- Rough-Skinned Newt (Taricha granulosa) ist die giftigste Molchart der Welt und lebt im Pacific Northwest der USA
- Zwischen diesem Molch und der garter snake (Thamnophis sirtalis) besteht ein evolutionäres Wettrüsten rund um Giftigkeit
- Die extreme Giftigkeit des Molchs hat sich zusammen mit der Resistenz der Schlange gegen Tetrodotoxin entwickelt, wobei beide Seiten einen Preis dafür zahlen
- Die garter snake nutzt die Strategie, dieses Gift in der Leber zu speichern, sodass auch sie für Fressfeinde giftig wird
- Die Details dieser Wechselwirkung und ihre Ausnahmefälle werden noch erforscht, und viele Rätsel sind weiterhin offen
Warum der Todesmolch so giftig ist
- Taricha granulosa (Rough-Skinned Newt), der giftigste Molch der Welt, ist an der Küste des Pacific Northwest in Nordamerika verbreitet
- Das Gift eines einzelnen Tiers kann ausreichen, um mehrere erwachsene Menschen tödlich zu vergiften
- Der Molch ist giftig, aber nicht venomous. Das heißt, er beißt oder sticht nicht, und bei bloßem Kontakt ist man sicher, wenn man sich danach sehr gründlich die Hände wäscht
Der Grund für die extreme Giftigkeit des Molchs
- Viele Molche sind giftig, aber der grundlegende Grund, warum gerade Taricha granulosa außergewöhnlich giftig ist, liegt in einem Wettrüsten (arms race)
- Die garter snake (Thamnophis sirtalis) in dieser Region entwickelt eine Resistenz gegen Tetrodotoxin weiter, denselben Giftstoff wie beim blue-ringed octopus, und der Molch hat im Gegenzug immer stärkere Giftigkeit entwickelt
- Tetrodotoxin wird von symbiotischen Bakterien produziert, die auf der Haut des Molchs leben
- Je stärker die Resistenz der Schlange wird, desto stärker wird auch die Giftigkeit des Molchs, und dieser Prozess setzt sich als Feedback-Schleife fort
Der Preis von Giftigkeit und Resistenz
- In der Natur hat alles seinen Preis, und der Molch muss für höhere Giftigkeit eine größere Stoffwechselbelastung in Kauf nehmen, um mehr Bakterien aufrechtzuerhalten
- Stärker giftige Molche benötigen mehr Kalorien, was sich nachteilig auf ihr Überleben auswirkt
- Umgekehrt hat auch die Tetrodotoxin-Resistenz der Schlange ihren Preis. Die biochemischen Veränderungen im Nervensystem, die für diese Resistenz nötig sind, können sich in neurologischen Funktionsstörungen, verlangsamten Reflexen und feinen Verhaltensänderungen äußern
- Garter snakes außerhalb des Pacific Northwest haben nur eine schwache Resistenz und sterben daran. Das heißt, die Entwicklung von Resistenz ist eindeutig mit Kosten verbunden
Warum garter snakes giftige Molche fressen
- Auch die Entwicklung von Resistenz ist schwierig, und beim Fressen des Molchs erleben die Schlangen Juckreiz, Erbrechen und Unwohlsein, trotzdem fressen sie die Molche weiterhin
- Der Grund: Garter snakes schützen sich vor Fressfeinden, indem sie nach dem Fressen von Molchen Tetrodotoxin in der Leber anreichern. Sie können das Gift jedoch nicht selbst herstellen, und mit der Zeit verschwindet die Giftigkeit wieder, sodass sie erneut Molche fressen müssen
Der evolutionäre Teufelskreis des Wettrüstens
- Molche mit schwächerer Giftigkeit werden gefressen, und Schlangen mit geringerer Resistenz können keine Molche jagen und daher auch kein Gift anreichern
- Der Molch kann keine aposematischen Warnfarbenmuster entwickeln, weil er dadurch für die Schlangen noch auffälliger und häufiger gefressen würde
- Die Giftigkeit steigt immer weiter, und die Resistenz der Schlangen nimmt ebenfalls zu — ein endloses evolutionäres Dilemma dauert an
Verschiedene Ausnahmen und weitere Rätsel
- In Regionen ohne garter snakes, etwa in Alaska, ist die Giftigkeit der Molche meist gering, einige bleiben jedoch weiterhin stark giftig
- Es gibt auch Regionen wie Vancouver Island, in denen trotz mehrerer Schlangenarten das Wettrüsten von Giftigkeit und Resistenz schwächer ausgeprägt ist
- Es gibt zudem die Frage, ob nicht nur der Molch, sondern auch die garter snake selbst aposematische Warnmuster entwickeln könnte. Allerdings gibt es dazu in der Forschung nur wenige Studien zu äußerlichen Veränderungen
- Auch das Ökosystem des Pacific Northwest selbst ist geologisch relativ jung, daher ist unklar, ob das aktuelle Wettrüsten ein dauerhaftes Phänomen ist
- Auch andere Molche der Gattung Taricha sind stark giftig, und die Taxonomie der Gattung Thamnophis ist ebenfalls komplex
Schlusswort
- Dieses Wettrüsten und das evolutionäre Dilemma sind Gegenstand vieler wissenschaftlicher Arbeiten, und es gibt noch immer viele ungelöste Rätsel
- Der Fall des Todesmolchs ist ein lebendiges Labor für die Themen Ko-Evolution, ökologische Wechselwirkungen und evolutionäre Kosten und bietet viel Raum für künftige Forschung
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