NASA rettet die uralte Raumsonde Voyager 1 mit einer Hail-Mary-Reparatur der Triebwerke
(theregister.com)- Die primären Rolltriebwerke von Voyager 1 wurden nach 20 Jahren erfolgreich wieder in Betrieb genommen
- In einer Situation mit wachsendem Ausfallrisiko der Reserve-Triebwerke fand das Ingenieurteam des NASA JPL auf beinahe wundersame Weise eine Lösung
- Bei extrem begrenzten Gelegenheiten zur Übertragung von Befehlen gewann man durch einen riskanten Versuch wieder die Kontrolle über die Raumsonde
- Voyager 1 bleibt trotz der Grenzen durch die gewaltige Entfernung sowie sinkende Energieversorgung und Systemausfälle weiter in Betrieb
- Irgendwann wird der Moment des Missionsendes kommen, doch auch diesmal setzt Voyager 1 als am weitesten von Menschenhand entfernte Sonde ihre Existenz fort
Die Geschichte von NASAs erfolgreicher Wiederinbetriebnahme der Voyager-1-Triebwerke
NASA hat es geschafft, die primären Rolltriebwerke der fast 50 Jahre alten Raumsonde Voyager 1, die seit über 20 Jahren ausgefallen waren, kürzlich wieder zu aktivieren
Diese Arbeit gelang unter der technischen Leitung des JPL und markierte einen wichtigen Wendepunkt in dem Moment, als das Risiko einer Verstopfung der Treibstoffleitung der Reserve-Triebwerke kritisch wurde
Die lange Reise und die Herausforderungen von Voyager 1
- Seit dem Start im Jahr 1977 ist Voyager 1 weit über den ursprünglichen Missionsplan hinaus seit mehr als 47 Jahren aktiv
- Derzeit fliegt die Sonde in einer Entfernung von mehr als 25 Milliarden Kilometern von der Erde, sodass ein Signalaustausch mit der Bodenstation mehr als etwa 23 Stunden benötigt
- Die primären Rolltriebwerke stellten 2004 nach dem Verlust der Stromversorgung ihrer internen Heizung den Betrieb ein, seither wurden ausschließlich die Reserve-Triebwerke genutzt
- Auch bei den Reserve-Triebwerken wuchs wegen der Ablagerung von Treibstoffrückständen das Ausfallrisiko, sodass ein Defekt noch vor diesem Herbst befürchtet wurde
- Im Ausfallfall hätte die Sonde ihre Fähigkeit zur Lageregelung verlieren können, wodurch auch die Kommunikation mit der Erde gefährdet gewesen wäre
Wenn man es nicht versucht, ist es sicher vorbei – wenn man es versucht, könnte es klappen
- Wegen Wartungsarbeiten an der Antenne DSS-43 waren die Möglichkeiten zur Übertragung von Befehlen in diesem Jahr auf wenige Termine wie August und Dezember stark begrenzt
- Als letztes Mittel versuchte das Voyager-Team, die seit 2004 als tot geltenden primären Rolltriebwerke wiederzubeleben
- Es wurde die Möglichkeit geprüft, dass die Heizung der Triebwerke nicht tatsächlich defekt war, sondern wegen eines Schaltungsfehlers lediglich der Schalter abgeschaltet worden war
- Man stellte die Stromversorgung der Heizung wieder her und sorgte dafür, dass die Triebwerke automatisch aktiviert würden, sobald sich die Sonde weit genug von ihrem Guide Star entfernte
- Wären die Triebwerke bei ausgeschalteter Heizung angesprungen, hätte ein Risiko kleiner Explosionen bestanden; trotz der Signallaufzeit von rund 23 Stunden in beide Richtungen bestätigte sich am Ende, dass die Heizung wieder lief und die Reparatur erfolgreich war
Noch ein beinahe wundersames Überleben
- Das JPL-Team sagte sogar: „Wir dachten, dieses Triebwerk sei definitiv tot“, weshalb bei diesem Versuch die Kombination aus kreativer Ingenieurskunst und Intuition entscheidend war
- Auch zuletzt hatte die Voyager-Mission mit Datenanomalien, sinkender Stromversorgung der wissenschaftlichen Instrumente und mehreren Situationen zu kämpfen, in denen man fast aufgeben musste, erholte sich aber dank des schnellen Handelns der Verantwortlichen immer wieder
- Auch diesmal wurde ein schwerwiegendes Problem mit den Triebwerken wie durch ein Wunder gelöst, sodass Voyager 1 ihren Rekord fortsetzen kann, aus dem interstellaren Raum weiter Signale zu senden
Der Abschluss und die Bedeutung der Voyager-Mission
- Beide Voyager-Sonden werden irgendwann aufgrund von Energieerschöpfung und Systemgrenzen vollständig verstummen
- Durch diese Reparatur bleibt jedoch das Fenster der Menschheit, jenseits des Sonnensystems in den Weltraum zu blicken, voraussichtlich länger erhalten
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