Die Gurus des Webdesigns der 90er: Zeldman, Siegel, Nielsen
(cybercultural.com)- Nach dem Aufkommen von Flash und CSS entstanden um 1997 drei zentrale Philosophien im Webdesign.
- David Siegel betonte visuelle Ästhetik durch „Hacking“, Jakob Nielsen Einfachheit und Barrierefreiheit, und Jeffrey Zeldman hob die Balance zwischen Design und Usability hervor.
- Damals waren technische Einschränkungen wie Browser-Kompatibilität und mangelnde CSS-Unterstützung gravierend, während Flash als neues Multimedia-Erlebnis Aufmerksamkeit erhielt.
- Alle drei Gurus trugen auf unterschiedliche Weise zur Weiterentwicklung des Webdesigns bei; mit der Zeit gewann Zeldmans Ausrichtung, die die Harmonie von Standards und Ästhetik betonte, an Einfluss.
- Heute ist Zeldman als Führungskraft bei Automattic tätig und bereitet ein neues Redesign seiner Website vor.
Überblick
Dieser Beitrag behandelt die Philosophien und den Einfluss von Jeffrey Zeldman, David Siegel und Jakob Nielsen, den drei Gurus, die das Webdesign der späten 1990er prägten. Er beleuchtet, welche Gestaltungsrichtungen sie in einer Übergangsphase vorschlugen, in der neue Technologien wie Flash und CSS eingeführt wurden, Webstandards aber noch nicht etabliert waren, und wirft zugleich einen Blick auf ihre heutigen Aktivitäten.
Hintergrund und Einschränkungen des Webdesigns der 90er
- Um 1997 traten mit Flash und CSS neue Webtechnologien auf den Plan.
- Zeldman kam 1995 zum Web, nachdem er zuvor sehr unterschiedliche Laufbahnen als Romanautor, Journalist, Musiker und Werber durchlaufen hatte.
- Das Web galt damals als „Spielplatz für Konsumenten“, doch technische Grenzen und Beschränkungen der Browser-Leistung waren erheblich.
- Es wurde empfohlen, den Einsatz von Bildern zu minimieren und die Dateigröße klein zu halten.
- Zeldman erstellte HTML und Grafiken mit einem Texteditor und Photoshop und empfahl, die HTML-Grundlagen einzuhalten und zugleich direkt den Quellcode anderer Designer zu studieren, um daraus zu lernen.
Die Designphilosophien der drei Gurus
David Siegel: Die Philosophie von Ästhetik und „Hacking“
- Siegel plädierte 1996 in seinem Buch Creating Killer Web Sites für den Einsatz von HTML-Hacks, um in einer Zeit ohne CSS und Flash ansprechende Layouts zu schaffen.
- Unsichtbare Tabellen und einzelne Pixel-GIFs wurden aktiv zur Layoutsteuerung eingesetzt.
- Sein Ziel war es, perfekte Typografie und visuelle Ausdruckskraft mit allen verfügbaren Mitteln zu erreichen.
- Statt browserübergreifende Kompatibilität in den Vordergrund zu stellen, verfolgte er eher eine Optimierungsstrategie für bestimmte Browser wie Netscape Navigator.
- Er bezeichnete sich selbst als „HTML-Terrorist“ und setzte ästhetische Perfektion selbst dann an erste Stelle, wenn dafür Webstandards ignoriert werden mussten.
Jakob Nielsen: Fokus auf Usability und Webstandards
- Nielsen erlangte breite Bekanntheit als Usability-Guru mit der Haltung „Praxistauglichkeit vor Effekthascherei“.
- Er betonte die Umsetzung gut zugänglicher Designs in allen wichtigen Browsern und unterstützte die Trennung von Struktur und Darstellung, also semantische Auszeichnung und Webstandards.
- Er befürwortete die Nutzung der semantischen Struktur von HTML und bewertete auch die frühe Einführung von CSS schon früh positiv.
- Obwohl er große Erwartungen an die Zukunft von CSS hatte, wies er darauf hin, dass die Unterstützung damals noch unzureichend war und Kompatibilitätsprobleme zwischen Browsern ungelöst blieben.
Jeffrey Zeldman: Balance zwischen Ästhetik und Webstandards
- Zeldman übernahm Webstandards wie CSS aktiv, vertrat aber zugleich eine pragmatische Haltung und nutzte bei Bedarf auch „nicht standardisierte“ Werkzeuge wie Flash oder Shockwave.
- Er hielt konsequent an der Sicht fest, dass „im Webdesign sowohl Ästhetik als auch Web-Barrierefreiheit wichtig sind“.
- Noch 2002 betonte er, dass Bilder, Tabellenlayouts, Stylesheets, JavaScript sowie Server-/Client-Technologien mit Web-Barrierefreiheit vereinbar sein können.
Flash vs. CSS
- Flash war leicht zu erlernen und bot visuelle Freiheit sowie Medienfunktionen, die CSS damals noch nicht liefern konnte.
- Browser (insbesondere Netscape und IE) unterstützten den CSS-Standard nur unzureichend, während Flash mit installiertem Plug-in in jedem Browser dasselbe Erlebnis liefern konnte.
- Siegel übernahm Flash schnell, erkannte aber auch dessen Grenzen an, etwa das Fehlen vollständiger Standards und die proprietäre Dateistruktur.
- Nielsen hingegen kritisierte den nicht standardisierten Charakter von Flash – also die Verbindung von Präsentation und Inhalt – scharf und bezeichnete es als „99% bad“, also als „Usability-Katastrophe“.
- Letztlich eröffneten sowohl CSS als auch Flash Wege zu größerer Ausdruckskraft im Web, doch CSS als offener Webstandard setzte sich langfristig als Mainstream durch.
Der weitere Weg der drei Persönlichkeiten
- Nielsen hielt an seinen Usability-Prinzipien fest, bewahrte den Minimalismus der Useit-Website und forschte auch nach der Site-Integration 2012 weiterhin zu ICT und AI.
- Siegel weitete sein Tätigkeitsfeld aus und wechselte vom Webdesign-Theoretiker in verschiedene Bereiche wie digitales Business, Semantic Web und Blockchain.
- Zeldman ist heute als Executive Creative Director bei Automattic (WordPress, Tumblr usw.) tätig und teilt weiterhin seine Designphilosophie in seinem persönlichen Blog, während er ein Redesign seiner Website vorbereitet.
Fazit
- Die drei prägenden Figuren des Webdesigns der 90er trugen mit jeweils unterschiedlichen Philosophien zur Entwicklung des Webs bei.
- Nach einer Übergangsphase, in der Technik, Standards und ästhetische Experimente nebeneinanderstanden, wurde schließlich die Verbindung von Webstandards und Designgespür zum treibenden Hauptstrom des heutigen Webs.
- Zeldmans pragmatischer und zugleich ausgewogener Ansatz übt weiterhin nachhaltigen Einfluss auf Webdesigner aus.
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