11 Punkte von GN⁺ 2025-04-14 | 5 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • BPS ist ein broadcastbasiertes Positionierungssystem, das GPS ersetzen könnte, und nutzt ATSC-3.0-Signale, um hochpräzises Timing bereitzustellen
  • GPS und BPS erreichen eine präzise Synchronisation mit einer Abweichung von unter 10 ns; es ist ein neuer Ansatz auf Basis der Rundfunkinfrastruktur
  • Da Timing-Genauigkeit in Bereichen wie Stromnetzen, Telekommunikation und Rundfunk entscheidend ist, rückt BPS als Alternative zu GPS in den Fokus
  • BPS wird bei einigen US-Fernsehsendern bereits testweise eingesetzt und könnte künftig zu einer wichtigen Funktion von ATSC 3.0 ausgebaut werden
  • Durch Intels TGPIO-Funktion wird präzise Zeitsynchronisation zunehmend auch auf Consumer-Mainboards möglich

Eine neue Timing-Technologie, entdeckt auf einer Broadcast-Messe

  • Der Besuch der NAB Show diente dazu, mehr über Zeit­synchronisations­technologien für Broadcast und Live-Produktion zu erfahren
  • Dort wurde ein Demo-Stand entdeckt, der PPS-(Pulse Per Second)-GPS-Signale mit TV-Broadcast-Signalen vergleicht
  • Bei diesem Broadcast-Signal handelte es sich um das ATSC-3.0-basierte BPS (Broadcast Positioning System), das eine Zeitabweichung von weniger als 10 ns gegenüber GPS zeigte
  • Anfangs war das Thema ungewohnt, doch einige Referenten und Experten vor Ort stellten BPS bereits vor

Was ist BPS?

  • BPS ist ein experimenteller Standard, der mithilfe von Broadcast-Signalen eine präzise Zeitsynchronisation bereitstellt
  • Er basiert auf ATSC-3.0-Signalen, und rund 1.700 Sender in den USA könnten dafür aufgerüstet werden
  • Derzeit wird das System nur bei wenigen Sendern testweise betrieben
  • Als Alternative zu GPS könnte es eine wichtige Backup-Rolle für Telekommunikation, Medien und Stromnetze spielen
  • Während GPS-Signale anfällig für Angriffe wie Jamming sind, nutzt das broadcastbasierte BPS terrestrische Infrastruktur und wird daher als sinnvolle Ergänzung betrachtet

Die Verbindung zwischen ATSC 3.0 und BPS

  • ATSC 3.0 ist ein neuer IP-basierter Broadcast-Standard und wird in einigen Städten unter dem Namen "NEXTGEN TV" ausgestrahlt
  • BPS nutzt die Struktur von ATSC 3.0, um präzise Zeitinformationen zu übertragen
  • Bislang befindet sich das System noch in der Testphase, doch weitere Einsatzmöglichkeiten werden untersucht

Beispiele für Zeitsynchronisation in Hardware

  • Am ASUS-Stand wurde entdeckt, dass Consumer-Mainboards auf Intel-CPU-Basis mit PPS-in/out-Funktion ausgestattet sind
  • Diese Funktion steht im Zusammenhang mit Intels Technik TGPIO (Time-Aware GPIO) und ermöglicht präzise Timing-Steuerung
  • Weitere Details sollen später auf dem YouTube-Kanal behandelt werden

Materialien zum Weiterlesen

5 Kommentare

 
bju2000 2025-04-15

Ich habe gesehen, dass an einigen Haltestellen UHD-Empfänger für Katastropheninformationen installiert wurden. Wenn auch das nach dem ATSC-3.0-Verfahren läuft, müsste für eine richtige Nutzung von BPS wohl auch bei geringer Signalempfindlichkeit ein Empfang möglich sein.

 
dbs0829 2025-04-14

Auch im Inland gibt es in Provinzstädten etliche Gebiete ohne Abdeckung; ist das in den Randgebieten anderer Länder nicht noch schlimmer? Ich denke auch, dass sich der Abdeckungsbereich von dem von GPS unterscheiden könnte.

 
seunggi 2025-04-14

Ich hatte mich gefragt, warum man nicht NTP verwendet, aber im Rundfunk braucht man offenbar Synchronisierung im Mikrosekundenbereich.

Vergleich ATSC 3.0 BPS vs. NTP
Technische Grundlage
• BPS: basiert auf Rundfunkwellen (verwendet die physikalische Schicht von ATSC 3.0)
• NTP: internetbasierte TCP/UDP-Pakete
Zeitgenauigkeit
• BPS: im Bereich von einigen Mikrosekunden (μs)
• NTP: einige Millisekunden (ms) bis mehrere zehn Millisekunden
Übertragungsweg
• BPS: ausgestrahlte Rundfunkwellen (terrestrischer Kanal)
• NTP: Internet (WAN/LAN)
Latenz/Jitter
• BPS: nahezu nicht vorhanden (synchronisierte Rundfunkwellen)
• NTP: kann schwanken (abhängig von der Netzwerkqualität)
Timing-Quelle
• BPS: vom Sender auf Basis hochpräziser Referenzen wie GPS erzeugt
• NTP: je nach Server unterschiedlich (uneinheitliche Genauigkeit)
Ziel der Synchronisierung
• BPS: Rundfunkempfänger (TVs, Set-Top-Boxen, Fahrzeuge usw.)
• NTP: Server, Clients und allgemeine IT-Geräte
Eigene Positionsbestimmung
• BPS: ja (Positions- und Zeitsynchronisierung möglich, kann GNSS ersetzen)
• NTP: nein (nur Zeitsynchronisierung)
Offline-Nutzung
• BPS: möglich (funktioniert, solange Rundfunkempfang vorhanden ist)
• NTP: nicht möglich (Internetverbindung erforderlich)

 
kandk 2025-04-14

Die Position wird per Triangulation bestimmt
Zur Ermittlung der Entfernung wird Zeit verwendet
Um die Zeit zu kennen, ist eine Zeitsynchronisation erforderlich
Die Idee ist, Rundfunksignale zur Zeitsynchronisation als GPS-Backup zu nutzen

Um die vergleichsweise langen Langwellen zu unterstützen, wäre wohl eine große Antenne nötig
Als Backup scheint es brauchbar zu sein?
Allerdings kann auch das Internet als Backup genutzt werden, daher ist fraglich, wie nützlich das wäre. Ein Backup für das Backup?

 
GN⁺ 2025-04-14
Hacker-News-Kommentare
  • Es gibt die Meinung, dass man über ATSC 3.0 ähnlich wie bei GPS privat BPS-Zeitsignale empfangen können sollte

    • ATSC 3.0 enthält einen dedizierten Rückkanal, um Nutzeraktivitäten zu Marketingzwecken zu überwachen
    • Die Rundfunkbranche benötigt intelligente Medienauslieferung und flexible Servicemodelle, um die Rendite von Netzwerkinvestitionen zu maximieren
    • Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Interaktion zwischen Nutzern bei Mediendiensten der nächsten Generation eine wichtige Funktion sein wird
    • Das System befindet sich derzeit in der Experimentierphase, und es ist nur ein einziger Turm in Nevada in Betrieb
    • Je nachdem, ob ATSC 3.0 erfolgreich ist, sollen Rundfunkanstalten dazu ermutigt werden, zusätzliche Zeitmessausrüstung zu installieren
    • Ziel ist es, ein System aufzubauen, das unabhängig von GPS funktionieren kann
    • Vorteile von BPS sind eine gewisse Abdeckung auch innerhalb von Gebäuden und eine höhere Störresistenz als bei GPS
    • Es gab eine Demo, bei der mit eLoran Zeit nach Nevada zu einer Sendeanlage außerhalb von Las Vegas verteilt wurde
  • ATSC 3.0 unterstützt kein 4K und erfordert neue Hardware

    • Es gibt die Meinung, dass für Verbraucher zu wenig Anreiz besteht, einen neuen Fernseher oder Konverter zu kaufen
    • Es wirkt so, als könnte der Rollout ähnlich wie bei HD Radio verlaufen
  • Es gibt die Meinung, dass eine bodengestützte Alternative zu GNSS notwendig ist

    • Die USA und NATO-Mitgliedstaaten haben bodengestützte Systeme eingestellt, Russland und China halten sie jedoch weiter aufrecht
    • GPS-Störungen und Spoofing nehmen zu, und es braucht Gegenmaßnahmen für die zivile Luftfahrt
  • Es gibt die Meinung, dass auch ohne ATSC 3.0 die Kurzzeitstabilität der für kommerzielle DTV-Sender verwendeten Oszillatoren ausreicht

    • Rosum nutzte diese Technologie bereits 2005
  • ATSC-3.0-Kanäle sind verschlüsselt, wodurch kostenloses Free-TV-Schauen unmöglich wird

    • Es gibt die Meinung, dass es bedauerlich ist, dass diese Entscheidung genehmigt wurde
  • Es gibt die Frage, ob das System auf FM- oder TV-Signalen basiert oder ob es sich um eine Idee auf Protokollebene handelt

    • Es gibt die Meinung, dass bei Nutzung bestehender Mobilfunkmasten keine neuen Funkgeräte nötig wären
    • Es gibt Fragen dazu, warum das System genauer als Mobilfunk-Triangulation ist und wie es mit Mehrwegeproblemen in Innenräumen umgeht
  • Link zu einem verwandten Artikel bei HackADay: GPS Broken? Try TV!

  • Es gibt die Meinung, dass es bei der Entwicklung eines Zeitmesssystems mit bestehenden Antennen besser wäre, Mobilfunkbasisstationen zu verwenden

    • Mobilfunknetze decken den Großteil der Regionen ab und stellen Netzwerkzeit bereit
    • Moderne Mobilfunkempfänger sind softwaredefinierte Radios, bei denen die Kanalauswahl möglich ist
  • Es gibt die Meinung, dass es überraschend ist, dass Broadcast-TV als Grundlage dieses Systems verwendet wurde

    • Man ging davon aus, dass Broadcast-TV weltweit an Popularität verliert