2 Punkte von GN⁺ 2025-07-27 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Das Internet Archive ist nun eine Federal Depository Library der USA, wodurch der Zugang zu Regierungsdokumenten verbessert wird
  • Das Archiv behält weiterhin seine Stärke in der Digitalisierung und Bewahrung von Materialien und stellt über das Projekt Democracy’s Library Regierungsunterlagen online bereit
  • Wegen urheberrechtlicher Klagen ist es jedoch mit der Löschung von Hunderttausenden Werken und der Gefahr hoher Schadensersatzforderungen konfrontiert
  • Die US-Verlagsbranche behauptet, das Internet Archive sei „keine Bibliothek, sondern ein nicht genehmigtes digitales Vertriebsunternehmen“
  • Regierungsveröffentlichungen unterliegen keinen Urheberrechtsbeschränkungen und können daher weiterhin frei gespeichert und verbreitet werden

Das Internet Archive und das Programm der Federal Depository Library

  • Traditionell auf Mikrofilm oder Mikrofiches gespeicherte Regierungsdokumente ließen sich zwar leicht kopieren, waren aber in ihrer Zugänglichkeit begrenzt
  • Seit 2016 hat das U.S. Government Publishing Office (GPO) aktiv mit digitaler Bewahrung und dem Betrieb einer Online-Datenbank begonnen und treibt zuletzt auch die Digitalisierung des Federal Depository Library Program (FDLP) voran
  • Auch teilnehmende Bibliotheken im ganzen Land folgen dem Trend zur Digitalisierung staatlicher Materialien, doch die Umwandlung der enormen Mengen physischer Bestände in digitale Form erfordert viel Aufwand
  • Das Internet Archive unterstützt seit Langem Bibliotheken und akademische Einrichtungen dabei, Materialien zu digitalisieren und online zu hosten

Democracy’s Library und die Abgrenzung

  • 2022 veröffentlichte das Internet Archive mit Democracy's Library eine kostenlose Online-Datenbank mit staatlichen Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen
  • Die offizielle Teilnahme am Federal Depository Library Program (FDLP) gilt als nächster Entwicklungsschritt von Democracy’s Library
  • Durch die Aufnahme in das offizielle Programm rückt es näher an die Quelle der Materialien, sodass Originalunterlagen schneller und verlässlicher an das Archiv geliefert werden können
  • Dadurch verbessert sich die Zugänglichkeit für Nutzer des Internet Archive und für Besucher kooperierender Bibliotheken

Die rechtlichen Herausforderungen des Internet Archive

  • Das Internet Archive sieht sich wegen einiger Archivierungsmethoden mit rechtlichen Klagen konfrontiert

  • Open Library wurde 2020 im Zuge von COVID-19 wegen der Aufhebung von Wartelistenbeschränkungen von vier großen Verlagen verklagt

    • Streitpunkt war, dass digitale Kopien gleichzeitig an mehrere Nutzer ausgeliehen werden konnten
    • In diesem Zusammenhang wurde dem Projekt die illegale Bereitstellung von E-Books vorgeworfen
  • Nachdem das Urteil eines Bundesgerichts aus dem Jahr 2023 in der Berufung bestätigt worden war, musste das Archiv mehr als 500.000 Werke löschen

  • Zudem verklagen große Musikunternehmen wie Sony Music Entertainment und Universal Music Group das Archiv wegen des Great 78 Project

    • Von mehr als 400.000 Aufnahmen mit 78 RPM sind die meisten bereits vergriffen, doch etwa 4.000 unterliegen dem Urheberrecht (z. B. Bing Crosbys „White Christmas“)
    • Bei einer Niederlage vor Gericht drohen dem Internet Archive Schadensersatzforderungen von bis zu 700 Millionen US-Dollar, was sogar zu einer Einstellung von Diensten führen könnte

Debatte um Bibliotheksidentität und Urheberrecht

  • Im Online-Zeitalter wird intensiv über die Bedeutung von Bibliotheken und die Wichtigkeit langfristiger Bewahrung diskutiert
  • Die Association of American Publishers (AAP) argumentiert, das Internet Archive sei keine offizielle „Bibliothek“, sondern ein „nicht genehmigtes digitales Vertriebsunternehmen für urheberrechtlich geschützte Werke“
  • Demgegenüber bezeichnen Hunderte Autoren und einige Universitätsbibliothekare das Internet Archive als „die wichtigste Spezialbibliothek“ und als „Kultureinrichtung des digitalen Zeitalters“ und sprechen ihre Unterstützung aus

Das Verhältnis zwischen Urheberrecht und Teilnahme am Federal Depository Library Program

  • Noch ist unklar, welche praktischen Auswirkungen die Aufnahme in das Federal Depository Library Program auf die Verteidigung in Urheberrechtsstreitigkeiten des Archivs haben wird
  • Kahle betonte, dass die aktuelle Benennung keine Änderung der Arbeitsweise der Institution mit sich bringe und dass Regierungsveröffentlichungen im Allgemeinen nicht urheberrechtlich geschützt seien und deshalb frei digitalisiert, archiviert und verbreitet werden könnten

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-07-27
Hacker-News-Kommentare
  • Es wurde darauf hingewiesen, dass Materialien, die in anderen Depository Libraries nicht mehr benötigt werden, nun an das Internet Archive übergeben werden können; laut 44 USC § 1912 dürfen Depository Libraries ältere Materialien aussondern, müssen sie aber zunächst nahegelegenen Depository-Einrichtungen zur Übernahme anbieten

    • Es wird die Frage aufgeworfen, was Bibliotheken genau mit „älteren Materialien“ meinen; gerade Bibliotheksarchive seien doch der Ort, an dem man solche „alten Materialien“ finden könne
  • Es fiel schwer herauszufinden, was das genau bedeutet: ob das Internet Archive neue Pflichten übernimmt, neue Informationen erhält oder beides. Im Einreichungstext heißt es, Regierungsunterlagen umfassten eine gewaltige Zahl von Seiten, und es habe Fälle gegeben, in denen öffentliche Bibliotheken wegen dieses Platzbedarfs ihren Status als Depository Library aufgegeben hätten; zudem verstärke die GPO ihre Digitalisierungsbemühungen. Es wird gefragt, ob das Internet Archive diese Materialien nun auch in Papierform direkt übernehmen und aufbewahren muss oder ob es nur bereits vorhandene digitale Materialien hosten soll. Das wirke ähnlich zu dem, was es ohnehin schon für das gesamte Internet tue, und da es seit 2022 mit „Democracy’s Library“ bereits eine frei zugängliche Online-Sammlung von Regierungsmaterialien betreibe, stellt sich die Frage, ob das nun gesetzlich verpflichtend werde. Auf doi.gov werde die Aufgabe einer Depository Library als „der Gemeinschaft Informationen der Bundesregierung kostenlos bereitzustellen“ beschrieben, doch es bleibe unklar, wie diese Rolle konkret aussehe. Auf gpo.gov heiße es, das Federal Depository Library Program verschaffe der US-Öffentlichkeit Zugang zu Regierungsinformationen, aber es sei nicht ganz klar, ob dieses Programm Informationen in besonderer Form erhalte und dann an die Öffentlichkeit weitergebe. Außerdem werde erwähnt, dass ein Kongressmitglied bis zu zwei Bibliotheken benennen könne; es wird gefragt, ob das IA ausgewählt wurde oder ob dies auf Wunsch des IA geschah und welchen konkreten Vorteil das IA davon hat

    • So wie ich es verstehe, ist das freiwilliger Natur; es bekommt im Grunde direkten Echtzeit-Zugang zu sämtlichen veröffentlichten Regierungsunterlagen, ähnlich einem Twitter-Firehose für Regierungsdokumente
    • Es wird gefragt, ob der verlinkte KQED-Artikel gelesen wurde
  • Es wird auf die Aussage verwiesen, „California Sen. Alex Padilla designated the Internet Archive a depository library on Thursday“, und gefragt, ob ein US-Senator eine solche Benennung allein vornehmen könne

    • Tatsächlich geschah dies auf Antrag des Internet Archive; Brewster Kahle schickte ein Gesuch, woraufhin die Benennung als Depository Library erfolgte. Als Verfahren auf Antrag statt als reine Einzelentscheidung erscheint es nachvollziehbarer
    • Es wird erklärt, dass Bundesgesetz es Kongressmitgliedern erlaubt, bis zu zwei qualifizierte Bibliotheken als Depository Libraries zu benennen
  • Es wird der Wunsch geäußert, das Internet Archive möge ein paar mehr Leute einstellen, damit die Suchfunktion endlich richtig funktioniert

  • Es wird gefragt, ob die Exekutive versuchen könnte, Kontrolle auszuüben, etwa durch das Löschen unbequemer Daten aus dem Internet Archive

    • Es habe bereits Fälle gegeben, in denen auf Wunsch Dritter „unbequeme“ Webseiten aus der Wayback Machine entfernt wurden, etwa technische Dokumentation von Softwareunternehmen oder Belege für Datenlecks; empfindliches Material sei auf Wunsch von Unternehmen entfernt worden, und es wird erinnert, dass Oracle so etwas getan habe
    • Diese Politik erweitere den Informationszugang eher, da sie es dem IA ermögliche, vom Bund gehaltene Materialien zu übernehmen; es wird erklärt, dass verschiedene politische Maßnahmen hier zusammenwirken. Außerdem wird daran erinnert, dem Archive zu spenden
    • Das Internet Archive kuratiere Inhalte bereits jetzt; als Beispiel wird genannt, dass Livestream-Videos des TempleOS-Entwicklers Terry Davis wegen problematischer Inhalte entfernt worden seien. Wenn bereits jetzt kuratiert werde, werde diese Kuratierung wohl auch künftig nicht vollständig aufhören
    • Da das Internet Archive keine Regierungsbehörde ist, wird direkte staatliche Kontrolle wegen des First Amendment als eher unwahrscheinlich angesehen
    • Wenn man Bezeichnungen wie „federally chartered“ oder „federal deposit insurance corporation“ sieht, sollte man vorsichtig sein
  • Es wird auf den offiziellen Blogbeitrag zur Benennung des Internet Archive als Federal Depository Library hingewiesen

  • Es wird halb im Scherz gefragt, ob nicht das Archiv des Internet Archive selbst archiviert werden müsse

    • Man wolle sich selbst gern an solchen Erhaltungsbemühungen für Organisationen wie diese beteiligen und hoffe auf eine gemeinsame, koordinierte Bewegung
  • Früher habe man bei solchen Nachrichten einfach gedacht: „Oh, cool und wichtig“, während heute zuerst die Sorge aufkomme: „Versucht Trump vielleicht, das irgendwie zu manipulieren?“

    • Trotzdem sei man ziemlich gespannt und hoffe, dass Bibliotheken auf der ganzen Welt und das Internet Archive sich zusammenschließen und daraus ein globales Kooperationsprojekt machen. Vielleicht gebe es ja in einer anderen Dimension sogar ein geheimes unterirdisches Depot, bewacht von einem Master Librarian. Träumen dürfe man wohl
    • Es wird angemerkt, dass dieser Verdacht wohl eher die eigene Angst als die Realität widerspiegele und dass man eigentlich wieder zuerst positiver denken sollte
    • Ergänzt wird der Scherz: „Trump manipuliert das ja tatsächlich mit einem Computer“
  • Es wird behauptet, diese Entscheidung entspringe dem verzweifelten Wunsch des Internet Archive, als echte Bibliothek zu gelten, und man sorge sich, dass Kahles radikale Feindseligkeit gegenüber Urhebern die Gesetzgebung in eine falsche Richtung lenken könnte. Mit dem Status als Federal Depository Library werde Kahle dies in verschiedenen Klagen als Verteidigungslinie nutzen, und sein ausschließlich eigennütziges Handeln richte zunehmend größeren Schaden an

    • Die Formulierung, er „hasse Inhalte-Ersteller radikal“, erscheine als viel zu starke Verunglimpfung. Persönlich habe man zum ersten Mal gehört, dass Kahle als derart schlechte Figur angesehen werde. Man sei stets offen für die feine Abwägung zwischen Informationsfreiheit und IP-Rechten, frage hier aber nach konkreten Belegen für den Zusammenhang mit der Benennung als Federal Depository Library
    • Das Internet Archive sei bereits vom Bundesstaat Kalifornien als Bibliothek anerkannt worden und habe auf dieser Grundlage auch Fördermittel aus föderaler Infrastruktur erhalten. Außerdem sei es bereits Mitglied in Bibliothekskonsortien in den USA. Die Debatte darüber, ob IA eine Bibliothek sei oder nicht, gehe am Wesentlichen vorbei