- Der weltweite Marktanteil Chromium (Chromium)-basierter Browser steigt, wodurch die Sorge wächst, dass die Vielfalt der Webstandards und die Zukunft des Open Web leiden könnten.
- Die in Rust entwickelte Servo-Engine besitzt zwei große Stärken: Multithreading-Performance und Speichersicherheit, und gewinnt im Bereich der Web-Rendering-Engines als neue Alternative an Aufmerksamkeit.
- Da sich Servo noch in einem frühen Stadium befindet, existieren auf den meisten Websites Rendering-Bugs. Auf einigen Demoseiten oder einfachen Seiten wie Wikipedia funktioniert es jedoch ordnungsgemäß.
- Das Servo-Projekt wurde zwar ursprünglich von Mozilla initiiert, wird aber heute von der Linux Foundation Europe verwaltet und folgt einer Struktur mit technologischer Unabhängigkeit sowie gemeinschaftsorientierter Entscheidungsfindung.
- Vor dem Hintergrund der Konzentration auf wenige Browser-Engines ist die kontinuierliche Weiterentwicklung alternativer Engines wie Gecko und Servo ein Hinweis darauf, wie wichtig die Wahrung der Vielfalt in der Web-Ökosphäre ist.
Die Monopolisierung von Web-Engines und deren Risiken
- In den 1990er Jahren bis Anfang der 2000er Jahre existierten verschiedene Browser-Engines wie Internet Explorers Trident, Operas Presto, Netscapes Gecko und Konquerors KHTML nebeneinander.
- Im Laufe der Zeit wurden KHTML in WebKit sowie Presto und Tasman in Blink, die Engine von Chromium, integriert oder ersetzt.
- Da moderne Hauptbrowser (Chrome, Edge, Opera usw.) fast vollständig auf Chromium/Blink basieren, entsteht zunehmend die Situation, dass ein Implementierer faktisch zum Standard wird.
- Sicherheitslücken, eingeschränkte Erweiterbarkeit und ähnliche Probleme fallen auf und zeigen, dass bei Abhängigkeit von einer Engine der gesamte Web-Ökosystem-Umfang betroffen ist.
Das Auftauchen der Servo-Engine
- Servo ist eine von Grund auf neu in Rust entwickelte Browser-Rendering-Engine.
- Basierend auf den Stärken von Rust wie Multithreading und Speichersicherheit soll sie strukturell die Schwächen bestehender C/C++-Engines (z. B. Speicherfehler) reduzieren.
- Das Hauptziel von Servo ist ein eingebetteter Web-Rendering-Engine, sodass sie neben einem eigenständigen Browser auch als Alternative zu Electron oder Android WebView eingesetzt werden kann.
- Unter dem Dach der Linux Foundation Europe werden technische Entscheidungen nicht von einem einzelnen Großkonzern, sondern durch ein technisches Komitee getroffen.
- Als vollständig neue Browser-Engine nach rund zehn Jahren baut Servo bei der Reifung auf den Erfahrungen der etablierten Haupt-Engines auf.
Erfahrungen mit der Nutzung von Servo und aktueller Stand
- Auf der offiziellen Website steht ein Nightly Build (für Windows, macOS, Android und Linux) für das Ausprobieren von Servo bereit.
- Funktionen wie Lesezeichen, Erweiterungen oder Datensynchronisierung werden derzeit nicht unterstützt.
- Auf den meisten Websites treten Rendering-Bugs auf; bei Google-Suche oder einigen Seiten kommt es zu Layoutproblemen oder Abstürzen.
- Einfach strukturierte Seiten wie Wikipedia oder CNN Lite funktionieren hingegen normal.
- Auf der Servo-Demoseite können grafische Leistungsdemonstrationen gezeigt werden; im Benchmark „Particle Physics“ wurde auf einem aktuellen MacBook Pro (x86-Emulation) ein Ergebnis von 55–60 FPS gemessen.
- Im Acid3-Test erreichte Servo 83/100 Punkte, also weniger als die etwa 95 Punkte der Mainstream-Browser.
- Für die Zukunft sind zentrale Webstandards wie Shadow DOM und CSS Grid auf der Roadmap enthalten, mit Fokus auf bessere Web-Kompatibilität.
Geschichte von Servo und wichtige Wendepunkte
- Servo wurde 2012 bei Mozilla gestartet; 2013 stieß Samsung zur Entwicklung hinzu.
- Ursprünglich war ein Austausch von Gecko nach der Stabilisierung geplant, doch realistisch wurde die Strategie auf eine schrittweise Ersetzung einzelner Gecko-Komponenten durch Servo-Code umgestellt.
- Mit dem Firefox-57-Update (Quantum) wurde die CSS-Engine (Quantum CSS, Stylo) durch Servo-Code ersetzt und brachte deutliche Verbesserungen bei Leistung und Speichereffizienz.
- Nach Mozillas umfangreicher Restrukturierung 2020 (einschließlich der Servo-Entwickler) wurde Servo unter die Linux Foundation überführt und die Fördermittel gesichert; derzeit wird die community-zentrierte Entwicklung unter anderem mit Unterstützung von Open-Source-Unternehmen wie Igalia fortgeführt.
Zukunftsperspektiven für die Browserlandschaft
- Nachdem das US-Justizministerium in dem Verfahren gegen Googles Monopolstellung (Chrome, Android) obsiegte, wird über den Verkauf von Chrome und das Verbot von Suchverträgen mit Drittbrowsern diskutiert.
- Mozilla ist stark von den Einnahmen aus der Standard-Suchplatzierung in Firefox abhängig (wichtig für die Aufrechterhaltung der Gecko-Entwicklung), und hat gegen diese Maßnahme Bedenken geäußert.
- Falls Mozilla diese Google-Einnahmen verliert, könnte Firefox, um Entwicklungskosten zu senken, auf WebKit oder Chromium/Blink umsteigen.
- In diesem Fall wären Szenarien wie ein Fork von Gecko mit Community-Betrieb oder ein allmähliches Ausfransen von Gecko denkbar.
- Die Existenz von Alternativen wie Servo und Gecko rückt damit erneut in den Mittelpunkt als wichtiger Faktor für Vielfalt und Balance des Web-Plattform-Ökosystems.
Abschluss und Implikationen
- Auch bei fortschreitender Vereinheitlichung der Hauptbrowser-Engines spielt das Erscheinen innovativer Alternativen wie Servo eine entscheidende Rolle für die Vielfalt und Gesundheit des Web-Ökosystems.
- Zwar ist Servo kurzfristig kaum als vollwertiger Alltagsbrowser einsatzbereit, doch technische Experimente und Weiterentwicklungen gehen kontinuierlich voran.
- Es besteht große Erwartung hinsichtlich Servo's weiterer Entwicklung und der möglichen Auswirkungen auf die Branche.
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