- Ausgehend von Paul Grahams Idee „Do things that don’t scale“ lässt sich dank GPT-gestützter Entwicklungsumgebungen Arbeit heute tatsächlich in sehr kleinem Rahmen abschließen
- Man kann nun einfache Projekte für kleine Gruppen oder Einzelpersonen bauen, ohne sie zwingend zu Wachstum oder einem Business weiterentwickeln zu müssen
- Konkrete Beispiele sind eine Slack-Community, ein Postkarten-Mailer oder eine App für Erinnerungen zu festen Zeiten, die für Einzelpersonen oder kleine Gruppen gebaut wurden und Zufriedenheit sowie Nutzen stiften
- Durch Fortschritte bei AI-Tools ist die Entwicklung kleiner, maßgeschneiderter Software in Bezug auf Kosten und Geschwindigkeit sehr einfach geworden, und die Kleinheit selbst wird zum Ziel
- Man kann sich vom Zwang zur Skalierung lösen, etwas Kleines, Nützliches und genau Passendes für sich selbst bauen und dort bewusst aufhören
Hintergrund: „Do things that don’t scale“ und der Wandel der Zeit
- Vor gut 10 Jahren prägte Paul Graham das Konzept „Do things that don’t scale“
- Die Idee war, anfangs mit kleinen, handgemachten Experimenten und einem persönlichen Ansatz zu starten und dann schrittweise Wege zur Skalierung zu finden
- Durch aktuelle GPT-basierte Tools reicht es heute jedoch oft aus, nur diese „Anfangsarbeit“ zu leisten und dann aufzuhören – manchmal ist das sogar die beste Lösung
- Die Kosten und der Zeitaufwand für den Start eines Projekts sind stark gesunken, und nicht jede Idee muss zu einem Business heranwachsen
- Auch ein Service nur für sich selbst oder für einen kleinen Kreis von Menschen kann einen völlig ausreichenden Zweck erfüllen
Ein Slack, das nicht größer werden darf
- Der Autor betreibt einen Slack-Workspace mit etwa 100 Nutzer:innen
- Tatsächlich aktiv im wöchentlichen Austausch sind nur etwa 15 bis 20 Personen
- Dadurch bleiben Vertrautheit und eine private Atmosphäre erhalten, und tiefere Gespräche sind möglich als auf öffentlichen Plattformen wie Twitter
- Man könnte ihn zwar vergrößern, aber durch Skalierung würde die Atmosphäre schnell kippen und die Nähe verloren gehen
- Selbst 1.000 Mitglieder sind nicht nötig
- Es gäbe immer mehr Menschen, deren Namen man nicht kennt, und wenn unklar ist, wer mithört, wird auch weniger gesprochen
- Es gibt Dinge, die nur im Kleinen möglich sind
PostcardMailer: klein und einfach
- Vor einigen Jahren baute der Autor eine kleine Website namens PostcardMailer, die der Mutter eine Postkarte schickt, wenn er ein Foto auf Instagram hochlädt
- Sie übernahm Foto und Beschreibung und verschickte beides per Post-API an die Mutter
- Durch Änderungen an den Richtlinien der Instagram-API war dieser Ansatz nicht mehr möglich, daher wurde das System auf Foto-Uploads umgestellt
- Ein Freund und einige Nutzer:innen von Orange Site (Hacker News) verwendeten es
- Wegen Spam- und Missbrauchsrisiken wurde die Kontoverwaltung später eingeschränkt
- Mit dem Ende des Heroku-Dienstes wurde der Betrieb der Website eingestellt und schließlich auf einen E-Mail-basierten Service umgestellt
- Heute genügt es, auf dem iPhone ein Foto per E-Mail an
mom@postcardmailer.us zu senden, und die Mutter erhält eine Postkarte
- Privat, ohne Login oder Passwort
- Es gibt zwar viele Postkarten-Websites, aber nur dieser Service funktioniert genau auf die gewünschte Weise
Landline Pill Reminder: eine Erinnerungs-App nur für die Mutter
- Es gab eine Situation, in der die Mutter zu festen Zeiten Medikamente nehmen musste
- Sie besitzt kein Smartphone und lässt meistens sogar ein einfaches Klapphandy ausgeschaltet
- Verlässliche Kontaktwege waren daher nur die Post oder das Festnetztelefon
- Deshalb wurde mit der Twilio API eine kleine App gebaut, die dreimal täglich einen Sprachanruf auslöst
- Eine aufgezeichnete Stimme sagt: „Es ist Zeit, Ihre Medikamente zu nehmen“
- Zehn Minuten später folgt ein weiterer Anruf mit der Bitte um Bestätigung
- Die Entwicklung kostete fast nichts und war in wenigen Tagen abgeschlossen
- Würde man das skalieren, kämen Support für andere, Verantwortung und rechtliche Unsicherheiten hinzu; als Lösung nur für die Mutter ist es am sichersten und effizientesten
Muster (Lehre)
- Einen Bedarf finden, der für einen selbst bedeutungsvoll ist
- Die kleinste und einfachste Lösung bauen
- Den Drang zur Skalierung so weit wie möglich unterdrücken
- Die fertige Lösung genießen
- Früher stand Skalierung im Zentrum, heute kann „Kleinheit“ selbst zum Ziel werden
- Durch Hilfstools wie AI sind Kosten und Aufwand für maßgeschneiderte Software stark gesunken
- Ein Service für eine Person oder eine kleine Zahl von Nutzer:innen kann die beste Option sein
Fazit: der Wert des Kleinen
- Der eigentliche Luxus bzw. Vorteil der heutigen Tools und Rahmenbedingungen ist nicht Geschwindigkeit, Kosten oder AI, sondern die Freiheit, einfach aufhören zu dürfen
- Es reicht völlig, etwas Eigenes zu bauen, das klein, nützlich und genau passend ist, ohne zwanghaft Wachstum anzustreben
- In einer Zeit der Fixierung auf Skalierung wird die stille Zufriedenheit, angemessen zufrieden zu sein und dann aufzuhören, zu einem neuen Wert
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