1 Punkte von GN⁺ 2025-08-11 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • "try and" wird im anglophonen Englischen häufig verwendet und hat eine ähnliche Bedeutung wie "try to".
  • Die Wendung wird bei strenger Grammatik oft als Fehler eingestuft, doch sie ist historisch gesehen seit langer Zeit eine gängige Verwendung in verschiedenen englischsprachigen Varietäten.
  • Die Struktur try and folgt im Unterschied zu regulärer Koordination Regeln, die auf Verbformen beschränkt sind, und besitzt bestimmte grammatische Anforderungen und Beschränkungen.
  • In verschiedenen regionalen Englischen (Britisch, US-, kanadisches und südafrikanisches Englisch) bestehen feine Unterschiede in Form und Gebrauch.
  • Ein Try and-ähnliches Pseudokoordinations-Phänomen wird bei mehreren Verben beobachtet und unterscheidet sich grammatisch von Bewegungsverben wie come/go usw.

Übersicht

Die Konstruktion try and hat in englischen Sätzen eine sehr ähnliche Bedeutung und Verwendung wie "try to". Zum Beispiel folgt auf das Verb try direkt and mit dem Verb im Infinitiv, etwa in "I'm gonna try and change the course of hip hop again". Diese Struktur ist bei genauer grammatischer Prüfung nicht mit normaler Koordination (ordinary coordination) identisch und unterliegt verschiedenen strukturellen Einschränkungen.

Beispiele und Geschichte

  • Try kann mit verschiedenen Strukturen kombiniert werden, etwa mit Nominalphrasen, to-Infinitiven und Gerundien.
    • Zum Beispiel: "I'll try the salad", "I'll try to eat this horrible salad", "I'll try adding vinegar to the salad"
  • Auch try and + Verbgrundform wird häufig verwendet.
    • Zum Beispiel: "I'll try and eat the salad"
  • Die Bedeutung von try and ist nahezu identisch zu "try to", obwohl es in der Normgrammatik als fehlerhaft beschrieben wurde.
  • Die Verwendung ist in britischem Englisch häufiger, tritt aber auch im nordamerikanischen Englisch (USA, Kanada) auf.
  • Der Ursprung von try and lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen; einige Untersuchungen (etwa das Webster’s Dictionary) behaupten, dass try and älter sei als try to. Es gibt zwar Gegenargumente, aber beide Formen haben über lange Zeit koexistiert.

Syntaktische Eigenschaften

1) Unterschied zur regulären Koordination

  • Try and folgt nicht den üblichen Koordinationsregeln (etwa der Coordinate Structure Constraint) und unterscheidet sich daher von standardmäßiger Koordination.

    • Beispiel: Wh-Bewegung ist möglich: "Who did Mary try and talk to?" ist möglich
    • In regulärer Koordination wäre solche Wh-Bewegung nicht möglich.
  • Reihenfolgeänderung ist nicht möglich:

    • "John will wash the bathroom and kill mosquitos" ↔ "John will kill mosquitos and wash the bathroom" sind beide möglich.
    • "John will try and kill mosquitos" ↛ "*John will kill mosquitos and try" ist nicht möglich.
  • Keine Kombination mit "both":

    • Beispiel: "John will try and kill mosquitos" ist möglich.
    • Beispiel: "*John will both try and kill mosquitos" ist nicht möglich.

2) Formenbeschränkung (Bare Form Condition)

  • Try and ist nur möglich, wenn sowohl try als auch das auf and folgende Verb in der Grundform stehen.
    • "I will try and finish the assignment" (O)
    • "*I tried and finished the assignment" (X)
    • "*He tries and finishes an assignment" (X)
  • In manchen Dialekten (z. B. Nordost-Kanada, südafrikanisches Englisch) sind auch flektierte Formen möglich.
    • Nordost-Kanada: "They tries and does that" ist möglich.
    • Südafrika: "Noeleen tries and find answers" ist möglich.

3) Untrennbarkeit

  • Es ist nicht möglich, zwischen try und and ein Adverb oder eine Negation einzufügen.
    • "Try always to tell the truth" (O)
    • "*Try always and tell the truth" (X)
    • "You try not to let it bother you" (O)
    • "*You try not and let it bother you" (X)

4) Keine Ellipse

  • "Sure, I'll try to" ist möglich, aber "Sure, I'll try and" ist nicht möglich.

Ähnliche Pseudokoordination

  • Ähnlich wie bei try and werden bei einigen anderen Verben Konstruktionen beobachtet, in denen statt eines to-Infinitivs ein and direkt mit dem Verb kombiniert wird.

    • Zum Beispiel: "Be sure and visit Harry tomorrow", "Mind and get all right for next Saturday", "Remember and wash your hair"
  • Koordination mit Bewegungsverben (come/go etc.)

    • Zum Beispiel: "Can you come and pick me up from the station?", "I'll go and get the mop"
  • Bei der Pseudokoordination von Bewegungsverben gilt jedoch die Bare Form-Beschränkung von try and nicht.

    • Zum Beispiel: "He came and picked me up" (Vergangenheitsform der Verben ist möglich)
  • Semantisch gibt es ebenfalls einen Unterschied:

    • "Go and" impliziert, dass die Zielhandlung vollzogen wurde, während "go to" nicht dieselbe Implikation enthält.

Hinweise und Literatur

  • Der Beitrag wurde von Matthew Tyler erstellt und 2018 von Katie Martin überarbeitet.
  • Für eine vollständige Literaturliste siehe den Originaltext.

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-08-11
Hacker News Kommentar
  • Am Anfang dachte ich, es wäre ein neuer Syntaxvorschlag von TC39 für JavaScript. Aber diese Seite ist wirklich spannend. Ich habe mir die Seite zum Sprachphänomen „what all“ angesehen, das ich mag, und war überrascht: Es existiert wirklich, und der Abschnitt „Who says this?“ ist dort sogar zu „Who all says this?“ geworden. Link

  • Im Japanischen wird der Ausdruck, mit dem man versucht, einen Verbkomplex X auszuprobieren, als „Xて見る“ formuliert. Normalerweise wird das als „we'll try [X]ing“ übersetzt, aber formal handelt es sich um die Struktur „[Präsensform des Verbs X] + [ein Verb im Sinn von ‚ausprobieren/sehen‘“. Für englische Muttersprachler fühlt es sich wie „we'll see [what happens when] we [X]“ oder „we'll try [X] and see [how it goes]“ an. Kurz gesagt ist er ähnlich dem englischen „we'll try and [X]“.

    • „X-te“ (Xて) ist eher eine Te-Form als eine bloße Gegenwartsform. Die Te-Form hat mehrere Funktionen, und in der Konstruktion „Verbstamm in Te-Form + Verb“ hat das zweite Verb eine besondere Bedeutung, wenn es zu bestimmten Verben gehört, etwa miru (見る, sehen). „yorugohan o tsukutte taberu“ (ein Abendessen zubereiten und essen) bedeutet „zubereiten und essen“. „tsukutte miru“ bedeutet dagegen „ausprobieren“ bzw. „einen Versuch unternehmen“. „tabete iku“ heißt „zum Essen gehen / gehen und essen“; und „tabete shimau“ bedeutet „aufessen / fertig essen / versehentlich essen“. Dass sich Englisch und Japanisch hier ähneln, ist wahrscheinlich Zufall, wirkt aber ziemlich faszinierend.
  • Aus boole’scher Perspektive passt der Satz „I'll try and go to the store“ gut: Wenn der Versuch fehlschlägt, gehst du eben nicht in den Laden.

    • Dieses Argument funktioniert aber nur, wenn die Sprache ein boolesches Short-Circuit-Verhalten hat.
  • Mehrere der sprachlichen „Mysterien“ in diesem Beitrag lassen sich plausibel erklären, wenn man „try and stop me“ als Verkürzung von „try to stop me and see if you can“ betrachtet.

    • Ich verstehe „Try and X“ als „Try to X and do X“. Also: Der Versuch wird unternommen und bei Erfolg wird X abgeschlossen. „I’ll try and eat the salad“ kann man etwa als „Ich versuche, den Salat zu essen, falls es geht“ lesen.
    • Das Beispiel mit Dr Dre lässt sich ebenso als „I’m gonna try (to change the course of hip hop again) and change the course of hip hop again“ verstehen: Ich werde versuchen, den Kurs des Hip-Hop noch einmal zu ändern, und wirklich ändern. Damit trägt „try and“ nicht nur den Versuchsgedanken, sondern auch die Zuversicht, es zu schaffen. Das macht es auch plausibel, dass die Reihenfolge nicht vertauscht werden kann. Dass sich „try and“ und „try to“ parallel oder gar schon vorher gegenseitig entwickelt haben, sollte aber ebenfalls berücksichtigt werden.
    • Es gibt auch den Scherz über die „Try And“-C-Struktur, wobei C als Komplementierer (für die Einleitung eines Nebensatzes) gemeint ist.
    • Das passt auch zu skrebbels Beobachtung, dass diese Konstruktion stärker auf das gezielte Ansetzen eines Versuchs fokussiert ist.
    • Am besten wird das Wesen von „try and“ durch Ausdrücke wie „try and see if I can“ getroffen.
  • In regulärer koordinierender Verbindung („and“) kann man Elemente oft vertauschen, aber bei „try and“ scheint das nicht zu passen (De Vos 2005). Allerdings enthalten Konjunktionen manchmal auch implizit Reihenfolge- oder Kausalbezüge. Zum Beispiel lassen sich „I’m going to take a shower and get this dirt off me“ oder „I’m going to get some flour and bake a cake“ nicht sinnvoll umstellen. Wenn ein einziges Verb die Reihenfolge bindet, kann ein Tausch sogar die Bedeutung verändern. Ähnlich bei Handlungverben: „he came and picked me up at the station“ sind zwei aufeinanderfolgende Handlungen, während „he went and picked me up at the station“ etwas emphatisch wirkt, als wäre es hervorzuheben oder besonders. Beispielsweise kann „he went and got himself arrested again“ auch einen negativen Unterton haben.

    • Der Aspekt der Prosodie/Betonung ist hier wichtig, was ein interessanter Punkt ist, der im Artikel gar nicht erwähnt wurde. „went and“ fokussiert den Verbkern nicht so stark wie „try and“. Wenn Dr Dre also „try to“ benutzt, liegt die Betonung eher auf dem Versuch; „try and“ vermittelt eher das Gefühl: Ich versuche es und schaffe es dann auch. Diese Betonung in Kombination mit der Reihenfolge scheint die besondere Grammatikregel von „try and“ zu beeinflussen.
    • Dass die Reihenfolge nicht geändert werden kann, heißt nicht, dass der Satzgrammatikalisch falsch wäre. Viele Beispiele bleiben auch nach einer Umstellung grammatisch möglich.
    • In „I'm going to get some flour and bake a cake“ können mehrere Personen die Rollen aufteilen – eine Person besorgt das Mehl, die andere bäckt den Kuchen – oder beide Aufgaben übernimmt dieselbe Person.
  • Im Norwegischen ist der Infinitivmarker „to“ und die Konjunktion „and“ phonetisch gleich „o“, deshalb kommt es oft zu Verwechslungen. Daher sagt man „prøv å stoppe meg“ für „try to stop me“, „prøv og stopp meg“ für „try and stop me“; letztere Form ist im gesprochenen Norwegisch häufiger. Im Schwedischen und Dänischen gibt es als Infinitivmarker „att/at“, sodass dieses Problem nicht auftritt. Ich frage mich, ob es dafür einen Zusammenhang zwischen Englisch und Norwegisch gibt.

    • Im Schwedischen ist es sogar komplizierter: „att“ als Infinitivmarker wird im Verlauf zu „o“ gesprochen, während „att“ in der Bedeutung von „dass“ normal bleibt. Beispielsweise wird in „Jag tror att han gillar att äta“ (I think that he likes to eat) das erste „att“ normal ausgesprochen und das zweite als „o“. Link
    • Vielleicht würde Professor Faarlund dem zustimmen. In seinem 2014 erschienenen Buch „English: The Language of the Vikings“ argumentiert er, dass Englisch ursprünglich zu den skandinavischen (nordgermanischen) Sprachen gehört habe und anglo-sächsischen Einfluss erhielt. Link
    • Beim Lesen des verlinkten Artikels fiel mir zuerst genau dieser Gedanke ein. Ich glaube, ich habe es dann sehr gut für norwegische Muttersprachler erklären können.
  • Obwohl ich über 30 Jahre im englischsprachigen Raum gelebt habe, klingt „try and“ für mich als Nichtmuttersprachler genauso ungewohnt wie „should of“. Ob korrekt oder nicht: Es fühlt sich an wie ein Ausdruck, den man von jemandem ohne großes sprachliches Feingefühl erwartet. Ich glaube aber, dass Sprachnormen letztlich daran gemessen werden, was die Gemeinschaft als geeignete Kommunikation akzeptiert.

    • An „should of“ ist ich auch besonders interessiert. Vielleicht liegt es am bloßen Rechtschreibfehler, denn es klingt ja doch wie „should've“ bzw. „should have“. Vielleicht hört man bei „should of“ tatsächlich nur ein nicht sauber ausgesprochenes „should have“. Das Erlernen der Sprache als Kunst des Hörens spielt eine große Rolle; in modernen Schulen wird das meiner Meinung nach oft zu wenig vermittelt. Muttersprachler lernen erst durch Hören und sprechen, bevor sie die Schriftsprache verinnerlichen, deshalb kann das Lesen anders klingen als Sprechen. Menschen anhand von Aussprachefehlern oder Rechtschreibfehlern zu bewerten, wirkt schnell elitär oder klassistisch.
    • „should've“ ist eine Kontraktion von „should“ und „have“. In manchen amerikanischen Akzenten klingen „should've“ und „should have“ fast gleich, weshalb manchmal „should of“ geschrieben wird. In der gesprochenen Sprache ist das oft okay; schriftlich wirkt „should have“ natürlicher. Es gibt Regionen wie den Süden und Westen der USA, die mit einem Image geringerer Bildung assoziiert werden – ich weiß nicht genau, warum. Für Muttersprachler wirkt jedoch das Fehlen einer Kontraktion oft zu steif und hart. Zum Beispiel klingt „You don't know where you're going, you should've taken a left“ natürlich, während „You do not know where you are going, you should have taken a left“ eher vorwurfsvoll klingt. Ohne Kontraktion wirkt der Satz insgesamt oft unnatürlich.
    • Ich frage mich, warum „should of“ so unangenehm klingt, denn „should have“ und „should've“ sind ausgesprochen praktisch gleich.
    • Sie sind es nicht im Schriftbild. „should of“ klingt phonetisch wie „should uhv“, also eine Orthographie, die statt „should 've“ missverstanden wurde. Obwohl die Aussprache gleich ist, entsteht durch die Schreibweise Verwirrung. Ob jemand gelernt hat oder nicht, sollte nicht über Intonation oder Dialekt bewertet werden. Übrigens: Ich bin mit britischem Englisch aufgewachsen, und „Try and“ klingt für mich ebenfalls vollkommen natürlich.
  • In den letzten zehn Jahren wurde die Debatte weitgehend um die Haltung geführt, dass Englisch sich bereits so komplex verstrickt hat, dass man jede Verwendung einfach zulassen soll.

    • Die ideologische Offenheit gegenüber allen Formen ist sprachlich schon viel länger da; wenn es so wirkt, als sei sie erst seit zehn Jahren populär, habe ich sie vielleicht nur inzwischen kennengelernt.
    • Ich frage mich, wie Leute überhaupt Englisch gesprochen haben könnten, bevor es so klare Grammatikregeln gab.
  • „try to catch me!“ klingt viel strenger, während „try and catch me!“ etwas verspielt und locker klingt. Die Botschaft ist aber fast dieselbe.

    • „try and“ wird offenbar oft von Kindern verwendet, daher passt es gut zu einem etwas albernen, spielerischen Ton.
    • Das ist im Kern die richtige Deutung. Allerdings wirkt „try and“ leicht herausfordernder, fast wie „Du schaffst das nicht“, während „try to“ neutraler wie eine einfache Anweisung klingt.
  • Heute Morgen habe ich auf HN einen Register-Artikel gelesen Link, in dem statt „try and“ eher „try to“ verwendet wurde, und dachte: Das ist ein Thema, das für Muttersprachler wie Nicht-Muttersprachler gleichermaßen spannend ist. Ich bin Team „Try To“ – falls dich „try and“ interessiert, rate ich dir, es dir selbst anzuschauen.

    • Als ich nur den Titel sah, dachte ich zunächst an ein Thema über Exception-Handling einer mir unbekannten Programmiersprache. Stattdessen war es viel interessanter, und ich bin froh, dass es ein Thema behandelt hat, das mich schon lange interessiert.
    • In einem Kommentar zu Dijkstras Semaphor-Symbolen P und V habe ich gehört, dass er P gewählt habe, weil er sich auf die niederländische Wendung „probeer te verlagen“ bezog, die er als „try and decrease“ übersetzt hat.