PHP ist der Toyota Corolla der Programmierwelt
(deprogrammaticaipsum.com)- PHP und JavaScript haben sich seit ihrem Erscheinen im Jahr 1995 zu den beiden Hauptsäulen des Webs entwickelt und haben ihr Ökosystem trotz früherer Konstruktionsfehler und Spott weiter ausgebaut.
- Beide Sprachen wurden 1997 standardisiert und erlebten durch die jeweilige Unterstützung von Facebook sowie Google/Microsoft in den 2010er-Jahren einen Wiederaufschwung.
- PHP wurde trotz der Bezeichnung „fraktal schlechte Architektur“, einer eigentümlichen Syntax und vieler Schwächen über lange Zeit geringgeschätzt, obwohl 70–80 % der Websites weltweit mit PHP betrieben werden.
- Als Kern des LAMP-Stacks ist es überall leicht zu finden, kostengünstig und hat sich zu einer robusten Sprache mit modernen Funktionen (OOP, FP, Paketmanager, Tests usw.) entwickelt.
- In jüngster Zeit sucht die Sprache mit dem Auftreten von Go-basierten Runtimes wie FrankenPHP sowie durch kontinuierliche Sicherheitsverbesserungen und gemeinschaftlich getriebene Weiterentwicklung eine Zukunft.
Das Wachstum von PHP und Webprogrammierung
- 1995 wurde von einem nahezu unbekannten Softwareentwickler die erste Version von PHP vorgestellt, die die Möglichkeiten der Webanwendungsentwicklung erweiterte.
- Durch eine schrittweise Standardisierung und die Einführung von OOP (Objektorientierte Programmierung) entwickelte es sich zu einer vollwertigen Sprache.
- Dennoch wurde es über Jahrzehnte wegen einer eigenwilligen Syntax und Laufzeitmodell, häufigen Sicherheitsproblemen sowie zahlreicher Frameworks zum Ziel von Kritik unter „ernsthaften“ Programmierern.
- Trotz allem entwickelt PHP sich dank der Stärke der Community und der Unterstützung großer IT-Unternehmen stetig weiter und erweitert sein riesiges Ökosystem.
Parallele Entwicklungsgeschichte von PHP und JavaScript
- 1995 wurden PHP und JavaScript von Rasmus Lerdorf (“Personal Home Page Tools") und Brendan Eich (Netscape) vorgestellt.
- Beide Sprachen wurden anfangs wegen grober Design- und Syntaxfehler als „erwachsene“ Programmierer oft kritisiert.
- 1997 erfolgte die Standardisierung über PHP/FI 2 bzw. ECMA-262.
- In den 2010er-Jahren erlebten sie einen großen Schub durch die Unterstützung von Big Tech wie Facebook, Google, Microsoft.
- Stand 2025 tauchen neue auf Go basierende Runtimes (FrankenPHP, TypeScript Native) auf, die die Sprache neu aufstellen.
Das Paradox der von allen verachteten, von allen genutzten Sprache
- C, Java, Python, Perl und andere Sprachen haben eigene Spitznamen.
- C: „Portable Assembly“
- Java: „Einmal schreiben, überall debuggen“
- Python: „ausführbarer Pseudocode“
- JavaScript: „in 10 Tagen geschriebene Sprache“
- Perl: „Duct Tape des Internets“
- PHP weist trotz negativer Spitznamen wie „fraktal schlechte Architektur“ oder „Pretty Horrific Programming“ die Leistung auf, 70–80 % des weltweiten Webs zu betreiben.
PHP: der „Toyota Corolla der Programmierwelt“
- Günstig, überall leicht einsetzbar und Symbol der LAMP (Linux, Apache, MySQL, PHP)-Kombination.
- Heute ist PHP ein vollwertiges Open-Source-Projekt mit fortschrittlichen OOP-Funktionen (Traits, Property Hooks, Namespaces, Properties, Enums) und funktionalen Programmierfunktionen (Closures, Capture Lists, Arrow Functions).
- Der bald kommende Pipe-Operator, schnelle Typprüfung, umfangreiche Standardbibliothek sowie ein leistungsstarker Open-Source-Paketmanager (Composer), Packagist und ein hervorragendes Test-Framework, PHPUnit, machen PHP modern und leistungsfähig.
- Auch Leistung und Kompilierungsgeschwindigkeit sind ausgezeichnet; zusammen mit der dedizierten IDE von JetBrains, einem eigenen Maskottchen und einer aktiven Community verfügt PHP über ein lebendiges eigenes Ökosystem.
Vergangene Probleme und Wandel der Wahrnehmung
- Der
goto-Operator, ungewöhnliche Variablennamen und andere frühere Nachteile existieren weiterhin, doch in den letzten zehn Jahren gab es beharrliche Verbesserungen durch regelmäßige Veröffentlichungen, das Beseitigen von Sicherheitslücken und die Bereinigung veralteter APIs.- Anfang der 2000er gab es ein negatives Image durch Sicherheitslücken und die Kampagne „I Hate PHP“.
- In den letzten zehn Jahren führten regelmäßige Releases (jeweils im November), Sicherheitsverbesserungen und API-Modernisierung zu stärkerer sprachlicher Reife und Zuverlässigkeit.
- Programmierer, die PHP früher verachteten, stehen nun vor dem Punkt, die jüngsten Entwicklungen anzuerkennen.
- Vertretbare Sicherheitsprobleme wie SQL-Injektion bleiben weiterhin Bereiche, die besondere Aufmerksamkeit erfordern.
Community und Ökosystem
- Mit offiziellen Organisationen wie der PHP Foundation sowie gestärkter Branchenunterstützung wurde die Struktur ausgebaut; abgesehen von JetBrains gibt PHP im Vergleich zu anderen Bereichen eine relativ unabhängige Community-Kultur und bleibt außerhalb des Einflusses großer Tech-Konzerne.
- In der Sprachrangliste lag PHP 2004 auf Platz 3, liegt heute aber in mehreren Metriken zwischen Platz 7 und 15.
- In Ranglisten wie TIOBE, IEEE, PYPL gibt es zwar einen Abwärtstrend, doch in einigen, etwa RedMonk, liegt PHP weiterhin im oberen Bereich, was zeigt, dass der Rückgang nicht so groß ist wie oft befürchtet.
Evolution der Engine: FrankenPHP
- Jahrzehntelang war die Zend Engine die Standard-Engine von PHP; mit der Einführung der neuen offiziellen Runtime FrankenPHP wurde die Unterstützung für Container-Umgebungen deutlich verbessert.
- FrankenPHP bietet eine 100 %ige Kompatibilität zur bestehenden Codebasis und unterstützt zugleich einfache Containerisierung sowie ein neues Ausführungsmodell, wodurch es eine Schlüsselrolle bei der zukunftsorientierten Entwicklung von PHP übernimmt.
Die Zukunft und Wahrnehmung von PHP
- PHP mag weiterhin als „nicht ernsthafte“ Sprache gelten, doch seine praktische Wirkung, die Millionen von Websites und Anwendungen trägt, und eine lebendige Community bleiben bestehen.
- Es gibt weiterhin Stigmen wie „ein Produkt zufälliger Entwürfe“ oder „eine Sprache, die in wissenschaftlichen Arbeiten kaum auftaucht“.
- Wie Rasmus Lerdorf betonte, bestätigt sich PHP als Sprache, die auf freiwilliger Beteiligung und dem Wachstum der Community basiert.
- Es wurde als ein „Bazar“-Modell im Open-Source-Sinn registriert, das durch das Loslassen von Kontrolle und die Zusammenarbeit vieler Menschen gewachsen ist.
Fazit
- PHP ist eine nicht zu unterschätzende, „Toyota Corolla“ des Webökosystems.
- Trotz Humor und Kritik bildet es in Wahrheit eine robuste Programmiersprache, die das Rückgrat des weltweiten Webs ist.
- Niedrige Kosten, leichte Einstiegshürde und ein reiches Ökosystem machen einen einfachen ersten Schritt für junge Entwickler möglich.
- In Zukunft bleibt ein Entwicklungspotenzial bestehen durch die Kombination aus Community und neuen Technologietrends.
8 Kommentare
Einfach ausgedrückt: die Sprache, die Geld bringt.
Als aktiver PHP-Entwickler fällt es mir schwer zu verstehen, warum man PHP so stark herabsetzt.
Alle sagen, PHP sei billig, leicht aufzubauen, für den langfristigen Einsatz ungeeignet und unsicher.
Dieser Denkweise liegt jedoch ein völlig veralteter Gedanke zugrunde, und ich möchte ihnen mit Überzeugung gerne sagen: „Ihr seid Idioten.“
Das PHP von heute ist eine sehr moderne Sprache. Auch wenn du jetzt ein langfristiges Projekt startest, kannst du Module bauen, die überall verwendet und in jeder Website wiederverwendet werden können – genau das zeigen die modernen PHP-Frameworks.
Auch wenn es nicht brandneu ist: PHP ab Version 8 hat die Sicherheit deutlich verbessert, und es kündigt jährlich Versionsupdates an. Als Beispiel führt Laravel ebenfalls jedes Jahr Version-Updates durch.
Denjenigen, die sagen, PHP sei unsicher, kann man sagen, dass in Java oder anderen Backend-Sprachen zahlreiche Risiko-Berichte entdeckt werden und noch heute große Sicherheitsprobleme auftreten.
Ein Beispiel dafür ist Südkorea: Der Staat nutzt Java-basierte JSPs, doch Sicherheitsprobleme treten dort jedes Jahr auf.
Fazit: PHP ist nicht dumm, schwach oder billig.
Diejenigen, die PHP falsch benutzen, sind dumm, schwach und billig.
Na?
Günstig, für jeden leicht zugänglich und einfach zu nutzen.
Obwohl es ein Kleinwagen ist, ist er ziemlich geräumig und wirkt, als lasse sich vieles davon unterbringen.
Die Optik ist ebenfalls ganz schick.
Der Verbrauch ist jedoch schlecht, sodass es langfristig nicht so günstig ist wie gedacht.
Versucht man dann, etwas hineinzupacken, ist es wegen der Motorleistung und anderer Punkte nicht so einfach, ihn nach Belieben zu fahren.
Zwar genießt man die hübsche Optik, nutzt ihn kurz als Campingwagen und bastelt hier und da am Innenleben herum, am Ende fährt man ihn aber meist nur irgendwie herum.
Sogar mit einem Kipp-Risiko.
Günstig, für jeden leicht zugänglich und einfach zu nutzen.
Bei PHP kann man Web, CLI, Workloads und viele andere Zwecke bedienen.
Die Struktur kann ebenfalls ganz ansprechend aufgebaut werden, aber
wird es schnell zu Spaghetti-Code, und mit steigender PHP-Version wird es zunehmend komplexer, wodurch die Wartungskosten höher sind als gedacht.
Wenn man es für mehrere Zwecke einsetzen will, ist es für CLI zu schwergewichtig und außerhalb des Web-Bereichs schwer zu nutzen.
Auch sauber strukturierte Frameworks wie Laravel und Symfony sind nur kurzzeitig so; der Reiz, alles einfach draufzuhauen und Spaghetti daraus zu machen, ist wirklich schwer zu widerstehen.
Eine Sprache, bei der man immer wieder Sicherheitsbedrohungen fürchten muss bzw. dafür in Sorge genommen werden muss.
Kein Kia Morning oder Spark, oder? Kein Geld, aber fahren wollen, haha. Ich habe am Anfang auch mit PHP angefangen, nutze es aber heute kaum noch. Bei Laravel und ähnlichen Frameworks frage ich mich, warum man in kleinen Projekten so viel OOP einsetzen sollte. Es ist einfach purer Wildwuchs. Und ohne Framework landet man bei wildem, unsauberem Code von verschiedenen Leuten:
xx.php,xx1.phpusw., haha.Vergleicht man es mit einem heimischen Auto, welches wäre es dann?
Porter?
Es ist riskant, aber nichts ist besser als das.
Auch ich finde, dass „Porter“ passend ist.
Hacker News Kommentar
includein PHP kennenlernte, fühlte es sich wie das fehlende Puzzleteil an. Ich musste Header, Navigation und Footer nicht mehr auf dutzende Seiten manuell abgleichen. Bis Rails kam, hatte ich nie eine wirklich ordentliche Web-App gebaut. Durch Rails-Struktur und Konventionen war der Einstieg deutlich einfacher, und die komplexe PHP-Programmierung war in der Praxis fast Spaghetti und damit für Lernende schwer nachzuvollziehen.