen Umgebungen in Startups und SMEs spürbar
- Durch die komplexere Zuordnung von Verantwortlichkeiten und interne Prozesse werden Punkte, die in kleinen Organisationen kein Problem waren, zu unlösbaren Aufgaben
- Ressourcenverschwendung und unausgewogene Einstellungsmaßstäbe führen zu Problemen bei Effizienz und Motivation der Organisation
- Wichtige Konzepte innerhalb der Organisation wie Dringlichkeit von Aufgaben und Sicherheitsmanagement werden entgegen ihrer eigentlichen Bedeutung zu formalen, prozeduralen Handlungen
- Trotz der verschiedenen Probleme gibt es auch positive Erfahrungen wie Kompetenzentwicklung und Karrierewachstum
Rückblick auf 1 Jahr Enterprise-Erfahrung
Unterschiede zwischen Großunternehmen und Startup
- Im ersten Jahr bei $ENTERPRISE wurden die Unterschiede zu bisherigen Startups und SMEs (kleinen und mittleren Unternehmen) deutlich.
- Später wurde erkannt, dass mangelnde Erfahrung in der internen Softwareentwicklung großer Unternehmen kein Kritikpunkt, sondern eher ein positives Signal ist.
- Die beobachteten Punkte fassen die Realität des Arbeitsumfelds in Großunternehmen zusammen.
Was in kleinen Firmen kein Problem war, wird im Großunternehmen zu einem großen Problem
- Bei der Behebung von toolbezogenen Fehlern dauert es oft lange, die verantwortliche oder zuständige Person zu finden.
- Durch mangelnden Informationsaustausch innerhalb der Organisation und Wechsel der Zuständigkeiten entstehen Ineffizienz und Ressourcenverschwendung.
- Eine temporäre Lösung ist das Override lokaler Einstellungen, grundlegend handelt es sich jedoch um eine strukturelle Grenze der Organisation.
Irrationale Ressourcenverteilung
- Anders als in kleinen Firmen, in denen oft ohne ausreichendes Budget gearbeitet wird, kommt es in Großunternehmen häufig zu übermäßiger Ressourcenverschwendung.
- Gescheiterte kurzfristige Projekte oder unnötige Cloud-Nutzung führen zu finanzieller Verschwendung.
- Budget- und Ressourcenmanagement, das vom tatsächlichen Bedarf entkoppelt ist, senkt die Motivation bei der Arbeit.
Inkonsistente Kollegschaft und Einstellungsstruktur
- In Startups wahrt leistungsbasierte Einstellung vergleichsweise eher einen konsistenten Maßstab.
- In Großunternehmen sind Einstellung und Restrukturierung unabhängig von tatsächlicher Leistung oft üblich.
- Es kommt vor, dass bestimmte Positionen nichts mit der tatsächlichen Arbeitskompetenz zu tun haben oder Organisationen unabhängig von der Qualität ihrer Berichte fortbestehen.
Wie Dringlichkeit interpretiert wird
- In Startups gab es einen klaren Begriff von Dringlichkeit, während in Großunternehmen eine mehrschichtige Interpretation von Aufgaben notwendig ist.
- Neben echten dringenden Situationen (z. B. Service-Ausfällen) tritt häufig auch formale Dringlichkeit auf.
- In solchen Prozessen ist die Fähigkeit gefragt, die tatsächlichen Prioritäten der Arbeit zu erkennen.
Formalisiertes Sicherheitsmanagement
- Sicherheitsprozesse spielen in Organisationen eine wichtige Rolle, in der Praxis liegt der Fokus jedoch oft auf formaler Berichterstattung statt auf tatsächlichem Risiko.
- Sicherheitsarbeit, deren Bedeutung zugunsten von Zielwerten oder Kennzahlen verblasst, wird zum Alltag.
- Auch die Kommunikation zwischen Engineers und Sicherheitsverantwortlichen ist ineffizient.
- Hervorgehoben wird, dass eine Kultur, in der alle nur auf Zahlen schauen, riskant ist.
Die Bedeutungslosigkeit von Hierarchiestufen
- Doppelte Titel wie "Head of Architecture" sind verbreitet, obwohl die Rollen nicht klar definiert sind.
Eine Organisationskultur, die Unsicherheit als Schwäche betrachtet
- Inmitten großer organisatorischer Umbauten und häufiger Restrukturierungen gilt für Führungskräfte die Aussage „Ich weiß es nicht“ als tabu.
- Trotz der Komplexität der Domäne werden in der Führung vor allem Unmittelbarkeit und Selbstsicherheit priorisiert.
- Dadurch verfestigt sich eine Struktur, in der Fehler der Vergangenheit wiederholt werden.
Siloisierte Engineering-Teams
- Jedes Engineering-Team (oder „Imperium“) hat eigene Standards und eine eigene Kultur.
- Die Hürden zwischen Abteilungen wachsen, und Standardisierung sowie die Verbreitung von Best Practices werden erschwert.
- Die Autonomie der einzelnen Abteilungen wirkt als begrenzender Faktor für die teamübergreifende Zusammenarbeit.
Positive Erfahrungen
- Durch die Teilnahme an der Engineering-Community erweitert sich die Perspektive auf Softwareentwicklung.
- Es gibt neue Formen der Zufriedenheit, etwa durch Karrierewachstum, Mentoring-Möglichkeiten und Erfahrungen im großen Maßstab.
- Vertiefung der Fachlichkeit, Zusammenarbeit mit vielfältigen Kolleginnen und Kollegen sowie Weiterbildung und Kompetenzentwicklung werden aktiv gefördert.
- Auch Stabilität wie regelmäßige Gehaltszahlungen und Jobsicherheit wirkt als Vorteil.
Fazit
- Trotz der kritischen Perspektive ist der positive Wert von Großunternehmen klar erkennbar.
- Es besteht die Absicht, die eigene Sicht nach langer Zeit erneut zu überprüfen.
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