2 Punkte von GN⁺ 2025-07-26 | 2 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Amazon hat die Download- und Backup-Funktion für Kindle-E-Books eingestellt, wodurch Nutzer das Eigentum an ihren Inhalten verlieren
  • Nicht nur bei digitalen Medien, sondern auch bei Dropbox, Google Drive, iCloud usw. werden Daten faktisch als Mietgut behandelt
  • Der Autor hat auf Open Source basierende Home-Server aufgebaut und verschiedene Ersatzlösungen für Cloud-Dienste selbst betrieben
  • Dennoch dürfte Self-Hosting wegen seiner Ineffizienz und Dezentralisierung kaum zu einer massentauglichen Alternative werden
  • Als neue Zukunftsperspektive werden eine öffentliche Cloud-Infrastruktur für alle oder genossenschaftliche Ansätze vorgeschlagen

Von Eigentum zu Miete: digitale Vermögenswerte

  • Amazon hat kürzlich die Funktion eingestellt, mit der Kindle-Nutzer ihre gekauften E-Books direkt auf dem Computer sichern konnten
  • Dadurch wurde der Zugang zu E-Books in eine mietähnliche Struktur überführt, die von der Amazon-Plattform abhängig ist
  • Entsprechend weist auch der Hinweistext im Kindle Store nun ausdrücklich darauf hin, dass es sich um eine „Lizenznutzung statt eines Kaufs“ handelt
  • Ein solches Digital Rights Management (DRM) ist zwar nichts Neues, doch Unternehmen sprechen Beschränkungen von Eigentumsrechten zunehmend offener an
  • Das Problem betrifft nicht nur Medien, sondern die meisten Cloud-Dienste wie Dropbox, Google Drive und iCloud
  • In diesen Diensten werden Daten wie gemieteter Speicher behandelt, und die Kontrolle der Nutzer wird durch KI-Training, Tarifänderungen und Schwierigkeiten beim Dienstwechsel geschwächt

Ein Experiment mit Self-Hosting

Was ist Self-Hosting?

  • Mit der „Cloud“ sind webbasierte Apps gemeint, die auf Servern in riesigen Rechenzentren laufen
  • Im Kern lässt sich das einfach so zusammenfassen: „Die Cloud ist der Computer von jemand anderem
  • Self-Hosting bedeutet, Server und Apps direkt auf einem privaten oder heimischen Computer selbst zu installieren und zu betreiben sowie Datenspeicherung und Backups eigenständig zu organisieren
  • Dafür braucht es auch die Rolle eines Systemadministrators: Hardware verwalten, Server konfigurieren, Apps betreiben, Daten managen und Probleme beheben
  • Wegen der technischen Hürden und des laufenden Wartungsaufwands ist das für die breite Masse daher kein realistischer Ansatz

Ein konkreter Aufbau

  • Der Autor richtete auf einer bei eBay gekauften Lenovo-P520-Workstation (128 GB RAM, Xeon CPU, GTX 1660Ti) folgende Umgebung ein
    • Installation einer Virtualisierungsumgebung mit Proxmox, Zusammenführung von vier 8-TB-HDDs mit MergerFS und Snapraid sowie Nutzung einer 2-TB-NVMe-SSD als Cache
    • Aufbau eines VPN-Zugangsnetzes mit Tailscale, Bereitstellung von Docker und diversen Open-Source-Diensten auf Ubuntu LXC
  • Wichtige Dienste:
    • Immich : Ersatz für Google Photos mit Funktionen für Foto-Backup und -Suche auf Basis von Machine Learning
    • Calibre-web : Verwaltung einer E-Book-Bibliothek mit Unterstützung für Kobo-/Kindle-Integration
    • Audiobookshelf : Verwaltung von Hörbüchern und Streaming auf verschiedene Geräte
    • Jellyfin : Privater Media-Streaming-Server für Filme und TV-Inhalte
  • Zusätzlich wurden Datei-Backups und NAS-Funktionen eingerichtet, sodass von allen Geräten aus ein sicherer Fernzugriff möglich ist
  • Weitere Erweiterungen wie Heimautomatisierung, Werbeblockierung, Mailserver oder lokale KI sind praktisch unbegrenzt möglich

Grenzen des Self-Hostings

  • In der Praxis ist die technische Einstiegshürde hoch, und sämtliche Dienste dezentral auf Einzelpersonen verteilt zu betreiben, ist ineffizient
  • Wer etwa Fotos mit Freunden oder der Familie teilen oder zusammenarbeiten will, muss am Ende oft doch wieder auf gemeinsame Cloud-Dienste zurückgreifen
  • Das Self-Hosting-Modell ähnelt einer „Suburbanisierung des Internets“, bei der jedes Haus seinen eigenen Server hat und doppelte Infrastruktur sowie Support-Verantwortung auf einzelne Haushalte verteilt werden
  • Dadurch ist die Erfahrung gegenüber cloudbasierten Diensten oft schlechter, und die gemeinschaftliche Vernetzung wird tendenziell geschwächt
  • Eine Struktur, in der jeder das gesamte System selbst bereitstellt, löst das Grundproblem — die Konzentration von Macht und Kontrolle — nicht wirklich

Eine Alternative für die Zukunft: geteilte Cloud-Infrastruktur

  • Wirklicher Wandel beginnt nicht mit einer „eigenen Cloud“, sondern mit der Idee einer „gemeinsam besessenen Cloud
  • Vorgeschlagen wird der Bedarf an einer Struktur, in der Regierung, Genossenschaften oder öffentliche Infrastruktur dafür sorgen, dass jeder Daten sicher speichern, teilen oder Medien streamen kann
  • Als Beispiel wird eine Gesellschaft skizziert, in der man allein mit einem Bibliotheksausweis grundlegende Dienste wie 100 GB verschlüsselten Speicher, Fotofreigabe oder Media-Streaming kostenlos nutzen kann
  • Technisch basiert das auf End-to-end Encryption sowie Standardprotokollen und Datenportabilität, um Vendor Lock-in zu minimieren
  • Zugleich wird erwogen, dass private Dienste, Non-Profits und Genossenschaftsmodelle in verschiedenen Formen nebeneinander bestehen können
  • Bibliotheken in den USA bieten bereits heute öffentliche Web-1.0-Dienste wie E-Books oder Media-Streaming an, sodass auch eine langfristige Ausweitung realistisch erscheint

Die Vision eines gemeinschaftszentrierten Internets

  • Die Self-Hosting-Community ist gewissermaßen ein „kleines Experiment auf individueller Ebene“, dessen Erfahrungen auf die Gesellschaft insgesamt ausgeweitet werden müssten
  • Freiheit und Selbstbestimmung im massentauglichen Sinn sind nur mit einer Internet-Infrastruktur möglich, auf die alle gleichermaßen zugreifen können
  • Der Autor betont anhand seiner Self-Hosting-Erfahrung die Grenzen der Selbstzufriedenheit und die Realität, dass dies für die Mehrheit ohne technische Expertise praktisch schwer umsetzbar ist
  • Mit dem Zitat „Erst wenn alle frei sind, kann niemand wirklich unfrei sein“ argumentiert er, dass eine bessere Cloud auf gemeinschaftlicher Solidarität und gegenseitigem Nutzen beruhen müsse

Fazit

  • Self-Hosting ist ein praktisches Experiment für digitale Souveränität und Datenschutz, aber keine nachhaltige gesellschaftliche Lösung
  • Es braucht ein Umdenken hin zu einer Internet-Infrastruktur, die dem Wesen von Vernetzung und öffentlichem Interesse besser entspricht
  • Abschließend betont der Autor, dass die Kreativität und Zusammenarbeit der technischen Community der Schlüssel zu einer kollektiven Zukunft sind

2 Kommentare

 
kaydash 2025-07-27

„Cloud“ bezeichnet webbasierte Apps, die auf Servern in riesigen Rechenzentren laufen -> ich finde, das stimmt so nicht.

Cloud-Webservices sowie SaaS, PaaS und IaaS sollten voneinander unterschieden werden. Ersteres hat einen klaren Zweck für die öffentliche Nutzung (Google, Naver usw.), daher nutzt man die heutigen kommerziellen Clouds,
bei Letzterem ist Self-Hosting unter Kostenmanagement-Gesichtspunkten (TCO) vorteilhafter.
Denn bei Home-Servern für den privaten Gebrauch fallen keine kommerziellen Netzwerkkosten an.

 
GN⁺ 2025-07-26
Hacker-News-Kommentare
  • Self-Hosting ist nicht einfach nur eine technische Entscheidung, sondern eine Frage darüber, wer den Zugang zu Wissen kontrolliert. In der Aufklärung bedeutete der physische Besitz von Büchern intellektuelle Freiheit. Damals hat man Ideen nicht „gemietet“, sondern direkt besessen. Heute ist der Großteil digitalen Wissens jedoch durch Plattformen eingeschlossen oder wird in Form von Miete angeboten, etwa per Streaming. Tatsächlich bewegen wir uns in Richtung eines digitalen Feudalismus, in dem wir für den Zugang zu Kultur, Werkzeugen und sogar Geschichte auf Gatekeeper angewiesen sind. Dabei geht es nicht um Marktlogik oder Rentabilität, sondern um bürgerliche Autonomie. Wenn die Wissensinfrastruktur zentralisiert wird, wird auch die Kontrolle über das Denken zentralisiert. Nicht jeder muss selbst hosten, aber verteilte Open-Source-Systeme sind entscheidend, um einen demokratischen und nachhaltigen digitalen öffentlichen Raum zu bewahren

    • Ich bevorzuge es, meine Inhalte, Bücher und lokalen Kopien zu besitzen. Aber ehrlich gesagt halte ich die Behauptung, dass ohne Buchbesitz Wissen verschwindet und die Gesellschaft in digitalen Feudalismus abrutscht, für etwas überzogen. Wissen verbreitet sich heute mit enormer Geschwindigkeit und ist leichter auffindbar geworden. Es stimmt nicht, dass Wissen aus einem Buch, das ich vor fünf Jahren gelesen habe, verloren geht, nur weil es nicht in einer Bibliothek liegt. Im Gegenteil: Heute finde ich die nötigen Informationen schnell per Online-Suche, weshalb ich echte Bücher kaum noch aus dem Regal hole. Natürlich mag ich es, Kopien zu besitzen. Aber von „digitalem Feudalismus“ und der Aufklärung zu sprechen, wirkt eher wie eine abstrakte philosophische Debatte als wie eine Beschreibung der realen Lage

    • Im Blogpost geht es darum, Filme, Fotos und Podcasts wie Netflix selbst zu hosten und Fotos zu teilen, du sprichst aber über das größere Thema der Wahrung intellektueller Unabhängigkeit. Beides ist wichtig, aber es sind unterschiedliche Fragen. Vor allem der von dir erwähnte Teil ließe sich vielleicht schon mit einer lokalen Wikipedia-Kopie und einem FTP-Server voller digitaler Lehrbücher lösen. Beim Self-Hosting mit derselben UI/UX wie zentrale Dienste anfangen zu wollen, ist riskant. Ich finde eher, dass die Qualität zentralisierter Dienste von Jahr zu Jahr sinkt

    • Je mehr Unternehmen ihre Kontrolle verschärfen, desto mehr scheinen sie selbst zu verlieren. Bücher, Filme, TV, Hörbücher und Musik bekommt man im Internet alle und relativ sicher (Torrent, VPN usw.). Am Ende können Unternehmen nur Bequemlichkeit verkaufen. Und ich kaufe die auch gern! Aber wenn diese Bequemlichkeit durch Fragmentierung, fehlende Offline-Nutzung, Preise usw. verschwindet, werden die Leute sich der bequemeren Alternative zuwenden. Diese Spannung kann man nicht ignorieren

    • Menschen, die sich ausschließlich auf digital ausgelieferte Online-Inhalte verlassen, werden das eines Tages bereuen. Irgendwann fällt der Strom aus, ein Staat schränkt das Internet ein oder ein Dienst, auf den man angewiesen ist, wird eingestellt

  • Der Autor neigt dazu, Self-Hosting etwas zu oberflächlich abzutun. Er vergleicht es mit dem Leben in Vororten, dabei sind Internet-Hosting-Dienste in Wirklichkeit von überall erreichbar. Das ist wirklich eine schwache Analogie. Das einzig einigermaßen praktische Argument ist, dass die Technik noch unreif ist. Aber wenn er von öffentlicher Internet-Exponierung oder davon spricht, Freunde zu irgendwelchen unbekannten Apps zu zwingen, lässt sich das mit technischen Standards wie OIDC oder Einladungslinks durchaus lösen. Ich will auch nicht, dass meine Familie sich bei seltsamen Apps registriert. Ein weiteres großes Hindernis ist, dass ISPs „Internetzugang“ verkaufen, aber kein ordentliches Produkt liefern. Wenn man 2025 noch keine IPv6-Verbindung bekommt, ist das ein mangelhafter ISP-Dienst mit unzureichender Erklärung. Ich habe sogar private Dienste, die nur v6 unterstützen, und die funktionieren in den meisten Regionen gut

    • Ich habe oft in positiver Weise über das Leben im Vorort nachgedacht und stimme der Analogie teilweise zu. Schon für unabhängiges Handeln braucht man mindestens eine Domain, also etwa 10 Dollar pro Jahr. Und ein guter Homeserver kostet ein paar Hundert Dollar, ein NAS noch mehr. Wenn der ISP schlecht ist, braucht man womöglich Business-Internet, und am Ende gibt man deutlich mehr Geld für unbequemeres Self-Hosting aus als für kostenlose Dienste. Self-Hosting ist ein bisschen so, als würde man sich einen Pool in den Garten bauen. Man könnte auch ins öffentliche Schwimmbad im Viertel gehen, gibt aber stattdessen Hunderte oder Tausende Dollar aus

    • Das Argument „Die Leute tun es nicht, weil sie Schwieriges nicht mögen“ wird ständig wiederholt, aber die Menschheit hat über Jahrtausende hinweg schwierige Dinge in Kauf genommen. Es wirkt, als könne der Autor das, was er selbst wertvoll findet, nicht gut praktisch umsetzen und stütze sich deshalb etwas resigniert auf schwache Begründungen

    • Tatsächlich reicht es bei vielen Diensten, sie einfach bei einem Anbieter wie Hetzner zu „hosten“, statt im engeren Sinn selbst zu hosten und sich dann um ausgesteckte Stromkabel zu kümmern

    • Die öffentliche Exponierung von Diensten wurde nicht sauber angesprochen. Das ist noch vor der lästigen Registrierung vor allem ein Sicherheitsproblem. Wenn ein Solo-Entwickler ohne dediziertes Security-Team eine Anwendung offen ins Netz stellt, ist das sehr riskant. Selbst wenn man VPN-Konten teilt, bleibt das Problem bestehen. Dazu kommt die Fragmentierung, wenn Freunde sich für verschiedene Apps separat anmelden müssen. Der eigentliche Wert eines Netzwerks besteht darin, dass Kommunikation gegenseitig möglich ist. Wenn man für jede soziale Gruppe Fotos in eine andere App hochladen muss, ist das den meisten irgendwann zu lästig. Konzepte wie das Fediverse versuchen, dieses Problem anzugehen, aber für Nicht-Techniker ist die Nutzbarkeit weiterhin unbefriedigend. Ich sage das als jemand, der Mastodon als primäres soziales Netzwerk genutzt hat

  • Self-Hosting ist wie die Smartphone-Welt vor dem iPhone. Damals konnte man schon Apps installieren und Offline-Karten nutzen, aber normale Menschen fragten sich: „Warum sollte man mit einem Telefon etwas anderes machen als telefonieren?“ Dann kam plötzlich mit dem iPhone eine einfache, schöne, ergonomische Erfahrung, in der alles integriert war, und die Massennachfrage explodierte. Viele der angeblich innovativen iPhone-Funktionen hatte ich eigentlich schon benutzt, aber der wahre Unterschied war der Reifegrad des Gesamterlebnisses. Beim heutigen Self-Hosting ist es ähnlich. Es gibt Apps, und es gibt großartige Software, aber man schafft es nicht, das einfach, schön und bequem zu machen. Vor allem die Einrichtung ist immer noch extrem umständlich

    • Ungefähr zur Snow-Leopard-Zeit hatte Apple die zentrale Hardware und Software, das Netzwerk und die Technologien für ein „Einmal-Setup“ praktisch beisammen. Damals dachte ich, vielleicht würde man einzelne Serverfunktionen als separate Apps anbieten und ein App Store für von Dritten gebaute Server-Apps entstünde. Stattdessen hat Apple am Ende alles in Richtung Rechenzentren verschoben

    • Als das iPhone erschien, nutzte ich die meisten seiner Funktionen bereits, deshalb hat es mich nicht besonders beeindruckt. In meinem Umfeld gab es sogar viele, die auf das iPhone herabsahen, obwohl mein iPhone im Alltag bequemer war. Sie wollten nicht anerkennen, dass ein Telefon gut war, wenn es nicht zu ihrer Identität passte. Beim Self-Hosting ist es ähnlich: Wer sich in dieser Welt auskennt, glaubt oft, die eigene Umgebung sei die beste, und blendet die echten Vorteile von Cloud-Diensten aus. Auch verteilte Umgebungen wie Mastodon wirken anfangs frisch, aber auf Dauer wird das Folgen und Interagieren lästig. Wenn man Fans so etwas sagt, behaupten manche sogar, es gebe gar kein Problem. In Wirklichkeit lässt der Reifegrad der Nutzererfahrung an vielen Stellen zu wünschen übrig, aber das will man nicht eingestehen. Das gilt genauso für Self-Hosting- und verteilte Projekte. Am Ende richtet sich alles nach dem Geschmack einer kleinen Minderheit, die gerne von Hand eingreift und debuggt

    • Ich habe einen Dienst gestartet, der es ermöglicht, Hosting-Apps so einfach wie möglich zu installieren. Er gibt Nutzern Kontrolle über ihre Daten und beteiligt die Autoren finanziell, damit die Projekte nachhaltig bleiben. Hier auf pikapods.com ansehen

    • Während ich den eigentlichen Artikel schrieb, wollte ich auch leicht zugängliche Produkte wie Synology erwähnen. Aber ich habe es weggelassen, weil ich die Einrichtung dort ebenfalls noch für schwierig halte. Die Hardware hilft, aber die Software-Seite ist weiterhin kein Selbstläufer

    • Dass das iPhone für andere so attraktiv wirkte, lag an Funktionen wie Shazam und daran, dass es sowohl den iPod touch als auch frühere iPod-Funktionen in sich vereinte. Man konnte überall Musik erkennen lassen, und es wurde wie Mode oder Starbucks zu einem Trendphänomen. Später, als der Wettbewerb größer wurde, hatte ich nie wieder das Bedürfnis, mehr als 600 Dollar für ein Telefon auszugeben

  • Die meisten Menschen merken nicht, wie viel sie aufgegeben haben. Ich selbst habe aus Datenschutzgründen Modem und Router durch eigene Geräte ersetzt und dafür Zeit und Geld investiert, und es war den Aufwand wert

    • Tatsächlich wird auch übertrieben, was Menschen angeblich aufgeben. Die meisten brauchen diese Art von „Kontrolle“ ursprünglich gar nicht oder sind nicht dazu in der Lage. Deshalb sind Cloud-Dienste beliebt, und Zeit- und Arbeitsersparnis sind die Hauptgründe

    • Es geht nicht nur um die Menge an Arbeit, sondern auch um komplexe Fragen wie Backups bei Stromausfall, externen Zugriff, Datenaustausch, Sicherheitsbedrohungen und Service-Updates. Ich mache manches auch per Self-Hosting, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass man einen vertrauenswürdigen „Dienstleister“ braucht, der das sicher verwaltet. Aus rechtlichen Gründen werde ich Dinge wie jellyfin weiter betreiben, aber für das meiste ist es realistischer, für verlässliche Dienste zu bezahlen

    • Wenn es eine Person gibt, die etwas Bestehendes verliert, gibt es vielleicht mehr als fünf, die etwas Neues gewinnen. Cloud-Dienste bringen Vorteile auch Menschen, für die technischer Zugang früher schwierig war. Eigentums- und Kontrollfragen gibt es zwar, aber sie schaffen für viele tatsächlich einen realen Mehrwert

    • Ich werde mir auch bald PiHole installieren, um Werbung netzwerkweit zu blockieren. Viele scheinen gar nicht zu merken, wie viel ihnen weggenommen wurde, und gerade deshalb denke ich, dass wir besseren Verbraucherschutz für Internetdienste brauchen

    • Sie wissen nicht einmal, dass es Alternativen gibt

  • Der Wechsel zu webbasierten Apps und SaaS ist deshalb zum Mainstream geworden, weil Nutzer sie ohne Installation sofort verwenden können. Am Ende zahlt man jedoch dauerhaft monatliche Gebühren, und wenn der Dienst eingestellt wird, ist einfach Schluss. Downloadbare Software hat weiterhin viel für sich. Man bezahlt einmal, bewahrt die Daten lokal sicher auf und kann sie lange nutzen. Ich entwickle gerade drei kommerzielle Download-Programme und habe keine Pläne, auf das Web umzusteigen

    • Ich denke, die Local-First-Bewegung sorgt dafür, dass diese Art der Softwareentwicklung wieder mehr Beachtung findet. Siehe lofi.so
  • Ich habe über dieses Thema viel im Zusammenhang mit meiner Arbeit im Gesundheitswesen nachgedacht. Ich habe das Gefühl, dass die norwegische Regierung zwar über AI und Modernisierung spricht, aber erst die grundlegenden Probleme lösen müsste. Wir brauchen ein zentralisiertes, öffentlich bereitgestelltes System für digitale Identität und Authentifizierung. Ebenso brauchen wir einen integrierten sicheren Messaging-Dienst für Beschäftigte im Gesundheitswesen und Bürger. Dieses Prinzip gilt auch im Self-Hosting-Bereich. Community-Projekte müssten keine komplexen All-in-One-Plattformen anbieten, sondern könnten schon mit einem „digitalen Tresor“, der nur Dateien speichert, anfangen. Über offene Protokolle wie WebDAV könnte man verschiedene Apps anbinden, und Nutzer hätten die Freiheit, ihre Werkzeuge selbst zu wählen. Das hat drei Vorteile:

    • niedrige Verwaltungskosten
    • einfache Wartung
    • hohe Vorhersehbarkeit des Dienstes Wenn man Datenspeicherung als öffentliches Gut behandelt und nur die Infrastruktur bereitstellt, können Menschen darauf unterschiedliche Dienste aufbauen. Wenn wir nicht einmal so etwas Grundlegendes und Praktisches hinbekommen, sind noch komplexere öffentliche Dienste ohnehin unrealistisch
  • Der eigentliche Beitrag ist letztlich nur Werbung für die Cloud. Eigentums- und Einrichtungsfragen werden kurz angerissen, nur um dann mit „Aber wie teilt man Fotos?“ die bestehenden Vorteile grundsätzlich abzuräumen. Ich selbst lade nur die Fotos, die ich teilen will, zu Google Fotos hoch, und das ist nicht besonders umständlich, während die meisten Vorteile erhalten bleiben. Nur weil man das Teilen separat über eine andere App löst, werden Eigentum, Infrastruktur, Dezentralisierung und Datenschutz nicht bedeutungslos

  • Man fordert die teilzeitbeschäftigten Sysadmins aktiver Communities auf, über Individualismus hinauszugehen, aber davor braucht es erst einmal einen Anreiz, damit Leute Zeit und Mühe in Community-Hosting stecken. Ohne so einen Antrieb läuft es wie bei Open Source: größtenteils jeder für sich. Es gibt keine Garantien und keine Zusagen. Das unterscheidet sich kaum von der Zeit des Colocation-Hostings. Wenn man hohe Servicequalität und Verlässlichkeit will, landet man am Ende doch wieder bei Unternehmensdiensten

    • Irgendwann wird dieser Kreislauf durchbrochen werden. Heute wirkt es vielleicht nicht wie ein großes Problem, Fotos oder E-Mails Unternehmen anzuvertrauen, aber wenn Technologie stärker integriert wird und Hacker raffinierter werden, wird reine ökonomische Logik irgendwann zu riskant. Dann könnte man einen Sysadmin brauchen, dessen Interessen mit den eigenen übereinstimmen

    • In vielen Communities gibt es Menschen, die Sysadmin-Arbeit rein als Hobby übernehmen. Spaß, Verbundenheit mit Freunden und die Vision von Ent-Unternehmensisierung sind durchaus starke nichtmonetäre Antriebe. Allerdings sind die meisten Menschen keine Sysadmins. Wenn man daraus also ein Geschäft machen will, braucht man ein Servicemodell, das Self-Hosting-Verwaltung auch für Nicht-Profis leicht macht. Erfolgreiche Wirtschaftsmodelle rund um Open Source gibt es bereits reichlich, und sie werden selbst in Umgebungen mit hohen Zuverlässigkeitsanforderungen oft eingesetzt

    • Ohne wirtschaftliche Infrastruktur kann so ein Modell niemals nachhaltig sein. Goodwill ist kein Geschäftsmodell

    • Ich würde das gern kostenlos machen. Meine Homelab-Infrastruktur ist stabiler als die in allen Firmen, in denen ich bisher gearbeitet habe, und es hat mich frustriert, dass diese Firmen die Cloud nie verlassen wollten. Die meisten Menschen sind mit Google oder Apple zufrieden, und auch kostenseitig kann man nicht mithalten. Google One bietet 2 TB für 99 Dollar im Jahr; wenn ich selbst einen öffentlichen Dienst anbieten wollte, müsste ich Tausende bis Zehntausende Dollar in eigene Racks, Server und Speicher investieren. Das ist wirtschaftlich nicht tragfähig

    • Ich stimme zu, dass Community-Hosting bessere Anreize braucht. Colocation ist weiterhin möglich, und wenn mehrere Leute es professionell betreuen, kann es durchaus verlässlich sein und gute Qualität liefern

  • Der Autor benennt auch die Themen gut, über die ich seit Langem in meinem persönlichen Blog schreibe: Self-Hosting ist die bessere Alternative, aber wegen Komplexität und Kosten nicht massentauglich. Die meisten Einzelpersonen und Unternehmen legen auf Privatsphäre, Sicherheit oder Souveränität keinen großen Wert, und daran wird sich kaum etwas ändern, solange keine große Krise eintritt. Wir brauchen mehr Diskussion über Alternativen aus Sicht öffentlicher Infrastruktur, etwa Bibliotheksspeicher oder meine Idee, dass der USPS Bürgern CDN+Speicherplatz bereitstellt. Open-Source-Software sollte UX und Security-Best-Practices standardmäßig so mitbringen, dass Bereitstellung und Betrieb einfacher werden. Wenn die UX so gut gelöst ist wie bei Plex, könnten sich deutlich mehr Menschen für Self-Hosting interessieren. Es ist erfreulich, dass die Debatte über unterschiedliche Alternativen lebhafter wird, während man sich zugleich gegen die Monopolisierung der technischen Infrastruktur und des Ökosystems durch einige wenige Großkonzerne stellt

    • Dank Docker ist das Bereitstellungsproblem fast gelöst. Bei 90 % der Self-Hosting-Apps ist die Einrichtung in fünf Minuten erledigt, wenn man nur ein Docker-Compose und eine Umgebungsdatei hat. Betriebssysteme wie casaOS bringen das nativ mit und machen es bequem. Mit 300 Dollar hat man bereits Hardware und Speicher für eine Cloud-Alternative. Mit einer UPS dazu bleiben die Kosten immer noch überschaubar. Natürlich ist das nicht perfekt, und Sicherheit oder Konfiguration sind lästig. Aber bestehende Dienste sind sicherheitstechnisch auch nicht perfekt, also ist das im Vergleich kein gravierender Nachteil

    • Wenn man Netflix, Spotify und andere Abos aufs Jahr hochrechnet, kommt man schnell über 500 Dollar Serverkosten. Bei 1 bis 10 Nutzern ist die Hardwarebelastung gar nicht so groß

    • Du sagst, du seist gegen eine Struktur, die von Großkonzernen monopolisiert wird, aber tatsächlich gibt es weltweit Hunderttausende Hosting-Anbieter. Meiner Meinung nach ist das vielfältiger als ein staatlich gehostetes Modell. Eine Stadt kann an Microsoft auslagern, aber das wäre für mich eher keine Art von „Kolchos“ oder „Sowchos“

  • Ich stimme der weltweiten Sicht zu: Wenn man eine Datei nicht einfach als Datei herunterladen kann, besitzt man sie nicht wirklich. Selbst wenn ich nur das Recht habe, Spotify zu hören, kann ich es nicht auf meinem Server betreiben. Nur Bandcamp erlaubt es, Musik tatsächlich herunterzuladen und frei zu nutzen. Auch bei Videospielen wird der Weg zur persönlichen Bibliothek durch DRM und Exportbeschränkungen versperrt. Selbst Konsolen wie die Nintendo Switch blockieren Backups von Spielständen, nicht wegen des Urheberrechts, sondern um Online-Speicherabos zu fördern. Wenn wir in eine Lage geraten, in der man auf legalem Weg gar nichts mehr besitzen kann, wird am Ende ein System auftauchen, das einem mit ein paar Klicks oder gegen geringe Zahlung eine unbegrenzte Bibliothek zum Besitz verschafft. Illegal zwar, aber die Bequemlichkeit, die eigene Bibliothek selbst zu verwalten, ist daran ein klarer Pluspunkt

    • Du sagst, auf der Nintendo Switch könne man Spielstände nicht sichern, aber die Daten liegen tatsächlich auf der Speicherkarte

    • Realistisch gesehen ist wirklich brauchbares legales Material für solche Dienste sehr begrenzt. Bei Spielen ist GOG ein Hoffnungsträger, aber große Releases sind dort extrem selten. Bei Musik gibt es Bandcamp, CDs und Vinyl noch reichlich, also erscheinen dort weiter Inhalte. Hörbücher auf RSS-Basis kann man meist nutzen, aber viele Titel sind wegen Audible-Exklusivität oder DRM enttäuschend. Bei E-Books ist es ähnlich, und wenn man einen Kindle nutzt, sollte man Dateien unbedingt im Voraus herunterladen. Bei Büchern gibt es immerhin physische Exemplare als Alternative, aber sie sind nicht dasselbe wie E-Books. Bei TV und Filmen kümmere ich mich wegen Fragmentierung, Preisen und Werbung in Bezahlkonten inzwischen gar nicht mehr darum

  • Es ist schade, dass die Leute nicht merken, wie viel sie preisgegeben haben. Die meisten wissen nicht einmal, was sie verloren haben. So viel Souveränität zurückzugewinnen kostet enorme Zeit und enormes Geld. Und als ich wegen der ISP-Privatsphäre meine Geräte ausgetauscht habe, war der Prozess zwar mühsam, aber am Ende sehr befriedigend