1 Punkte von GN⁺ 2024-04-17 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen

Etak Navigator: das weltweit erste praktische Fahrzeug-Navigationssystem

  • Der 1985 eingeführte Etak Navigator war für seine Zeit ein revolutionäres Produkt, das wie aus der Zukunft wirkte.
  • Er erschien in einer Zeit, als Reagan und Gorbachev über das Ende des Kalten Krieges verhandelten, und in dem Jahr, in dem Steven Spielberg "Back to the Future" veröffentlichte.
  • 1985 nutzte man Papierkarten zur Orientierung, was eine sehr schwierige und mühsame Aufgabe war.
  • Direkt nach seiner Einführung erhielt der Etak Navigator große mediale Aufmerksamkeit und schaffte es auf das Titelblatt von Popular Science.

Die wichtigsten Innovationen des Etak Navigator

  • In einer Zeit ohne GPS erfand Etak die Technologie des „augmented dead reckoning“, um das Problem kumulierender Sensorfehler zu lösen. Dabei wird die Position bei Fahrzeugdrehungen auf die Straße gesnappt und der Sensorfehler zurückgesetzt.
  • Als Erster führte Etak ein bewegliches „heading up“-Karten-Display ein. Das Fahrzeug befindet sich in der Bildschirmmitte, während sich die Karte unter dem Fahrzeug bewegt und dreht.
  • Als Erster brachte Etak die Adresssuche (Geocoding) in ein Verbraucherprodukt.
  • Es gab zwar keine Abbiegehinweise, doch auch die eigenständige Orientierung der Nutzer erwies sich als ausreichend effektiv.

Technische Details des Etak Navigator

  • Bestand aus fünf Kernkomponenten: Vektor-CRT-Display, Kassettenlaufwerk, elektronischem Kompass, magnetischem Radsensor sowie CPU/Mainboard.
  • Es gab damals viele technische Einschränkungen – kein GPS, keine austauschbaren Medien mit ausreichend Kapazität und Anfälligkeit gegenüber Hitze, Neigung und Veränderungen von Magnetfeldern.
  • Verwendet wurde eine 8-Bit-CPU Intel 8088, weshalb der gesamte Code stark optimiert werden musste.
  • Etak musste seine digitalen Karten praktisch von Grund auf selbst erstellen. Dafür wurden USGS-Papierkarten gescannt und GBF/DIME-Dateien korrigiert.

Das zentrale Entwicklerteam

  • Gründer Stan Honey war ein Weltklasse-Navigator und Ingenieur.
  • Der Kartografie-Wissenschaftler Marv White verdreifachte die Produktivität bei der Kartendigitalisierung.
  • Viele Ingenieure mit SRI-Hintergrund waren beteiligt.

Geschäftlicher Erfolg und Übernahme von Etak

  • Wegen der Hardwarekosten und des Installationsaufwands war ein nachhaltiges Geschäft schwierig.
  • Der Code wurde an Bosch, GM und Clarion lizenziert, die daraufhin eigene Navigationssysteme entwickelten.
  • John B. Evans von News Corporation erkannte das Potenzial und trieb die Übernahme voran.
  • Später wurde Etak an SONY verkauft, dann an Tele Atlas und schließlich an TomTom weitergereicht.

Herkunft des Namens Etak

  • Etak stammt aus der polynesischen Navigationstradition. Navigatoren stellten sich vor, dass sich die Inseln bewegen und das Boot stillsteht.
  • Auch im Etak Navigator wurde das System so gestaltet, dass das Fahrzeug stillsteht und sich die Karte bewegt.

Bemerkenswerte Fakten

  • Das heute in allen Navigations-Apps verwendete Fahrzeugsymbol in Form eines Dreiecks geht auf Etak zurück.
  • Das Design soll von Ataris Spiel Asteroids inspiriert worden sein.

Meinung von GN⁺

  • Ein bahnbrechendes Produkt, das die Grundlage der heutigen Navigationstechnologie gelegt hat. Besonders hervorzuheben sind die Leidenschaft und Kreativität des Entwicklerteams, das mit der damaligen Technik eine fast unmögliche Herausforderung bewältigte.

  • Technisch entwickelte Etak wegweisend Verfahren wie augmented dead reckoning, Geocoding und effiziente Algorithmen zur Speicherung und Suche von Kartendaten – Technologien, die bis heute verwendet werden.

  • Geschäftlich war das Produkt letztlich nicht nachhaltig, doch durch Lizenzierung des Codes sowie Übernahmen und Fusionen verbreiteten sich Technologie und Fachkräfte in der gesamten Branche und wurden so zum Fundament der heutigen Navigationsindustrie.

  • In einer Zeit, in der es das Konzept persönlicher Navigation noch gar nicht gab, beeindruckt die Weitsicht visionärer Persönlichkeiten wie Nolan Bushnell und John B. Evans, die sich früh auf die Zukunft vorbereiteten.

  • Der Fall Etak zeigt, dass die Entwicklung innovativer Produkte das Zusammenspiel eines leidenschaftlichen Entwicklerteams, visionärer Führung und unterstützendem Kapital erfordert. Je weiter ein Produkt seiner Zeit voraus ist, desto größer sind oft auch die Schwierigkeiten bei der Kommerzialisierung.

1 Kommentare

 
GN⁺ 2024-04-17
Hacker-News-Kommentar

Zusammengefasst etwa so:

  • Der Name „Etak“ bezeichnet ein Navigationssystem, das vor langer Zeit von Seefahrern in Mikronesien und Polynesien verwendet wurde, wenn sie über den weiten Pazifik zwischen Inseln navigierten. Dabei bestimmten sie ihre Richtung mithilfe von Sternen und Wellen und schätzten Entfernungen, indem sie die Position unsichtbarer Zwischeninseln gedanklich nachzeichneten.

  • Die Etak-Navigation war eine innovative Technologie, die ihrer Zeit um gut 20 Jahre voraus war, scheiterte jedoch daran, zu einem kommerziellen Produkt zu werden, weil sie zu teuer und zu komplex war. Das ähnelt Fällen wie dem Apple Newton oder General Magic. Die Technik brauchte einfach mehr Zeit, um mit der Vision Schritt zu halten.

  • Die MapEngine-Technologie von Etak wurde später auch bei TeleAtlas (heute TomTom) genutzt, und Ingenieure von Etak spielten auch im Apple-Maps-Team eine wichtige Rolle. Obwohl daraus nicht der beabsichtigte geschäftliche Erfolg entstand, war es ein wegweisender Versuch mit großem Einfluss auf das gesamte Feld.

  • Wenn man das technologische Niveau der 1980er Jahre berücksichtigt, sind Etaks Leistungen erstaunlich. Schon das Speichern und Laden von Karten auf Kassettentapes dürfte damals eine große Herausforderung gewesen sein.

  • Einer der Mitgründer von Etak, Nolan Bushnell, war auch der Gründer von Atari, der Steve Jobs als Ersten einstellte.

  • Bosch stellte 1983 übrigens ebenfalls ein experimentelles autonomes Navigationssystem namens EVA vor.