7 Punkte von GN⁺ 2025-05-26 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Keynote auf der OffensiveCon von Perri Adams, Beraterin für KI- und Cybersicherheitstechnologien bei der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) der USA
  • KI wird zunehmend in der Exploit-Entwicklung und bei der Automatisierung von Schwachstellen eingesetzt
  • Anhand eines realen Falls einer pre-auth Double-Free-Schwachstelle in OpenSSH wird untersucht, wie KI in der Exploit-Entwicklung eingesetzt werden kann
  • Auf Large Language Models (LLMs) basierende KI hilft bei einigen Teilaufgaben (z. B. beim Verständnis von Heap Grooming), ist aber unzureichend, um automatisch einen vollständigen Exploit zu erzeugen
  • Die Kombination aus Expertensystemen (z. B. symbolischen Engines) und KI bringt praktische Fortschritte
  • KI wird Menschen kurzfristig nicht ersetzen, aber es wird erwartet, dass ihre Rolle als Assistenzwerkzeug wächst und sie zur Automatisierung bestimmter Teilbereiche beiträgt

Einleitung

  • Keynote der OffensiveCon: Die Zukunft von KI und Exploit-Entwicklung
    • Die Referentin Ms. Perri Adams ist Sonderberaterin des DARPA-Direktors und berät zu KI- und Cybersicherheitstechnologien
    • Frühere Teilnehmerin an Hacking-Wettbewerben aus dem Umfeld des DEF CON CTF-Organisationsteams
  • Erläuterung des Kontexts, in dem in der Sicherheitsbranche sehr intensiv über „Automatisierung“ und den „Einsatz von KI“ diskutiert wird
  • Aufbau des Vortrags auf Grundlage von Erfahrungen bei DARPA und in verschiedenen Branchen sowie der Teilnahme an CTFs (Capture the Flag)

Praxisbeispiel: OpenSSH-Double-Free-Schwachstelle (pre-auth) und KI

  • Im Februar 2023 meldete Qualys eine Double-Free-Schwachstelle in der pre-auth-Umgebung von OpenSSH an die OSS-SEC-Mailingliste
  • Es wird erläutert, dass es sich um eine komplexe Schwachstelle handelt, die nur unter bestimmten Konfigurationen und Bedingungen ausgelöst wird
  • Aufgrund von komplexem C-Code, Prozessisolierung, verschiedenen Funktionsaufrufen und Backward-Compatibility ist ein Exploit für diese Schwachstelle strukturell sehr schwer zu entwickeln
  • Analysiert werden verschiedene Angriffsflächen wie Heap-Strukturen (Glibc-tcache, unsorted bin usw.), Pakete vor der Authentifizierung (Manipulation benutzerdefinierter Listen), OpenSSL und Funktionszeiger
  • Es wird untersucht, wie durch tatsächliche Heap-Manipulation (Grooming) ein use-after-free ausgelöst werden kann und ob sich theoretisch Funktionszeiger überschreiben lassen

Praktischer Einsatz von KI-Tools

  • Es wurde versucht, die Schwachstelle mithilfe von LLM-basierten KI-Systemen wie ChatGPT (3.5, 4.0) und Claude zu analysieren
  • Bei einigen Teilaufgaben zeigte sich eine sinnvolle Leistung, etwa beim Ordnen/Zusammenfassen der grundlegenden Struktur der Schwachstelle und der Heap-Allokationsprozesse
  • Bei der automatischen Erzeugung eines vollständigen Exploit-Codes, komplexer Heap-Manipulation und der Interpretation interner OpenSSL-Abläufe zeigten sich jedoch Grenzen
  • Manche KI-Systeme präsentierten selbstbewusst unrealistische oder ungenaue PoCs (Proof of Concept) oder verweigerten aus ethischen Gründen die Code-Erzeugung
  • Praktisch nützlich erwies sich KI eher bei Code-Korrekturen/Patch-Vorschlägen und bei der Zusammenfassung riskanter Bereiche als defensive Unterstützung

Kombination von KI und Expertensystemen (symbolischen Frameworks)

  • Gegenüber reinen LLM-basierten KI-Systemen zeigen Strukturen in Kombination mit Expertensystemen wie der Lean Proof Engine bei Problemen wie Mathematik-Olympiaden bessere Ergebnisse
  • Bei klar formalisierten Aufgaben wie der IMO können KI-symbolische Systeme Belohnungs- und Verifikationsrollen übernehmen und so die Leistung steigern
  • Auch die Automatisierung von Exploits macht Fortschritte durch die Kombination von KI mit Analysetools wie CodeQL, IDA und Binary Ninja

Forschung zur Exploit-Automatisierung und Realität

  • Seit Wettbewerben zur automatischen Exploit-Erzeugung wie der DARPA Cyber Grand Challenge hat die Forschung in Umgebungen mit reduzierter Komplexität sinnvolle Fortschritte erzielt
  • Wichtige Arbeiten zerlegen das Problem in Teilaufgaben und schlagen Exploit-Templates sowie automatisierte Techniken pro Ziel bzw. Schwachstellentyp vor
  • Praxisnäher als universelle Automatisierungswerkzeuge ist die Kombination von Subalgorithmen, die auf bestimmte Schwachstellentypen/Ziele spezialisiert sind
  • LLMs spielen weiterhin vor allem die Rolle eines „enthusiastischen Assistenten“ — sie tragen eher unterstützend bei, statt die Arbeit von Expertinnen und Experten direkt zu ersetzen

Fazit und Ausblick

  • Die Erwartung, dass KI schon bald die vollständige Exploit-Entwicklung komplett automatisieren wird, ist in vieler Hinsicht übertrieben
  • Der effektivste Ansatz ist die Kombination aus direkter Exploit-Entwicklung und dem Einsatz von KI zur Unterstützung bei Teilaufgaben (z. B. Informationsaufbereitung, Code-Korrekturen, wiederholte Tests)
  • Fortschritte in der Automatisierung folgen der menschlichen Kreativität nur teilweise, und KI kann sich weiterhin nur schwer vollständig an die Komplexität und Wandelbarkeit realer Schwachstellen anpassen
  • Künftig dürften halbautomatisierte Ansätze auf Basis der Kombination bestehender Abstraktionsebenen/Expertensysteme mit KI sowie auf bestimmte Schwachstellentypen fokussierte Automatisierung die wichtigsten Wachstumsfelder sein
  • In den Bereichen Reverse Engineering, Application Security und Pentesting wird die Zahl praktischer Werte und Einsatzfälle voraussichtlich schnell zunehmen

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