Die Katze, die mich auf einen DDoS-Angriff aufmerksam machte
- Als der Autor bei einem Startup arbeitete, gab es keine offizielle On-Call-Rotation
- Da On-Call belastend ist, wurde bewusst darauf verzichtet
- Stattdessen achteten die Teammitglieder gemeinsam auf dringende Alarme
- Eines Tages wachte er gegen 3 Uhr morgens auf, weil seine Katze ihm den Kopf putzte
- Das Putzen an sich war nichts Ungewöhnliches, aber in 9 Jahren hatte sie das zum ersten Mal getan, während er schlief
- Als er auf sein Handy schaute, stellte er fest, dass wenige Minuten zuvor ein AWS-CloudWatch-Alarm ausgelöst worden war
- Es handelte sich um eine Warnung wegen ungesunder Targets im Load Balancer
- Als die Firmenwebsite nicht erreichbar war, prüfte er das Monitoring-Dashboard
- Von vielen IP-Adressen gingen große Mengen an Requests ein, überwiegend aus dem Ausland
- Das Produkt des Unternehmens war nur in den USA verfügbar, daher war ausländischer Traffic ungewöhnlich
- Er erkannte, dass es sich um einen Distributed-Denial-of-Service-Angriff (DDoS) handelte
- Zunächst wollte er die IP-Adressen auf Serverebene blockieren, erinnerte sich dann aber daran, dass AWS WAF (Web Application Firewall) bereits eingerichtet war
- Um den akuten Ausfall sofort zu adressieren, richtete er eine Regel ein, die Requests aus anderen Ländern blockierte
- Diese Maßnahme blockierte Hunderttausende Requests, und die Website begann wieder zu funktionieren
- Später stellte er fest, dass zum Zeitpunkt des Angriffs eine Nachricht an die Kundensupport-E-Mail eingegangen war
- Der Absender behauptete in miserabler Grammatik, eine Schwachstelle in der Website gefunden zu haben, mit der sich das gar nicht genutzte Apache zum Absturz bringen lasse
- Für 5.000 US-Dollar in Bitcoin wolle er eine "Lösungsdatei" bereitstellen, doch der Autor entschied sich, nicht zu antworten
- Der Autor kann den perfekten Zeitpunkt, zu dem seine Katze ihn weckte, bis heute kaum glauben
- Man könnte vermuten, dass das Handy wegen des AWS-Alarms vibrierte oder ein Geräusch machte und die Katze deshalb zuerst aufwachte, doch nachts war der Nicht-stören-Modus aktiviert
- Deshalb glaubt er lieber, dass die Katze irgendwie spürte, dass bis zum Morgen etwas nicht warten konnte
- Es war jedenfalls deutlich angenehmer, so geweckt zu werden als von einem PagerDuty-Alarm
Meinung von GN⁺
- In der frühen Startup-Phase ist es zwar tatsächlich schwierig, eine formale On-Call-Rotation einzuführen, aber zumindest ein grundlegendes Monitoring- und Alerting-System sollte vorhanden sein. Dass alle Teammitglieder ständig in Bereitschaft sind, ist nicht nachhaltig
- Dass AWS WAF im Voraus eingerichtet war, scheint die Reaktion in der akuten Situation deutlich erleichtert zu haben. Das ist ein gutes Beispiel für die Bedeutung vorbeugender Maßnahmen gegen Sicherheitsbedrohungen
- Nicht auf die E-Mail des Angreifers zu antworten, war eine kluge Entscheidung. Auf Erpressung einzugehen, kann größere Probleme nach sich ziehen
- Mit einem ML-basierten Anomalieerkennungssystem könnte künftig statt der Katze ein Algorithmus solche Angriffe frühzeitig erkennen. Trotzdem sollte man die Intuition von Haustieren vielleicht nicht unterschätzen
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