7 Punkte von GN⁺ 2025-05-23 | 7 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Bei der Vergütung von On-Call-Diensten ist ein ausgewogenes Verhältnis von Fairness, Transparenz und Motivation wichtig
  • Zu den wichtigsten Vergütungsmodellen zählen freiwillige Teilnahme, pauschale Vergütung, zeitbasierte Vergütung und vergütungsbasierte Bezahlung pro gelöstem Vorfall, die jeweils Vor- und Nachteile haben
  • Die zeitbasierte Vergütung gilt als am fairsten, bringt jedoch administrativen Aufwand mit sich
  • Eine an der Serviceverfügbarkeit orientierte Vergütung fördert langfristig Systemstabilität und präventiven Betrieb
  • Mit Tools wie PagerDuty lassen sich On-Call-Zeiten verfolgen und Vergütungen abrechnen präziser und transparenter durchführen

Was ist On-Call-Arbeit?

  • Dabei halten sich Mitarbeitende außerhalb der regulären Arbeitszeit bereit, um auf Notfälle oder Serviceausfälle schnell reagieren zu können
  • Die Vergütungsmodelle für On-Call-Dienste werden je nach Größe, Kultur und Betriebsmodell einer Organisation unterschiedlich gestaltet

Vier Modelle zur Vergütung von On-Call-Diensten

1. Freiwillige Teilnahme am On-Call-Dienst

  • Merkmal: Mitarbeitende übernehmen den On-Call-Dienst freiwillig und ohne zusätzliche Vergütung
  • Vorteile
    • Flexible Teilnahme möglich
    • Effektiv für kleine Teams oder Organisationen mit ausgeprägter kollaborativer Kultur
  • Nachteile
    • Unklare Zuständigkeiten
    • Risiko von Überlastung und Burnout durch zu hohe Belastung
    • In der Regel wenig nachhaltig

2. Feste monatliche Pauschalvergütung

  • Merkmal: Es wird monatlich ein fester Betrag gezahlt, unabhängig davon, ob tatsächlich On-Call-Dienst geleistet wurde
  • Vorteile
    • Einfache Berechnung und leichte Budgetplanung
    • Bietet Planbarkeit für Mitarbeitende und Organisation gleichermaßen
  • Nachteile
    • Es kann zu Ungleichgewichten im Verhältnis zu Arbeitszeit oder Häufigkeit der Vorfälle kommen
    • Unflexibel, da das tatsächliche Arbeitsvolumen nicht abgebildet wird

3. Vergütung auf Basis der tatsächlichen On-Call-Zeit

  • Merkmal: Vergütung erfolgt auf Stundenbasis für die Zeit, in der On-Call-Bereitschaft besteht
  • Vorteile
    • Faire Vergütung entsprechend der investierten Zeit
    • Transparenz bei Erfassung und Berechnung der Vergütung
  • Nachteile
    • Administrativer Aufwand bei der Zeiterfassung
    • Bei ungenauer Nachverfolgung besteht Konfliktpotenzial
  • Gilt als das verbreitetste und fairste Modell

4. Vergütung nach Zeit für die Störungsbehebung

  • Merkmal: Vergütet wird nur die tatsächlich aufgewendete Zeit zur Lösung realer Probleme während des On-Call-Dienstes
  • Vorteile
    • Direkte Vergütung für tatsächlich geleistete Arbeit
    • Fördert schnelle und proaktive Reaktionen
  • Nachteile
    • Wenn viele Vorfälle auftreten, steigt die Vergütung, was das Risiko birgt, präventive Maßnahmen zu vernachlässigen
    • Kann eine Kultur fördern, die auf kurzfristige Reaktion ausgerichtet ist

Alternative: an der Serviceverfügbarkeit orientierte Vergütung

  • Das Vergütungssystem wird anhand von Servicestabilität und Uptime gestaltet
  • Fördert präventionsorientierten Betrieb und eine höhere Systemzuverlässigkeit
  • Langfristig vorteilhaft für Organisation und Kundschaft gleichermaßen

Kriterien für die Auswahl eines Vergütungsmodells

  • Je nach Eigenschaften und Betriebsweise der Organisation sollte ein passendes Modell gewählt werden
  • Unabhängig vom gewählten Ansatz sind Fairness, Transparenz und Zielausrichtung entscheidend
  • Auch ein hybrides Vergütungsmodell aus mehreren Ansätzen kann in Betracht gezogen werden

Die Rolle von PagerDuty

  • PagerDuty unterstützt den Betrieb von Vergütungssystemen für On-Call-Dienste mit folgenden Funktionen
    • Automatische Erfassung von On-Call-Zeit und -Häufigkeit
    • Aufzeichnung von Vorfällen sowie deren Lösungszeiten
    • Messung der Serviceverfügbarkeit
  • Dadurch werden präzise und transparente Vergütungsberechnungen sowie die Nachverfolgung teambezogener Verantwortlichkeiten möglich

Fazit

  • Die Vergütung von On-Call-Diensten ist nicht nur eine finanzielle Frage, sondern auch ein Ausdruck von Wertschätzung für Einsatz und Fachkompetenz der Mitarbeitenden
  • Organisationen sollten mit einem geeigneten Vergütungsmodell und passenden Tools eine nachhaltige und faire On-Call-Kultur aufbauen
  • Dafür ist eine strategische Entscheidung nötig, die sowohl die Zufriedenheit der Mitarbeitenden als auch die Servicequalität steigert

7 Kommentare

 
ykhl1itj 2025-05-26

Das hängt stark mit dem Arbeitsrecht des jeweiligen Landes zusammen … In vielen US-Unternehmen wird einfach reihum Bereitschaft übernommen, und wenn es in einem bestimmten Zeitraum nicht geht, tauscht man die Reihenfolge. Weil es eben belastend ist … Manche Unternehmen haben auch ein eigenes On-Call-Team.
In Europa gibt es fast immer eine gesonderte Vergütung, sei es, weil sich die Tätigkeit geändert hat, oder weil es sich um Überstunden handelt.
Bei uns wird das wegen des pauschalen Überstundengehalts eher irgendwie nebenbei geregelt. On-Call ist eindeutig Arbeit, wird aber so verpackt, als wäre die Vergütung für diese Zeit eine Art Zusatzleistung.

 
semjei 2025-05-26

Bei uns gab es für Bereitschaft die Hälfte des Stundenlohns, einen Zuschuss zu den Kommunikationskosten, und die Einsatzzeit wurde als Überstunden mit dem 1,5-fachen Satz vergütet.

 
byun1114 2025-05-23

Es überrascht mich, dass freiwillige Teilnahme auf Platz 1 steht...

 
youngminz 2025-05-23

Als ich noch im Unternehmen gearbeitet habe, war es ziemlich stressig, während des On-Call-Dienstes selbst beim Schlafen, Autofahren und an Feiertagen wegen der Störungsbehebung mit Laptop und Apple Watch nur in leichtem Schlaf zu liegen. Nachdem ich gekündigt hatte, war es großartig, einfach nicht mehr gestört werden zu können-

 
tujuc 2025-05-23

24/7 zu reagieren, ist nicht gerade einfach. Vor allem, wenn man als Einziger im DevOps-Bereich arbeitet ... dann gibt es so etwas praktisch nicht, haha.

Man schließt die Augen und betet einfach, dass der Service nicht ausfällt ... haha.

Ich finde es gut, dass man sich Gedanken über eine Vergütung macht. Denn oft kümmert man sich gar nicht um die Vergütung an sich. Vor allem On-Call im Pauschallohnsystem ... in so einer Atmosphäre wird das als selbstverständlich angesehen ...

 
ethanhur 2025-05-23

Ich glaube, das Pauschallohnsystem wird in der Praxis so verwendet, dass die Vergütung nach Modell 2 mit festem Monatsgehalt darin bereits enthalten ist, haha

 
whitelips 2025-05-23

On-Call ist schwierig … das ist einer der typischen Punkte, mit denen Entwickler zu kämpfen haben.